Spektakuläre Öffnungsaktion wird erweitert

Mitte des letzten Jahres trat der PKV-Verband mit einer spektakulären Kampagne an die Öffentlichkeit: Über die Seite beamte-in-der-pkv.de warb man auch um Beamtinnen und Beamte mit Vorerkrankungen oder Behinderungen (der Versicherungsbote berichtete). Wer eine Anmeldefrist von 6 Monaten ab der Verbeamtung einhält, sollte auch mit Vorerkrankung oder Behinderung leichter Zugang zu den privaten Krankenkassen finden.

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Geworben wurde mit feststehenden Bedingungen: Als „Schnäppchen“ zum Beispiel präsentierte man Risikozuschläge, die auf 30 Prozent begrenzt sind. Wie nun durch eine Presseerklärung und verschiedene Medienberichte bekannt wurde, erweiterte der Verband zu Beginn dieses Jahres erneut seine Öffnungsaktion.

Beamte auf Widerruf werden gezielt umworben

Die Öffnungsaktion gilt nun nicht mehr nur für Beamtinnen und Beamte mit Vorerkrankungen und Behinderungen – allgemein gelten diese Menschen als undankbare Kunden für die privaten Kassen und müssen jenseits der Öffnungsaktion oft höhere Risikozuschläge in Kauf nehmen. Die PKV-Unternehmen werben mit ihrem Verband zu den gleichen Bedingungen seit Anfang 2019 auch um Beamte auf Widerruf, z. B. um Beamtenanwärter und Referendare.

Damit nehmen die teilnehmenden Versicherer nun einen weiteren „Gefahrenumstand“ für die Öffnungsaktion auf, der einen Versicherungsvertrag aus ihrer Sicht riskant machen könnte. Denn Beamte auf Widerruf leisten einen Vorbereitungsdienst, zum Beispiel eine Ausbildung. Zum Teil können sie nur für eine „vorübergehende Wahrnehmung von Aufgaben“ verbeamtet sein, wie Paragraph 6 des Bundesbeamtengesetzes (BBG) definiert. Beamte auf Widerruf sind kündbar, können auch durch Nichtbestehen einer Prüfung (z.B. während einer Ausbildung) ihren Beamtenstatus wieder verlieren.

Kurz: Es handelt sich um Menschen, die zwar Anspruch auf Beihilfe zur privaten Krankenversicherung durch ihren Dienstherren haben und damit eine attraktive Kundschaft für private Krankenkassen darstellen. Dieser Anspruch auf Beihilfe aber ist für „Beamte auf Widerruf“ keineswegs dauerhaft gesichert. Dennoch sollen diese Menschen nun leichter Zugang zu den privaten Krankenkassen finden.

Kampagne kombiniert Gefahrenumstände für Versicherer durch "Aufnahmegarantie"

Die Kampagne „kombiniert“ dabei ganz bewusst die Gefahrenumstände – denn sie richtet sich unter dem Punkt „Beamte auf Widerruf“ ganz gezielt auch an „Beamte auf Widerruf, die Vorerkrankungen oder Behinderungen haben“. Mehr noch: Die Neuerung seit Beginn des Jahres wurde wohl gezielt für diesen Personenkreis eingeführt. Beamte auf Widerruf mit Vorerkrankungen oder Behinderungen nämlich erhalten nun eine Aufnahmegarantie. Wichtig zur Wahrnehmung dieser Garantie ist die Einhaltung der Frist für die Antragstellung – sechs Monate nach Beginn des Beamtenverhältnisses muss der Antrag auf Aufnahme in die Krankenkasse gestellt sein.

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Die Bedingungen entsprechen denen für Beamte mit Vorerkrankungen und Behinderungen: Risikozuschläge sind auf maximal 30 Prozent begrenzt. Zudem gebe es „keine Leistungsausschlüsse“, wie die Kampagnen-Seite ausführt. Alle Tarife jedoch scheinen den „Beamten auf Widerruf“ nicht offen zu stehen. Wird doch nur eine Aufnahme in „für Beamte auf Widerruf offene Tarife“ garantiert, wie es auf der Seite heißt. Die Formulierung deutet wohl auf eine eingeschränkte Wahl bei den Tarifen hin.