Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) blickt positiv auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2017 zurück. Die rund 450 deutschen Versicherer konnten demnach ihre Bruttobeiträge auf einen Rekordwert von 197,7 Milliarden Euro steigern, was ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Das berichtet der GDV in einer heutigen Pressemeldung.

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Schaden und Unfall stark, Leben schwächelt

Erfreuliche Zahlen können die Versicherer in der Schaden- und Unfallversicherung melden. Um satte 2,9 Prozent wuchsen hier die Beiträge, so dass sie sich nun auf 68,2 Milliarden Euro summieren. Doch auch die ausgezahlten Leistungen erhöhten sich laut Hochrechnung um 3,2 Prozent auf nun 51 Milliarden Euro.

Dennoch: Die Schaden- und Unfall-Sparte ist erneut wichtige Stütze der Versicherer. Der versicherungstechnische Gewinn dürfte bei 3,4 Milliarden Euro liegen (Vorjahr: 3,5 Milliarden), die Schaden-Kosten-Quote wie im Vorjahr bei 95 Prozent. GDV-Präsident Wolfgang Weiler sprach in Berlin von einem „klaren Wachstumskurs“, den die Branche auch 2018 fortsetzen wolle.

Anders hingegen die Situation in der Lebensversicherung. Hier musste die Branche einen minimalen Beitragsrückgang von -0,1 Prozent verkraften. Der Branchenverband wertet es bereits als Erfolg, dass die Beiträge hier weniger schrumpften, als von Branchenvertretern prophezeit (Prognose: -0,5 Prozent). Insgesamt 90,7 Milliarden Euro an Bruttobeiträgen konnten die Lebensversicherer an Bruttobeiträgen im Jahr 2017 einnehmen. Zum Vergleich: noch 2015 bezifferten sich die Prämien auf 92,7 Milliarden Euro (Zahlen inklusive Pensionsfonds und -kassen, aber ohne Rückversicherung).

Lebensversicherer am Tropf der Einmalbeiträge

Zudem zeigt sich erneut, dass die Lebensversicherer am Tropf der Einmalbeiträge hängen. 26,1 Milliarden Euro entfielen 2017 auf das Geschäft gegen Einmalbeitrag, berichtet der GDV. Das ist nicht unumstritten: Kritiker warnen, dass die Einmalbeiträge zu Lasten von Altkunden quersubventioniert werden, die ihren Vertrag mit laufenden Beiträgen verdienen. Denn im Einmal-Geschäft werden die Policen oft nicht langfristig gehalten und die Versicherer locken zum Teil mit Kampfzinsen (der Versicherungsbote berichtete).

Vorläufige Bilanz der Lebensversicherung 2017. Quelle: GDV

Weit weniger erfreulich sind die Zahlen hingegen beim Neugeschäft gegen laufenden Beitrag. Hier sank das Beitragsvolumen um satte 4,6 Prozent auf nun 5,2 Milliarden Euro. Fast 50 Prozent des Neugeschäfts entfallen dabei auf Produkte mit alternativen Garantien, berichtet der GDV: also in der Regel Lebensversicherungen, die nur den Erhalt der eingezahlten Beiträge garantieren, aber es dem Sparer erlauben, stärker am Aktienmarkt zu partizipieren.

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Positiv: Trotz der teils massiven Kritik in den Medien zeigt sich die Zahl der stornierten Leben-Verträge stabil, eine Kündigungswelle ist nicht zu erkennen. Die Stornoquote dürfte wie im Vorjahr bei 2,8 Prozent liegen. In Medien wie der "Bild"-Zeitung, FAZ oder Die Welt waren im letzten Jahr wiederholt Artikel erschienen, in denen infrage gestellt wurde, ob sich Leben-Policen als Geldanlage im Niedrigzins überhaupt noch lohnen.