Am 14. Juni ist es soweit: In Moskau wird die Fußballweltmeisterschaft angepfiffen, auch wenn die Begegnung Russland gegen Saudi Arabien bei Fußballgourmets nicht gerade die Zunge schnalzen lässt. Dennoch: Derartige Turniere sind auch für viele Freizeitkicker ein Anlass, die Kräfte im gemeinsamen Spiel zu messen. Erst wird gemeinsam gekickt, dann beim Public Viewing getrunken und gejubelt. Und am Ende ist Deutschland hoffentlich Weltmeister.

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Mitten in die Fußballeuphorie platzt nun eine Pressemeldung der Schweizer Baloise Gruppe. Und diese ist nicht gerade geeignet, den Freizeitkicker oder die Kickerin auf den heiligen Rasen zu locken. Fußball sei nicht nur die beliebteste Sportart der Welt, sondern auch die gefährlichste, so berichten die Baseler. Und nennen drastische Vergleiche: Base-Jumpen und Freeclimbing seien weniger gefährlich. Zumindest, wenn man die absolute Zahl an Verletzungen zum Maßstab nimmt. Allein in der Schweiz können gemäß offizieller Unfallstatistik pro Jahr 45.000 Verletzungen gezählt werden, berichtet der Versicherer.

Die Zahlen für Deutschland präsentieren die Eidgenossen zwar nicht, sie können hier aber nachgeliefert werden. Von den rund 1,2 Millionen Sportverletzungen pro Jahr, die zumindest ambulant behandelt werden müssen, entfällt jede dritte auf Fußball, so berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Hier sei aber auch die große Zahl der Aktiven entgegen gehalten. Allein im DFB waren zum Jahresende 2017 mehr als sieben Millionen aktive Fußballer organisiert, die in 56.592 Vereinen und 157.313 Mannschaften kickten. Dabei sind Freizeitfußballer, die nicht aktiv in einem Verein und nur zum Gaudi spielen, noch gar nicht mitgezählt.

Durchschnittliche Fehlzeit nach Fußballverletzung: 32 Tage

Darüber hinaus hat Baloise 3.000 Fußball-Unfälle aus den Jahren 2015 bis 2017 genauestens ausgewertet. Auch, wenn die Zahlen die Schweiz betreffen, sind sie interessant. Man kann schlussfolgern, dass die Daten zumindest eine grobe Orientierung auch für deutsche Sportler erlauben - treten doch in der Regel beim Fußball sehr ähnliche Verletzungen auf, ungeachtet von Ländergrenzen.

Demnach war eine beim Fußball verunfallte Person durchschnittlich 32 Tage arbeitsunfähig geschrieben, wenn der Unfall mit so schweren Verletzungen einher ging, dass die Person ihren Job unterbrechen musste. Zu jeweils 25 Prozent war dabei die Wahrscheinlichkeit am größten, sich am Knie oder Fußgelenk zu verletzen. Und keinesfalls trifft es vor allem ältere Sportler. Das Durchschnittsalter der verunfallten Kicker bezifferte sich auf 31 Jahre.

Ein weiteres Ergebnis: Profis und Amateure verletzen sich grundsätzlich unterschiedlich. Dies hat tatsächlich auch ein wenig mit der Ungeschicklichkeit und den fehlenden Ballkünsten der Amateure zu tun. So würden Amateure zweimal so viele Frakturen wie Profifußballer erleiden und sich gerade in Zweikämpfen häufiger schwere Verletzungen zuziehen. Der Grund: Profis vermeiden aufgrund einer besseren Ballführung den direkten Kontakt mit dem Gegner und haben auch bei Grätschen und im Abwehrverhalten ein besseres Timing, berichtet Baloises. Dem entgegen würden Fußballprofis aufgrund der dauerhaft hohen Belastung häufiger Muskel-Zerrungen und Bänderrisse erleiden.

In Deutschland betrifft jede zweite Verletzung beim Fußball die Bänder oder Gelenke

Eine ähnliche Auswertung für den deutschen Breitensport hat der GDV im Jahr 2016 vorgelegt. Grundlage waren die Daten der privaten Unfallversicherer. Auch hier zeigt sich, dass die Bänder und Gelenke beim Fußball besonders bedroht sind. Fast jeder zweite Unfall beim Fußball in Deutschland (49 Prozent) geht demnach mit einer Muskel- und Bänderverletzung einher. Mit einem Knochenbruch endet jede vierte Verletzung, wenn ein Unfallversicherer hierfür zahlen muss. Ein deutlicher Abstand klafft da schon zur dritthäufigsten Verletzung, wenn dem runden Leder nachgejagt wird: Verstauchungen, Quetschungen und Prellungen haben fünf Prozent aller Unfälle zur Folge.

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Für Sportler gibt es aber eine gute Nachricht: Nur ca. 5 Prozent aller allgemeinen Sportverletzungen gehen mit schweren oder bleibenden Schäden einher, so berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). Die meisten Fälle gehen glimpflich aus. Und so ist es deutlich gesünder, regelmäßig Sport zu treiben, als darauf zu verzichten. Sport stärkt das Immunsystem, beugt Herz- und Kreislaufkrankheiten vor, stabilisiert Muskeln und Gelenke und ist auch ein gutes Mittel gegen Osteoporose, Diabetes oder Arterienverkalkung.