Prekäre Beschäftigung kann krank machen. Je nach Definition werden darunter Jobs zusammengefasst, die Menschen intellektuell unterfordern oder körperlich überfordern - aber zugleich nicht die finanzielle Grundlage schaffen, die ein Mensch für ein würdevolles Leben benötigt. Nicht nur Depressionen können die Folge sein, auch führt die tägliche Erfahrung von Selbstentwertung mitunter zu Magengeschwüren, zur Intensivierung von ungesunden Lebensgewohnheiten (Rauchen, Trinken), zu Schlafstörungen, Vereinsamung und psychosozialer Zermürbung und einer Vielzahl anderer Krankheiten und psychosomatischer Beschwerden.

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Wo es an Einkommen, Bildung und Perspektiven fehlt, ist Krankheit viel häufiger verbreitet. Laut einer RKI-Studie haben die Menschen, die monatlich mit weniger als 800 Euro auskommen müssen, eine weit geringere Lebenserwartung als Menschen mit höherem Einkommen.

Die Fraktion Die Linke hat darum nun ihre Forderung formuliert, dass die Gesundheitsförderung und Prävention künftig „konsequent auf die Verminderung sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheit“ ausgerichtet sein muss. In ihrem Antrag (18/4322), der am Freitag (20. März) zusammen mit dem Präventionsgesetz der Bundesregierung (18/4282) beraten werden wird, begründet die Linke ihre Forderung mit dem Fakt, dass Menschen aus der unteren Einkommensschicht in jedem Lebensalter ein doppelt so hohes Risiko, ernsthaft zu erkranken, haben, wie wohlhabende Menschen. Die Verminderung sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheit steht dem Haushaltsplan der Bundesregierung jedoch diametral entgegen.

Gesundheit und Ökonomie

Denn die Bundesregierung, so Die Linke, verfolge mit der Gesundheitsförderung und Prävention vorrangig ökonomische Ziele. So habe diese in erster Linie die Begrenzung von Behandlungskosten im Blick, sowie die Entlastung von Arbeitgebern und Sozialversicherungen und die Sicherung des Fachkräftebedarfs der Unternehmen. Auch sei das Präventionsgesetz durch diese ökonomischen Erwägungen motiviert.

Laut der Linken setzt eine erfolgreiche Gesundheitsförderung in den Lebenswelten der Menschen an. Das bedeutet in den Kitas, den Schulen, am Arbeitsplatz, im Dorf, Kiez oder im Stadtteil, so schreibt die Linksfraktion in ihrem Antrag weiter. In genau diesen Lebenswelten, im alltäglichen Umfeld der Menschen also, müssten gesundheitsförderliche Bedingungen geschaffen werden. Gesundheitsfördernde Maßnahmen dieser Art stellen beispielsweise Lärmverminderung, kindergerechte Angebote und bewegungsfreundliche Kitas dar. Im betrieblichen Bereich wären die Reduzierung von Arbeitsbelastung und Stress sowie die Verhinderung von Arbeitsverdichtung und prekärer Beschäftigung erste der Gesundheit zuträgliche Schritte.

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Um allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr größtmögliches Gesundheitspotenzial zu verwirklichen, müssten sozial bedingte Unterschiede des Gesundheitszustandes vermindert sowie gute Entwicklungsmöglichkeiten und Entwicklungsvoraussetzungen für alle geschaffen werden, fordert Die Linke. Wenn sich staatliche Gesundheitsförderung und Prävention konsequent auf dieser Werte ausrichten würden, wäre sehr viel gewonnen.

vdk.de, Hib Nr. 149, Süddeutsche.de, rki.de