In der Schule und auf dem Weg dorthin sind Kinder gesetzlich unfallversichert. Lothar Weber, Sprecher des Bezirks Bergisch-Land im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), warnt aktuell, dass dieser Schutz nicht ausreicht. Der Grund: Schüler erhalten aus der Unfallkasse nur sehr wenig Geld, wenn sie in der Schule oder auf dem Weg dorthin verunfallen.

Anzeige  

 

Weber sagte der „Rheinischen Post“, ein 14jähriger Schüler erhalte bei Unfall mit 60-prozentiger Invalidität eine Rente von 396 Euro monatlich. „Bei völliger Erwerbsunfähigkeit werden ihm 661 Euro gezahlt“. Das sei zum Leben garantiert zu wenig. Da ohnehin zwei Drittel aller schweren Unfälle von Schulkindern sich in der Freizeit ereignen würden, sei es besser, den mangelhaften Schutz mit einer privaten Unfallversicherung aufzustocken. Sie schmälert auch die Leistungen aus der gesetzlichen Unfallkasse nicht.

1,35 Millionen Schulunfälle im Jahr 2016

Laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) ereigneten sich 2016 circa 1,24 Millionen meldepflichtige Schulunfälle, von denen 249 so drastisch endeten, dass den Schülern eine dauerhafte Rente zugesprochen wurde. Zugleich waren 111.216 Schulwegunfälle zu beklagen, hier erhielten 228 Schüler eine Unfallrente. 41 Unfälle endeten tödlich, davon 31 auf dem Schulweg (siehe Tabelle).

Die gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) greift, wenn ein Kind in der Schule oder auf dem Weg dorthin verunfallt. Auch bei Schulausflügen genießen die Schüler Schutz. Dieser gilt aber nur sehr eingeschränkt: Schon wenn das Kind auf dem Nachhauseweg von der Schule einen Abstecher macht, um noch einmal den Spielplatz aufzusuchen, kann damit die gesetzliche Unfallversicherung leistungsfrei sein. Nicht so bei einem privaten Vertrag: Hier leistet der Versicherer in der Regel unabhängig von Zeitpunkt und Ursache des Unfalls.

Unfälle in der Schüler-Unfallversicherung 2015 und 2016. Quelle: DGUV

Invaliditätsversicherung für Schüler: Die bessere Alternative?

Als Alternative zu einer privaten Unfallversicherung empfiehlt sich der Abschluss einer Invaliditätsversicherung für das Kind. Der Grund: Von den circa 150.000 Kindern, die invalide sind, gehen nur 0,45 Prozent tatsächlich auf Unfälle zurück. Die weit häufigste Ursache sind jedoch schwere Krankheiten.

Anzeige  

 

So weist auch das Statistische Bundesamt (Destatis) im Mikrozensus 2009 zum Beispiel für Vier- bis Sechsjährige eine Gesamtzahl von 14.300 Schwerbehinderten aus, berichtet die „Südwest Presse“, davon 24 durch Unfälle und fast 8700 durch Krankheiten. Eine Kinderinvaliditätsversicherung zahlt in der Regel weitgehend unabhängig von der Ursache der Behinderung, wenn das Versorgungsamt mindestens 50 Prozent Behinderung bescheinigt.