BarmeniaGothaer-Vorständin: 'Lebensversicherung muss sich weiterentwickeln'
Die Lebensversicherung steht unter Druck. Doch für Alina vom Bruck ist sie kein Auslaufmodell, sondern ein Produkt mit Anpassungsbedarf. Überdies verrät die Vorständin der BarmeniaGothaer, warum ein Besuch auf der insureNXT ein absolutes Muss ist.

Frau vom Bruck, Sie sprechen auf der insureNXT über das „Auslaufmodell Lebensversicherung“. Warum steht dieses Produkt aktuell so stark unter Druck?
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Die Bezeichnung „Auslaufmodell“ ist zugespitzt, greift aber ein reales Spannungsfeld auf. Die Lebensversicherung steht heute unter Druck, weil mehrere Entwicklungen gleichzeitig wirken. . Ein wesentlicher Faktor war das langanhaltende Niedrigzinsumfeld, das klassische Garantieversprechen deutlich eingeschränkt hat. Parallel dazu haben sich die Erwartungen der Kundinnen und Kunden verändert. Produkte müssen heute verständlicher sein, mehr Flexibilität bieten und sich stärker an individuellen Lebenssituationen orientieren. Zudem können wir mit der Digitalisierung und Geschwindigkeit anderer Branchen nicht immer mithalten.
Ein weiterer Punkt wird häufig unterschätzt: Altersvorsorge ist für viele Menschen zwar ein wichtiges Thema, wird aber oft aufgeschoben, weil sie komplex ist. Ein zentrales Problem ist dabei weniger das Produkt selbst, sondern der Zugang. Genau daraus entsteht eine Lücke zwischen dem Wissen um die Notwendigkeit und dem tatsächlichen Handeln.
Für mich ist es deshalb entscheidend, die Perspektive zu verändern. Es geht weniger um die Frage, ob die Lebensversicherung ein Auslaufmodell ist, sondern darum, wie sie sich weiterentwickeln muss, um auch künftig eine zentrale Rolle in der dringend benötigten Absicherung zu übernehmen.
Welche strukturellen Entwicklungen haben dazu geführt, dass klassische Lebensversicherungen heute schwieriger zu positionieren sind?
Wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet, sieht man, dass die Rahmenbedingungen verändert haben. Auf der einen Seite stehen makroökonomische Faktoren wie das Zinsumfeld und veränderte Kapitalmarktbedingungen. Auf der anderen Seite stehen Anbieter anderer Branchen, die die Kundenanforderungen verändert haben. Kunden und Kundinnen erwarten die gleiche Convenience wie sie es von anderen Produkten kennen.
Hinzu kommt ein verändertes Entscheidungsverhalten. Kundinnen und Kunden informieren sich heute intensiver selbst, erwarten aber gleichzeitig, dass Produkte schnell verständlich sind. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld. Die Komplexität der Lebensversicherung ist produktinhärent, aber wir müssen deutlich besser darin werden, sie verständlich zu machen. Es ist wichtiger, die Funktionsweise transparent zu machen und den konkreten Nutzen klar herauszuarbeiten, anstatt sich allein auf traditionelle Argumente zu verlassen.
Braucht es eher eine Transformation bestehender Produkte oder völlig neue Vorsorgelösungen?
Die Lebensversicherung ist und bleibt ein sehr gutes Produkt, weil sie nach wie vor zentrale Eigenschaften besitzt, die für die Altersvorsorge essenziell sind: Garantien bei gleichzeitig hoher Rendite sowie die Absicherung von Risiken wie Langlebigkeit, Tod oder Invalidität. Gleichzeitig muss sich auch ein gutes Produkt weiterentwickeln, um veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Kundinnen und Kunden erwarten mehr Flexibilität, mehr Transparenz und die Möglichkeit, ihre Vorsorge stärker individuell zu gestalten.
In der Praxis bedeutet das, dass wir weniger die Produkte verändern müssen, als den Zugang zu diesen Produkten zu vereinfachen. Altersvorsorge ist für alle wichtig und trotzdem erreichen wir nicht alle Zielgruppen. Daran müssen wir arbeiten, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Am Ende geht es darum, alles zusammenzubringen: Gute Produkte, einfache Zugänge, eine hohe Verständlichkeit.
Welche Erwartungen haben jüngere Generationen heute an Altersvorsorgeangebote?
Jüngere Generationen erwarten heute vor allem einfache, verständliche und digital zugängliche Lösungen. Altersvorsorge muss sich für sie nahtlos in den Alltag integrieren lassen – von der Information bis zum Abschluss und zur laufenden Anpassung, so wie es viele andere Produktangebote bereits tun. Gleichzeitig spielt Transparenz eine zentrale Rolle: Produkte sollen klar nachvollziehbar sein, sowohl in ihrer Funktionsweise als auch in Bezug auf Kosten und Renditechancen. Hinzu kommt der Wunsch nach Flexibilität, um auf veränderte Lebenssituationen reagieren zu können. Entscheidend ist, Komplexität nicht zu verbergen, sondern so aufzubereiten, dass sie verständlich und handhabbar bleibt.
Auch im InsurLab Germany treiben Sie gemeinsam mit anderen Versicherern Innovation in der Branche voran. Welche Bedeutung hat diese Zusammenarbeit gerade bei großen strategischen Themen wie der Zukunft der Altersvorsorge?
Einen wesentlichen Anteil an der Zukunft der Altersvorsorge hat unsere Fähigkeit uns zu modernisieren und uns an neue Gegebenheiten und Kundenanforderungen anzupassen. Hier gibt es keine einfache Lösung und wir haben alle ähnliche Herausforderungen. Deshalb ist der Austausch im InsurLab Germany so wertvoll. Unterschiedliche Perspektiven kommen zusammen und Erfahrungen werden geteilt. Ein aktuelles Beispiel ist KI. Viele haben erste Use Cases und stehen vor der Frage, wie KI im Unternehmen skalieren kann und welchen Rahmen es braucht.
Was ich am InsurLab besonders schätze, ist, dass die Formate sehr passgenau auf die jeweiligen Zielgruppen ausgerichtet sind und die Themen in einer geeigneten Detailtiefe bearbeiten.
Eine besondere Rolle spielen Kooperationen mit Start-ups. Sie nehmen Zukunftsthemen oft schneller auf, bringen kreative Ideen ein, entwickeln Lösungen zielgerichteter als große Organisationen und setzen damit wichtige Impulse.
Die insureNXT bringt Versicherer, Start-ups und Technologieanbieter zusammen. Welche Bedeutung haben solche Veranstaltungen für Innovationen und die Branche?
Die insureNXT bietet die Möglichkeit, in kurzer Zeit einen sehr konzentrierten Einblick darüber zu bekommen, welche Themen aktuell an Dynamik gewinnen und welche Entwicklungen die Branche beschäftigen. Gerade der Austausch mit Start-ups und Technologieanbietern eröffnet dabei neue Perspektiven, weil viele Impulse außerhalb der klassischen Versicherungssphäre entstehen.
Gleichzeitig ist es wichtig, diese Impulse einzuordnen. Nicht jede Entwicklung ist für jedes Unternehmen gleichermaßen relevant. Der Wert solcher Veranstaltungen liegt deshalb nicht nur in den Ideen selbst, sondern in der Fähigkeit, sie im eigenen Kontext richtig zu bewerten.
Worauf freuen Sie sich persönlich bei der insureNXT besonders?
Ich freue mich vor allem darauf, zu sehen, welche Themen aktuell die Branche bewegen und wie sich unterschiedliche Ansätze entwickeln. Mindestens genauso wichtig ist für mich der direkte Austausch mit Start-ups, um zu sehen, welche Ansätze für uns interessant sein können und welche Ideen uns weiterbringen.
Die Eindrücke von der insureNXT wirken über Veranstaltung hinaus nach. Oft dauert es eine Zeit bis sich klare Umsetzungsideen entwickeln. Diese sind dann aber nachhaltig und lösen konkrete Probleme in der Praxis.
