Das Hauptproblem in Deutschland ist folgendes: Wenn sich Kunde konfrontiert sieht mit Kosten von -ich sage jetzt mal- 1.500 Euro im Monat. Dann hat er in der Regel nicht die finanziellen Möglichkeiten, diesen Betrag allein durch ein eigenes Einkommen abzudecken und an professionelle Dienstleister zu delegieren. Was macht er also? Er lässt einen Teil den Pflegedienst machen, im Zweifel so viel, wie er sich selbst gerade finanziell mit den Leistungen der Pflegekassen leisten kann. Und der Rest wird von überlasteten Verwandten übernommen.

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Nun sind wir in Deutschland in der Situation, dass sich die Menschen immer noch selbst um ihre eigene Pflegevorsorge kümmern müssen. Allerdings betrifft ihn das eben nicht allein. Wenn er die Vorsorge vernachlässigt, leidet er nicht nur selbst darunter, sondern dann leiden im Ernstfall seine Angehörigen. Auch das ist ein Thema, das der Vermittler mit seinem Kunden besprechen muss, nämlich: Wer bezahlt das bei dir? Es ist zu vielen Verbrauchern noch nicht vorgedrungen, dass die Kinder für ihre Eltern haften.

Wenn der Kunde dann sagt: „Ich habe Vermögen. Ich habe ein Haus, das will ich nicht vererben, das geht notfalls für meine Pflege drauf!“, dann hat er ja eine Möglichkeit, das zu finanzieren. Und wenn er sagt: „Meine Kinder sind mir egal!“, ja, dann ist das halt so. Aber wenn er sagt: „Nein, ich will meine Kinder nicht belasten, mein Vermögen nicht aufbrauchen und meine Rente nicht antasten“, dann muss er sich die Frage stellen: Wie viel ist es ihm wert, seine Probleme zu lösen? Dann muss eine zusätzliche Pflegevorsorge her, das muss ein Vermittler offensiv ansprechen.

Und da sind Kinder auch manchmal in der Verantwortung -also ich sage jetzt mal: meine dreißigjährige Tochter-, offensiv die Frage zu stellen, „Alter, was hast du in Sachen Pflegevorsorge gemacht? Oder muss ich das später alles bezahlen?“ Auch das ist ein Thema, was der Vermittler mit seinen Kunden besprechen muss: Pflegevorsorge betrifft die ganze Familie. Mitunter müssen gemeinsame Antworten gefunden werden, auch im Dialog der Generationen.

Überlastung von Angehörigen ist ein gutes Stichwort. Es kann bei der Pflegezusatzversicherung nicht allein darum gehen, dass man Geld für die Pflege erhält. Sondern auch um zusätzliche Unterstützung der Angehörigen, die sich plötzlich einer extrem belastenden Situation gegenüber sehen und vielleicht keine Erfahrung mit Pflege haben. Was können private Zusatzpolicen da leisten, etwa über Assistance-Leistungen?

Wir wissen aus der Psychiatrie, dass die am meisten belasteten Berufsgruppen, die zum Beispiel zu Burnout neigen, pflegende Angehörige sind. Weil die nicht aussteigen können. Die brauchen mal Pause und Urlaub. Zwar gibt es auch hier einen Grundschutz durch die gesetzliche Pflegeversicherung, etwa durch die Verhinderungspflege. Aber auch da können hohe Kosten anfallen, zum Beispiel wenn eine Person vorübergehend im Pflegeheim untergebracht werden muss.

Wenn ich nun eine private Pflegezusatzversicherung kaufe, gilt es auch, auf diese Zusatzleistungen zu achten. Das muss eine Pflegeversicherung nicht nur das monatliche Salär zur Verfügung stellen, sondern in der Lage sein, zusätzlich einen Ausstieg zu gewähren. Eine Pflegeversicherung sollte auch in der Lage sein, zusätzliche Gelder für den behindertengerechten Umbau bereitzustellen. Eine Pflegeversicherung sollte in der Lage sein, sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu folgen. Das ist auch mein Plädoyer für Pflegetagelder, weil diese anpassungsfähiger sind als Pflegerentenversicherungen, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert sind.

Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass die Tarife anpassungsfähig sind?

Erst jüngst hatten mit den Pflegestärkungsgesetzen massive Änderungen bei der gesetzlichen Pflege, die auch Auswirkungen auf private Pflegeversicherungen hatten. Da hat der Gesetzgeber zu Recht das gesamte Pflegeszenario auf den Kopf gestellt. Wir müssen uns vorstellen, dass derart massive Eingriffe in den nächsten zwanzig Jahren noch zwei- oder dreimal geschehen werden. Das war nicht die letzte Pflegereform, auf die wir uns einstellen mussten. Ich glaube, dass wir in zwanzig bis dreißig Jahren Pflege komplett anders gestalten als das, was wir heute als Pflege kennen.

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....Die Fragen stellte Mirko Wenig.