Die Policen Direkt Gruppe ist in der Branche vor allem als Zweitmarkt-Aufkäufer von Lebensversicherungen bekannt und hierbei Branchenprimus. Vermehrt nimmt das Unternehmen aus Frankfurt am Main auch die Maklerbranche ins Visier. Nun soll eine Maklergruppe dazu beitragen, selbst als Versicherungsmakler am Markt aktiv zu werden - mit Altbeständen von ungebundenen Vermittlern, die sich zur Ruhe setzen wollen. Darüber informiert das Unternehmen aktuell in einem Pressetext.

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“Unser Ziel ist es, Maklerunternehmen in Nachfolgesituationen zu übernehmen und weiterzuführen, um eine deutschlandweite Maklergruppe aufzubauen“, sagt Simon Nörtersheuser, Geschäftsführer der Policen Direkt-Gruppe. Zwei Varianten werden dabei über Unternehmenstöchter angeboten: der Aufkauf ganzer Unternehmen über die Beteiligungs-GmBH („Share Deal“) und der Aufkauf von Beständen auf Rentenbasis („Asset Deal“) über die Versicherungs-Vermittlungs-GmbH, wo dem Makler eine Rente gezahlt wird.

“Asset Deal“ - Unternehmen wird weitergeführt

Auf der Webseite maklerkauf.de nennt Policen Direkt Details zu den einzelnen Modellen. Entscheidet sich der Makler für den Verkauf seiner Firma, so erhält er maximal das 2,5fache der Bestandsprovision als Verkaufspreis. Dies ist als Einmalzahlung oder lebenslange Rente möglich.

Der Vorteil, so argumentiert Policen Direkt: Das Unternehmen werde weitergeführt und die Mitarbeiter werden weiter beschäftigt. Auch der Kundenstamm soll weiter betreut werden. Allerdings behält sich Policen Direkt auch vor, einen eigenen Versicherungsmakler als neuen Chef einzusetzen. Ob es hier zu Konflikten mit den Mitarbeitern kommen kann, muss wohl der Einzelfall zeigen. Vergütet werden ausschließlich Schadenversicherungen.

Lebensrenten-Modell mit oder ohne Hinterbliebenen-Schutz

Modell Numero Zwei beinhaltet, dass der Makler einzelne Bestände abgibt und dafür eine lebenslange Rente erhält. Hier werden wiederum zwei Modelle unterschieden: die „Lebensrente 90“ und „Lebensrente 100“.

Beim Modell „Lebensrente 90“ erhält der Makler lebenslang 90 Prozent der heutigen Bestandscourtage als Rente. Stirbt der Versicherungsmakler, sollen seine Hinterbliebenen bis zu 30 Jahre nach seinem Tod abgesichert bleiben. Allerdings wird auch bei den Lebensrenten eine einmalige Verwaltungsgebühr von maximal 12 Prozent bzw. 5.999 Euro fällig.

Der Makler kann sich aber auch für die „Lebensrente 100“ entscheiden. Hier erhält er zunächst fünf Jahre lang 100 Prozent der Bestandscourtage als Rente, anschließend 90 Prozent. Ein Schutz für die Hinterbliebenen ist hier allerdings nicht vorgesehen.

Die Vorteile aus Sicht von Policen Direkt: In allen Modellen würde der Kundenbestand aktiv weiterbetreut. Auch fallen die Betriebskosten weg und der Makler im Ruhestand wird aus der Haftung für die zukünftige Beratung genommen. Es winke ein "höherer Nettoverdienst in der Rente als vorher dank wegfallender Betriebskosten“, heißt es auf der Webseite. Auffallend: Bei der Modellrechnung werden die mitunter hohen Bestandscourtagen aus der Lebens- und Krankenversicherung nicht berücksichtigt, ebenso wenig die Erträge, die aus der Dynamik eines Vertrages resultieren.

Viele Makler seien bereits über 50 und würden dennoch das Nachfolgethema schleifen lassen, mahnt Nörtersheuser. „Dass die Makler häufig ihre Bestände einfach auslaufen lassen, ist sehr alarmierend. Das kann keine Lösung sein – weder für den Makler noch für die Versicherer, geschweige denn für die Kunden“, so der Geschäftsführer. Vor allem kleinere Maklerbüros mit Provisionen von weniger als 150.00 Euro im Jahr hätten oft Probleme, einen Käufer zu finden.

Das Modell von Policen Direkt ähnelt jenem, das bereits der Maklerpool blau direkt mit "simplr" etabliert hat. Auch die Lübecker übernehmen Bestände und zahlen dafür eine Leibrente aus. Eine Absicherung für die Hinterbliebenen ist ebenfalls möglich (der Versicherungsbote berichtete).

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*Nachtrag (10.12.2018): Policen Direkt teilt mit, das die Konditionen angepasst wurden. Nun sollen auch Bestandscourtagen aus Lebens- und Krankenversicherungen anerkannt werden.