Bei den Vergleichsportalen in Deutschland hatte sich die 2004 gegründete Gmbh die Position des Marktführers erarbeitet. In den zehn Jahren nach seiner Gründung hatte das Unternehmen seinen Umsatz von 2 auf knapp 210 Millionen Euro gesteigert, so die eigenen Angaben. Mit der Gewinnmaximierung wuchs aber offenbar auch der Neid und so haben sich andere Mitspieler eingefunden, die dem Portal Check24 den Rang ablaufen wollen.

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Immer härter umkämpftes Wettbewerbsumfeld

Das Vergleichsportal befindet sich heute in einem „immer härter umkämpften“ Wettbewerbsumfeld. Zudem wundert man sich im Unternehmen über ein teilweise „rational nicht mehr nachvollziehbares“ Verhalten vor allem von Neulingen aus der Fintech-Szene. Diese erhalten unrealistisch viel Kapitalunterstützung von Investoren, ohne damit ein langfristiges Geschäft aufzubauen, alles was damit möglich wird, ist ein ziemlich aggressiver Preiskampf, wie im Versicherungsjournal zu lesen war.

Und als wäre das nicht genug, sieht sich Check24 auch noch mit einer Klage durch den BVK (Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. ) konfrontiert. Der Vorwurf: Irreführung der Verbraucher. Dem Geschäft von Check24 fehlten Statusinformation, Leistungs- und Bedarfsanalyse der Kunden oder eine individuelle Beratungsdokumentation. Eine Abmahnung hatte der BVK bereits im Juli angestrengt, der Versicherungsbote berichtete.

Klage des BVK: Check24 handelt wider das Versicherungsvertragsgesetz

Konkrete Gründe für Abmahnung und Klage hatte Prof. Dr. Schwintwoski vor einem Jahr gegenüber Versicherungsbote in einem Interview zum Ausdruck gebracht: „Alle Portale, die die Vermittlung von Versicherungen anbieten, geben vor Beginn der Beratung nicht die erforderlichen Statusinformationen, also ob sie Makler oder gebundener Vermittler sind. Und sie beschäftigen sich nicht mit den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Kunden, so wie es das Versicherungsvertragsgesetz vorschreibt.

Außerdem werden die Anforderungen an eine angemessene Dokumentation nicht oder nicht richtig erfüllt. Stattdessen tun die Portale so, als seien die Leistungen und die Art der Schadensregulierung bei den einzelnen Gesellschaften identisch, was aber nicht zutrifft, sodass beim Preisvergleich Äpfel mit Birnen verglichen werden. Das ist irreführend, wettbewerbsverzerrend und zugleich ein Beratungsfehler, der zu Schadensersatz führen kann“.

Check24 vom Verbraucherschutz entbunden?

Auch der BVK-Präsident Michael Heinz teilt diese Einschätzung: „Dabei werden aber die gesetzlichen Anforderungen für Versicherungsvermittler nicht eingehalten“. Während die Branche einerseits seit Jahren stark reguliert würde, um die Verbraucher noch mehr zu schützen, könne man es deshalb nicht „...tolerieren, dass sich einzelne Akteure einfach darüber hinwegsetzen“, so Heinz und „Verbraucherschutz darf im Internet nicht aufhören“.

Da bleibt dem Check24-Gründer Dr. Henrich Blase und Christoph Röttele, dem neuen Sprecher der Geschäftsführung, nichts anderes übrig, als sich in Gelassenheit zu üben und diese gegenüber der Presse auch sehr überzeugend zu präsentierten. Bezüglich der laufenden juristischen Auseinandersetzung entzogen sie sich einer Stellungnahme, gaben allerdings bekannt, dass man entgegen der Anschuldigungen alle gesetzlichen Informations- und sonstigen Vermittlerverpflichten erfüllt habe.

Verivox, ProSiebenSat1, Google sind für Check24 nicht ungefährlich

Während die Klage scheinbar nur am Rande die Spitze des Unternehmens beunruhigt, gibt es andere Entwicklungen, die Blase und Rötteler gar als „gefährlich“ einstuften: die Übernahme des Wettbewerbers Verivox GmbH durch die ProSiebenSat1-Unternehmesgruppe. Denn damit verschieben sich die Marktverhältnisse unter den deutschen Vergleichsportalen möglicherweise erheblich. So steht der sonst sehr teure Posten für TV-Werbung dem Wettbewerber nun deutlich günstiger zur Verfügung, was für Check24 nicht ohne Folgen bleiben wird.

Durch die Übernahme des Portals Verivox wurde ProSiebenSat.1 zum größten Wettbewerber für Check24, wie der Stern schrieb. Das Vergleichsportal also stellt seine Kooperation mit der Senderkette ProSiebenSat.1 auf den Prüfstand und sieht vor, dieser Entwicklung mit einer Intensivierung der eigenen Werbemaßnahmen, verstärkt im Bereich der Radio-, Print- und Plakatwerbung zu begegnen. Dass das kräftig am Gewinn zehren wird, ist klar.

Wir haben Respekt vor dem Wettbewerb mit ProSiebenSat.1 und Google - aber keine Angst

Nun stieg im März diesen Jahres auch noch Google ins Vergleichsgeschäft ein, zunächst nur in Kalifornien. Aber bald gewiss auch außerhalb der Vereinigten Staaten. Wieviel Kapital diesem Riesen zur Verfügung steht und wie weit dessen Arme reichen, muss hier nicht noch einmal extra betont werden. Fest steht, dass dieser Konkurrent aus einer ganz anderen Liga kommt. "Wir haben Respekt vor dem Wettbewerb mit ProSiebenSat.1 und Google - aber keine Angst", sagte Gründer und Geschäftsführer Henrich Blase. Andere Versuche, wie der der Huk-Coburg Versicherungsgruppe oder einiger anderer Versicherer, mit Transparo im Vergleichssektor Fuß zu fassen, sind mittlerweile gescheitert.

Was plant Check24, um zu bestehen? Einerseits eine ständige Verbesserung der Beratungskompetenz und der Servicedienstleistungen, daneben Transparenz und Benutzerfreundlichkeit sowie insbesondere die Steigerung von Kundenzufriedenheit und -bindung und die fortlaufende Erweiterung des Produktangebots.

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Was die Produktpalette angeht, konzentriert man sich aktuell auf Vergleiche im Bereich Baufinanzierungs und Shopping. Mit dem Reisevergleich jedenfalls, den man im vergangenen Jahr aufgenommen hatte, positionierte sich das Unternehmen schnell unter den Top Drei der führenden Anbieter. Beim Shoppingvergleich kommt Check24 die Nähe zum Kfz-Versicherungsvergleich zugute, so dass man hier vorsieht, Autozubehör und Montage bei Partnern gleich mit anzubieten. Während junge Start-Ups große Summen zur Verfügung gestellt werden, möchte Check24 also eigenständig bleiben und spricht sich Mut zu: "Wir werden das weiterhin selbstständig und ohne externe Finanzierung hinbekommen."