Eine Kfz-Versicherung mit wenigen Klicks bei einem Vergleichsportal oder eine Webseite abschließen? Das kann im Zweifel schnell teurer werden, wie aktuell auch der TÜV Rheinland in einem Pressetext betont. Die Verbraucherorganisation rät indirekt dazu, dass nur informierte Kunden ihre Police online zeichnen. Denn wer sich von einem vermeintlichen Schnäppchen verleiten lasse, ohne auf den Leistungskatalog zu achten, zahle schnell mehr.

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“Was fehlt, ist der direkte Ansprechpartner - und eine persönliche Beratung“

Zwar seien Internetangebote mitunter extrem günstig und ein Fahrzeug lasse sich mit wenigen Klicks absichern, hebt der TÜV hervor. „Was aber im Gegensatz zu einer niedergelassenen Versicherung fehlt, ist der direkte Ansprechpartner - eine persönliche Beratung“, warnt der Pressetext. Nur, wer auf ein solches Gespräch verzichten könne, sich auskenne und auch keine Schwierigkeiten mit Online-Formularen habe, sei bei Onlineanbietern an der richtigen Adresse.

Der TÜV nennt beispielhaft Fallstricke, die sich gerade in besonders günstigen Kfz-Policen verstecken können. So sehen einige Kaskotarife eine hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall vor. Auch sei ein Kundenkontakt bei manchen Versicherern mit zusätzlichen Ausgaben verbunden. „Gibt es Service-Hotlines, sind diese bei Kfz-Versicherungen oft kostenpflichtig“, erklärt Steffen Mißbach, Kfz-Experte beim TÜV Rheinland.

Auch die Rückstufungstabellen zählen!

Dabei sind die vom TÜV erwähnten Beispiele noch nicht einmal die heimtückischsten in Kfz-Verträgen. Die Zeitschrift „Finanztest“ hat bei einer Analyse von 163 Tarifen festgestellt, dass einige Anbieter niedrige Versicherungsprämien zum Preis besonders ungünstiger Rückstufungstabellen erkaufen. Schon ein einfacher Blechschaden kann dann dazu führen, dass der Fahrzeughalter tausende Euro mehr zahlen muss (der Versicherungsbote berichtete).

Der Hintergrund: Fährt ein Fahrer lange unfallfrei, wird er mit einer höheren Schadenfreiheitsklasse (SF) belohnt. Je länger der Versicherte ohne Schaden bleibt, desto günstiger werden Prämie und Vertrag, abhängig von einem bestimmten Prozentsatz. Nach jedem Jahr kommt der unfallfreie Fahrer in eine günstigere SF-Klasse. Landet er nach 15 Jahren in der Regel in SF 15, ist es nach 35 Jahren die SF 35. Das ist meist auch die günstigste Schadenfreiheitsklasse.

Baut der Fahrer aber nun einen Unfall, wird er in eine ungünstigere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft und muss dann entsprechend mehr zahlen. Hier verhalten sich die Versicherer höchst unterschiedlich. In der Regel werden gleich mehrere Schadenfreiheitsklassen verloren, so dass der alte Wert erst nach mehreren Jahren wieder erreicht wird. Je nachdem, wie stark ein Versicherer zurückstuft, können die Mehrkosten über die Vertragslaufzeit hinweg beim Vier- bis Fünffachen des bisherigen Jahresbeitrages liegen, berichtet Finanztest.

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Auf die Unterschiede bei der Rückstufung geht der TÜV Rheinland in seinem Pressetext gar nicht ein. Hier kann es sich schnell als Nachteil entpuppen, dass viele Onlineportale gar keinen Einblick in die Rückstufungstabellen erlauben, sondern der Kunde die entsprechenden Informationen erst erhält, wenn er sich bereits für einen Kfz-Versicherer entschieden hat. Wenn der Fahrzeughalter sogar mehrere Unfälle verursacht, kann das vermeintliche Schnäppchen sich sogar als noch teurer erweisen.