Dass der Pflege-Bahr überhaupt eine Möglichkeit sein kann, für eine Pflegebedürftigkeit finanziell vorzusorgen, ist bisher 74 Prozent der Deutschen völlig unbekannt. Das zeigt sich in einer Anfang Juni veröffentlichten Umfrage der Allianz. Rund 86 Prozent der Befragten wissen, dass im Ernstfall man selbst oder Familienangehörige, insbesondere die eigenen Kinder, für die Kosten im Pflegefall aufkommen muss. Nur noch 2 Prozent der Teilnehmer glauben, dass der Staat die Kosten deckt und schätzen die finanzielle Lücke mit etwa 1.300 Euro doch recht realistisch ein.

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Wer doch schon mal vom Pflege-Bahr gehört hat, wird könnte bisher vor allem ein vernichtendes Urteil gelesen haben. Eine tatsächliche Absicherung für den Pflegefall würde der Pflege-Bahr nicht bieten, so das Urteil der Stiftung Warentest Mitte April diesen Jahres.

Dabei hat der Staat hat mit der Einführung des Pflege-Bahrs eine großangelegte Werbekampagne für das Thema Pflege eingeläutet. „Der Pflege-Bahr ist ein wichtiger Einstieg, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Pflegeabsicherung zu schaffen“ erklärt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des Branchenbeobachters Morgen und Morgen GmbH.

Pflege-Bahr als Teil- oder Vollkasko?

Die Absicherung für den Pflege-Fall lässt sich ganz gut mit dem Kfz-Schutz vergleichen:

Tabelle: KVpro.de

Als dieser „Teilkasko-Schutz“ kann der Pflege-Bahr „ein Baustein von mehreren sein“, so Schinnenburg. Er stellt eine erste Ergänzung zur Pflegepflichtversicherung dar. Nach persönlicher Prämisse, Vermögensstruktur und Eintrittsalter kann er sinnvoll erweitert werden.

Wer noch in jungen Jahren diese Form der Pflegezusatzversicherung abschließt, kann davon allerdings noch wie bei einem Vollkasko-Schutz profitieren. Der Mindestbetrag für die Einzahlung beträgt 15 Euro. Je eher dieser eingezahlt wird, desto höher wird durch den Zinses-Zins-Effekt die Leistungssumme in Pflegestufe drei. Wer mit 18 Jahren einen Pflege-Bahr abschließt, bekäme so bei Eintritt des Pflegefalls aktuell z.B. bei der Halleschen eine Leistung von 2.180 Euro in Pflegestufe 3. So wäre zusammen mit den Leistungen der Pflegepflichtversicherung, derzeit 1.550 Euro, eine „Vollkasko“-Absicherung möglich.

Für Ältere Personen lohnt sich die Absicherung, wenn sie bisher über keinerlei Vorsorge verfügen, insbesondere dann, wenn bereits Vorerkrankungen bestehen: Mindestens 600 Euro müssen in der Pflegestufe drei gezahlt werden. Beim Münchener Verein

Derzeit bieten 24 Versicherer den Pflege-Bahr an. Experten können helfen, auch noch für das jeweilige Eintrittsalter ein passendes Produkt zu finden. Der Marktbeobachter KVpro.de hat für die Altersgruppen der 20-, 30-, 40-, 50- und 60-Jährigen die Erstattungen der derzeit angebotenen Pflege-Bahr-Produkte näher untersucht (vgl. Folgeseiten).

Pflege-Beratung: Gerade bei Maklern noch ein Qualifikationsproblem

Beraten Versicherungsmakler zu den finanziellen Risiken und Absicherungsformen im Pflegefall nicht umfassend genug, kann ihnen daraus auch ein Haftungsproblem erwachsen. Experten auf dem Gebiet, wie Makler und Coach Andreas Trautner, oder Dirk Büttner, Maklerbetreuer bei der VPV wissen: Bisher sind viele Makler für diese Art der Beratung kaum qualifiziert. Nur wenige aktuell können Auskunft über gesetzliche Regelungen und die Höhe der Absicherung geben.

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Die PKV-Gesellschaften zeigen sich insgesamt zuversichtlich: Erst vergangene Woche verkündete Reinhold Schulte, neuer Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbandes, dass der Pflege-Bahr als ein großer Erfolg verbucht werden kann und praktizierte Generationensolidarität bedeute.