Immer mehr Bürger schließen Versicherungen, Kredite oder Reisen online ab — bei einem der vielen Vergleichsportale. Im Jahr 2017 hat das Bundeskartellamt eine sogenannte Sektoruntersuchung zu Check24, Verivox und Co. eingeleitet. Anlass waren wiederholte Klagen von Verbraucherschützern, Kunden und auch Wettbewerbern, die ernsthafte Zweifel an der Transparenz der Portale hatten. Etwa bei der Frage, wie bestimmte Produkt-Empfehlungen zustande kommen und ob Anbieter, die hohe Provisionen zahlen, bei den Rankings der Portale bevorteilt werden.

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Am Donnerstag hat das Bundeskartellamt den Abschlussbericht vorgelegt (hier als pdf herunterladbar). Und der hat es in sich. 151 Seiten umfasst das Dokument mit Anhang. Nachdem zunächst mehr als 150 Portale in einer ersten Fragerunde angeschrieben wurden, blieben in einer zweiten Runde 36 Portale übrig: Die Auswahl erfolgte auch nach Reichweite und Relevanz. Die Vergleichsportal-Studie war eine der ersten Untersuchungen, die das Bundeskartellamt mit erweiterten Verbraucherschutz-Befugnissen durchgeführt hat. Diese hat sie erst seit Juni 2017.

Die Sache mit den Provisionen

Mögliche Interessenkonflikte fielen den Behörden schnell ins Auge. Mehr als 90 Prozent der Einnahmen erzielen die Vergleichsportale mit Provisionen. Sie bekommen also nur dann Geld von den Anbietern, wenn sie einen Vertrag an die Frau oder den Mann bringen. Hier entsteht schon der Verdacht, dass Anbieter mit guten und preiswerten Tarifen und Produkten deshalb nicht auf der Webseite erscheinen, weil sie nicht bereit sind Geld zu zahlen.

Mit Blick auf den Versicherungsvergleich wurden insgesamt 17 Anbieter berücksichtigt. Und hier bereits eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Tatsächlich kann die Höhe der gezahlten Provision beeinflussen, wer wo erscheint. Oder eben auch nicht. „Vergleichsportale sind in der Regel als Versicherungsmakler tätig bzw. kooperieren mit einem anderen Portal, das selbst als Makler tätig ist“, berichten die Studienmacher. Das muss nicht schlecht sein, führe aber speziell im Versicherungssegment zu einer eingeschränkten Auswahl:

“Eine vergleichsweise niedrige Marktabdeckung ergab sich insbesondere bei Vergleichsportalen in den Bereichen Versicherungen, Hotels und Kredite“, heißt es in dem Bericht. „Gründe für die niedrige Marktabdeckung sind neben dem grundsätzlichen Verzicht einiger Anbieter auf den Vertriebsweg Vergleichsportal insbesondere der Ausschluss solcher Anbieter, die keine Provision zahlen, durch die Portale selbst“.

Im Schnitt fast die Hälfte aller Tarife nicht gelistet

Der Sektortest des Bundeskartellamtes bei Versicherungen beschränkte sich auf Privathaftpflicht-, KFZ- und Hausratpolicen: Verträge also, die schon recht häufig online abgeschlossen werden. Wobei die Marktabdeckung stark variierte. Sie reichte, je nach Portal, von 45 Prozent aller online verfügbaren Tarife bis hin zu 95 Prozent.

Das klingt zunächst nach viel. Hier gilt es aber zu bedenken, dass Tarife, die noch nicht online zu haben sind, oft gar nicht wiedergegeben werden. Das zeigen die beiden Bereiche Haftpflicht- und Hausratsversicherung, wo jeweils Antworten von fünf Portalen vorliegen. Während die Online-Marktabdeckung der Portale auf 72 Prozent bzw. 71 Prozent geschätzt wird, so liegt die Gesamtmarktabdeckung im Durchschnitt bei „lediglich“ 55 Prozent bzw. 56 Prozent.

Prominentestes Beispiel für einen Versicherer, der den Vertriebsweg über Vergleichsportale bewusst nicht nutze, sei die HUK Coburg. Das Versicherer baute zunächst selbst zwei Vergleichsportale auf (Transparo.de und Aspect-online.de), die jedoch 2014 von Verivox übernommen wurden. Dann zogen sich die Franken aus dem Preisvergleich zurück.

Mehrfach genannt bei der Frage nach den wichtigsten Versicherern, die auf der eigenen Seite nicht dargestellt werden, wurden von den Portalen außerdem die Unternehmen Allianz, HDI, R+V Allgemeine Versicherung und Generali. Das sind durchaus große Namen der Branche. Die Allianz hatte zum Beispiel auch lange die Zusammenarbeit mit Portalen gescheut, kooperiert nun aber mit Verivox.

Positiv hervorgehoben werden mit Check24 und Verivox mit Blick auf die Marktabdeckung die Branchenprimusse der Versicherer-Vergleichsportale. Sie würden immerhin ausweisen, welche Tarife großer Versicherer bei ihnen nicht abgeschlossen werden können.

Fast immer Drittanbieter zwischengeschaltet: und oft dieselben

Eine weitere Erkenntnis aus der Studie: im Versicherungsvergleich sei es üblich, dass nicht der Versicherer direkt einen Zugang zum Tarifportal biete und diese übermittle, sondern dritte Dienstleister zwischengeschaltet werden müssen. Wie das die Tarifempfehlungen beeinflusse, sei für den abschlusswilligen Kunden kaum zu durchschauen.

Beispiel Verivox: Die Tarifdateien in der Kfz-Versicherung erhalte das Vergleichsportal vom Rechner-Anbieter Nafi, im Falle der Hausrat- und Haftpflichtversicherung von Mr-Money. Vergleichsrechner übrigens, die auch von vielen stationären Maklern genutzt werden. Eine Reihe von Portalen greife darüber hinaus auf Daten von Finanzen.de zurück, einem Portal, das auch einen eigenen Tarifrechner anbiete.

Warum diese Kooperationen aus Sicht des Kunden problematisch sind, beschreibt das Bundeskartellamt explizit am Beispiel des Versicherungsvergleichs. Durchaus lässt sich nämlich feststellen, dass mehrere Online-Vergleichsportale dieselben Kooperationspartner haben, im Zweifel also mit derselben Technik rechnen.

Informiere sich nun der Verbraucher bei mehreren Portalen, um einen möglichst unabhängigen und breiten Marktüberblick zu erhalten, könne es sein, dass bestimmte Tarife bei mehreren Portalen besonders gut gelistet werden. Nicht, weil sie unabhängig voneinander bewertet wurden: sondern deshalb, weil die Portale auf ein- und denselben Vergleichsrechner zurückgreifen und dieselben oder ähnliche Datensätze verwenden. Sich aus mehreren Quellen informieren, um einen möglichst neutralen Überblick zu erhalten, macht da wenig Sinn. Nur an der Oberfläche werden die Tarife von verschiedenen Anbietern benotet: im Hintergrund rechnet die gleiche Technik.

Der Versicherungsvergleich ist hier nach Ansicht der Studienmacher besonders intransparent. "Es ist davon auszugehen, dass die existierenden Kooperationen im Bereich des Vergleichs von Versicherungen für den Verbraucher schwerer zu durchschauen sind als in anderen Branchen, da aufgrund der Unterschiede je Versicherungsart und der Rolle des Datenanbieters als drittem Player in diesem Geschäft die Zusammenhänge besonders komplex sind", heißt es in der Studie. Ein Grund seien auch schwer zu durchschauende White-Label-Lösungen. So würde etwa Check24 Whitelabel-Angebote auch anderen Vergleichsportalen zur Verfügung stellen.

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...weitere Ergebnisse zum Sektorvergleich demnächst beim Versicherungsboten.