Viele Versicherungsmakler beraten selbst zum Thema Altersvorsorge. Umso überraschender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, wonach sie den eigenen Ruhestand weniger gewissenhaft planen. 48 Prozent der Versicherungsmakler in Deutschland und Österreich haben noch keine Nachfolgeregelung geplant oder getroffen, so das Ergebnis. Zugleich ist aber rund ein Drittel der Maklerbetriebe auf einen Verkauf des Bestandes angewiesen, um eine sichere Altersversorgung zu haben. Durchgeführt haben die Online-Umfrage die Versicherungsforen Leipzig gemeinsam mit den Maklerforen Leipzig und der Berufsakademie Dresden.

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Hohe Bedeutung, aber…

Überraschend ist das Ergebnis schon wegen der Altersstruktur der Makler, denn vielen verbleibt nur eine vergleichsweise kurze Zeit bis zum Wechsel in den Ruhestand. Über zwei Drittel der Befragten hatten das 50. Lebensjahr bereits überschritten. Im Vergleich zur früheren Studie aus dem Jahr 2014 spiegeln sich hierin die Nachwuchssorgen der Branche: damals war nur rund die Hälfte der Befragten älter als 50 Jahre. Die Maklerschaft altert, ausreichend neue Fachkräfte kommen nicht nach: Auch deshalb wäre die Nachfolge ein wichtiges Thema für viele Senioren in der Maklerschaft.

Immerhin haben die Makler den Bedarf erkannt. 77 Prozent der Befragten messen dem Nachfolgemanagement eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei: Das sind 10,2 Prozentpunkte mehr als noch 2014. Immerhin geben zugleich 77 Prozent der Befragten an, den Verkaufserlös nicht für die eigene Altersvorsorge zu benötigen. Hier sei an weitere Motive für eine gelungene Nachfolgeregelung erinnert: etwa, dass die eigenen Kundinnen und Kunden auch durch den Nachfolger gut betreut werden.

Knapp die Hälfte der Befragten schätzt, dass für die Nachfolgeregelung 3 bis 5 Jahre benötigt werden. Auch wenn es hierfür keine Faustformel gibt, ist das eine sehr optimistische Schätzung: und vermutlich deutlich zu knapp. Die entsprechenden Prozesse sollten mindestens zehn Jahre vor dem geplanten Ausscheiden beginnen, empfiehlt Vertriebsexperte und Wissenschaftler Matthias Beenken, der ebenfalls eine Studie zur Maklernachfolge vorgelegt hat. Allein für das Umbuchen der Bestände durch die Versicherer müssten bis zu zwei Jahre eingeplant werden (der Versicherungsbote berichtete).

Stufenweise Übergabe bevorzugt

Unterstützungsbedarf sehen die Befragten beim Finden eines geeigneten Nachfolgers, aber auch in den Bereichen Steuer- und Sozialversicherungsrecht, gefolgt von erbschafts- und schenkungsrechtlichen Themen. Und selbst bei jenen, die schon ihre Nachfolge planen, haben erst 13 Prozent den Verkaufspreis ermittelt. Ist der Nachfolger gefunden, favorisieren 59 Prozent aller Befragten eine stufenweise Übergabe des Unternehmens: Sie wollen also den Übergabeprozess noch aktiv begleiten. Auch eine Komplettabgabe oder die Einstellung des Nachfolgers im Vorfeld der Abgabe ist für viele der Befragten eine denkbare Option.

Die Zahlung des Kaufpreises als Einmalzahlung bevorzugen 52 Prozent der Befragten. Jeweils ein Drittel kann sich aber auch die Ratenzahlung und die Leibrente vorstellen.

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Hintergrundinformationen: Im Rahmen der Studie wurden Teilnehmer aus Deutschland und Österreich zur Nachfolge im Maklerbetrieb befragt. Die Befragung wurde im Februar 2019 mittels eines Online-Fragebogens durchgeführt. Nach Bereinigung wurden 122 Fragebögen ausgewertet. Die Studie "Nachfolgemanagement im Maklerbetrieb" kann auf der Webseite der Versicherungsforen kostenpflichtig bestellt werden.