Paukenschlag bei der Nürnberger: Der Versicherer aus der fränkischen Lebkuchenstadt schickt seine Konzerntochter Nürnberger Beamten Lebensversicherung (NBL) in den Run-off. Ab September wird die NBL kein Neugeschäft mehr zeichnen und bestehende Verträge nur noch abwickeln.

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Angekündigt hatte das der Versicherer eigentlich selbst: ein Pressetext am Donnerstag enthielt den Hinweis darauf. Doch die wichtige Info war so gut innerhalb einer Produktwerbung versteckt („Nürnberger stärkt Angebot für öffentlichen Dienst“, hieß die Mail), dass es zunächst gar nicht auffiel. Erst das Versicherungsjournal machte schließlich am Montag darauf aufmerksam, dass sich im scheinbar unverfänglichen Werbetext ein Hinweis auf den Run-off steckt.

Ändern soll sich für die betroffenen Kundinnen und Kunden zunächst nichts, so berichtet die Nürnberger. „Sie bekommen alle zugesicherten Leistungen verbunden mit dem gewohnten Service ihrer bekannten Ansprechpartner“, heißt es im Pressetext. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Versicherer die Bestände selbst abwickelt und nicht an einen externen Bestandsabwickler verkauft. Diesen Weg hat zum Beispiel die Generali Leben gewählt.

Neugeschäft nun über Konzernmutter

Komplett auf das Neugeschäft verzichten wollen die Franken ebenfalls nicht, im Gegenteil. Weiterhin soll die spezielle Zielgruppe, Beamte und Angehörige des Öffentlichen Dienstes, mit Leben-Policen versorgt werden. Doch das Neugeschäft soll künftig über die Konzernmutter Nürnberger Lebensversicherung AG (NLV) laufen.

Der Versicherer den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung, wie das „Versicherungsjournal“ mit Verweis auf den Solvenzbericht (SFCR) des Versicherers schreibt. Solvenzprobleme sind beim Versicherer jedenfalls nicht festzustellen. Mit 372,1 Prozent Deckungsquote ohne Übergangsmaßnahmen erzielte die Nürnberger Leben das drittbeste Ergebnis am Markt aller deutschen Versicherer. Die Gesellschaft verfügt selbst ohne Anwendung von Übergangsmaßnahmen über deutlich mehr Eigenmittel als zum Erfüllen der aufsichtsrechtlichen Solvabilitätsanforderungen notwendig wären.

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Hier ist zu vermuten, dass die kleine Nürnberger Beamten Lebensversicherung eingestampft werden soll, um sich nicht konzernintern Konkurrenz zu machen. Konnte die Konzernmutter 2018 knapp 2,275 Milliarden Euro an Bruttobeitrag einsammeln, entfielen auf die Beamten-Tochter ganze 45 Millionen Euro Beitragseinnahmen. Mit 1,75 Prozent laufender Verzinsung bildete die Nürnberger Beamten zudem das Schlusslicht im Markt, während die Konzernmutter immerhin 2,5 Prozent auswies.