BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein ist ein meinungsfreudiger, mitunter polemischer Kommentator, der zuspitzen kann und in den Medien gern zitiert wird. So auch in der aktuellen Debatte zum Provisionsdeckel für Lebensversicherungen. Das 2014 erlassene Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) habe komplett darin versagt, die Provisionen im Sinne der KundInnen zu senken, so ließ er jüngst die Presse wissen. Nun bedürfe es „harter Leitplanken“ oder eines kompletten Provisionsverbotes. “Alles was als Provision über 1,5 Prozent der Beitragssumme hinausgeht, ist unredlich“, sagte Kleinlein. Auch die Verwaltungskosten der Versicherer müssten gedeckelt werden, damit es keine Schlupflöcher bei den Provisionen gebe.

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BDV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Bildquelle: bundderversicherten.deDiese Stellungnahme nahm nun wiederum ein Vermittler zum Anlass, dem BdV eine Mail zu schicken. Der Mann griff darin Zahlen von Branchenexperten auf, wonach manche Vermittler künftig die Hälfte ihrer Einnahmen verlieren könnten, wenn ein harter Provisionsdeckel kommt. Speziell Versicherungsmakler müssten dann um ihre Existenz fürchten, denn ihnen greifen die Versicherer nicht mit einem Festgehalt oder kostenlosen Vertriebstools unter die Arme. Auch die Stornohaftung spricht der Vermittler an. Sie dürfen die volle Abschlussprovision für einen Leben-Vertrag nur dann behalten, wenn sich der Versicherte nicht innerhalb von fünf Jahren wieder davon trennt.

Der Vermittler schrieb also folgendes: „Aufgrund seiner Aussagen würde es mich doch brennend interessieren, ob Herr Kleinlein nicht freiwillig auf 50 Prozent seines Gehaltes verzichten möchte/kann und gleichzeitig freiwillig in die Haftung genommen werden möchte, dieses eventuell auch Jahre später noch zurückzahlen zu müssen - auch, wenn Ihn selbst kein Verschulden trifft. Den Gehaltsverzicht könnte der Bund der Versicherten ja dann für wohltätige Zwecke spenden.“

Kleinlein antwortet auf Zuschrift

Immerhin: Axel Kleinlein antwortet auf die Mail des Vermittlers in einem offenen Brief an den BDV-Blog. Einerseits äußert er darin Verständnis für die schwierige Situation der Vermittler. Doch andererseits schiebt er auch -etwas einseitig- den Versicherern die Schuld in die Schuhe, sollten immer mehr Vermittler künftig kein auskömmliches Einkommen erzielen.

"Ich kann Ihre Emotionalität verstehen und bestätige Ihnen gerne, was Sie erwarten: nämlich, dass auch ich nicht bereit bin einfach so freiwillig auf 50 Prozent meines Gehalts zu verzichten“, eröffnet Kleinlein seinen offenen Brief. Er ergänzt, dass sein Einkommen deutlich unter dem eines Versicherungsvorstandes liege. „Auch ich muss haften und für das gerade stehen, was ich tue. Dabei muss ich mich natürlich an die rechtlichen Normen halten, wie alle anderen auch. Zudem gibt es für mich einen Aufsichtsrat, dem ich Rede und Antwort stehen muss und der mich so ziemlich nach Gutdünken entlassen kann, egal ob ich mir was habe zuschulden kommen lassen oder nicht.“

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Ein solcher Rauswurf sei ihm sogar schon mal passiert, berichtet Kleinlein weiter, auch wenn er keine Details nennt. Doch Branchenkenner wissen, worauf er anspielt. Im März 2013 hatte der BdV-Aufsichtsrat Kleinlein als Vorstandsvorsitzenden fristlos vor die Tür gesetzt, gemeinsam mit seinem Kollegen Thorsten Rudnik. Anlass war ein interner Streit über die Neuausrichtung des Verbraucherverbandes. Damals wurde viel schmutzige Wäsche in den Medien gewaschen: Kleinlein musste sich gegen Mobbing-Vorwürfe verteidigen, aufgrund dubioser Sonderzahlungen an Rudniks Frau stand sogar der Vorwurf der Veruntreuung im Raum. Doch bereits im Spätsommer 2013 wurde Kleinlein erneut in den Vorstand berufen und war rehabilitiert. Der BdV wollte und konnte auf die Medienkompetenz des Versicherungsmathematikers nicht verzichten.