Die Apps der neuen FinTechs sollen die Verwaltung von Versicherungs-Verträgen vereinfachen. Das Versprechen: mit nur wenigen Klicks zaubert man seine bestehenden Versicherungen aufs Handy. So bekommt man mit wenig Aufwand eine Übersicht und ist endlich Herr seiner Versicherungsverträge.

Anzeige

Die Apps machen sogar Vorschläge, wo noch Versicherungen fehlen oder bei welchen Versicherungen man sparen könnte. Und so leicht und einfach wie man die Versicherungsverträge in sein Handy geklickt hat, wechselt man dann zu besseren Angeboten oder kündigt unnütze Verträge. Das alles in einer klaren übersichtlichen Form präsentiert, so ein weiteres Versprechen. Und keine komplizierten Vertragsdetails. Es reicht doch zu wissen, dass es eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung ist und was sie kostet, endlich ist Versicherung wieder einfach. Um das Komplizierte kümmern sich die FinTechs.

In voller Begeisterung über die neue schöne einfache Versicherungswelt holte ich mir die Clark-App auf mein Handy. Die Registrierung ging wirklich schnell und zum Glück waren die lästigen Dokumente wie Maklervollmacht, Datenschutzerklärung und AGBs nur Links auf Dokumente, die ich nicht wirklich lesen musste. Warum auch, liest man sonst ja auch nicht, wenn man eine Software installiert, oder hat schon mal einer wirklich die AGBs von Microsoft gelesen?

Im nächsten Schritt konnte ich eine Versicherung hinzufügen. Dazu musste man die Sparte auswählen und anschliessend die Versicherung. Ich entschied mich für eine Reisekrankenversicherung bei der Axa, da schien mir der mögliche Schaden überschaubar und einen Test wert. Dass die Übertragung nicht sofort stattfinden kann und ich deshalb in der App vorerst auch nichts weiter sehen werde, war mir klar, und so beendete ich das Experiment an diesem Tag. Ein Woche später schaute ich dann mal wieder in die App und staunte nicht schlecht, wieso hier auf einmal meine Moped-Versicherung auftauchte. Die Moped-Versicherung hatte ich Anfang des Jahres auch bei der Axa abgeschlossen, aber an die hatte ich gar nicht gedacht, als ich in der Clark-App die Axa auswählte, ich hatte ja explizit nur die Reisekrankenversicherung angegeben.

Jetzt wurde ich stutzig, was hatte ich eigentlich mit den wenigen Klicks und der gemalten Unterschrift auf dem iPhone dem FinTech-Unternehmen erlaubt? Darf Clark überhaupt auch alle meine anderen Versicherungen übertragen, auch wenn ich nur die eine Reisekrankenversicherung ausgewählt habe?

"Wir nutzen Deine Unterschrift auch für andere Dokumente"

Naja, mit der gekritzelten Unterschrift auf dem Handy und ein paar Klicks hatte ich tatsächlich Clark eine Maklervollmacht über alle meine Versicherungsverträge erteilt. Im Prinzip darf Clark jetzt alle meine Verträge übernehmen, autsch. Der einzige Trost ist die Formulierung im Maklervertrag: „Der Makler macht von dieser Vollmacht nur Gebrauch, wenn er dies mit dem Kunden vorher abgestimmt hat. Der Kunde bleibt zu jedem Zeitpunkt der Versicherungsnehmer und Schuldner der Beiträge.“ So richtig wohl ist mir jetzt aber nicht mehr. Jetzt lese ich mir auch noch die AGBs durch. Dort gibt es auch einen Passus zu meiner geleisteten digitalen Unterschrift. Im Punkt 4.2 steht da: „Wir speichern deine Unterschrift in unserem System. Wir nutzen deine Unterschrift auch für andere Dokumente, nachdem du der Nutzung zuvor ausdrücklich zugestimmt hast. Wir leiten die unterschriebene Vollmacht - falls erforderlich - an Versicherer oder andere berechtigte Dritte weiter.“ Also nur einmal unterschreiben, und dann wird meine Unterschrift auf Dokumente kopiert, die ich nicht einmal gesehen habe? Geht das jetzt nicht zu weit ?

Anzeige

Zu meiner anfänglichen Begeisterung mischen sich Zweifel. Die neue Technik ist in der Tat verlockend und einfach, aber ich bestelle hier ja keine Pizza, es sind wichtige Versicherungsverträge, die Risiken absichern und deren Eintreten mich ohne ausreichende Absicherung ruinieren könnten. Möchte ich wirklich die Verwaltung Maschinen überlassen, die mit meiner Unterschrift machen können, was sie wollen? Mir geht Goethes Zauberlehrling durch den Kopf: „Die ich rief, die Geister/ Werd ich nun nicht los. “