Die privaten Krankenversicherer haben netto zwischen 2010 und 2016 Vollversicherte verloren. Das bestätigt eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Harald Weinberg im Bundestag (Bundestagsdrucksache 19/746). Demnach sank die Zahl der privat Vollversicherten von rund 8,92 Millionen in 2010 auf 8,63 Millionen in 2016.

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Teilerfolg bei Veröffentlichung?

Weinberg wollte mit seiner Anfrage die PKV-Versicherer dazu zwingen, dass sie mehr Zahlen als bisher offenlegen müssen. Hintergrund ist die Tatsache, dass viele Betriebszahlen der Branche geheim sind: unter anderem, wie die einzelnen Versicherer ihre einzelnen Prämien kalkulieren und welchen Überzins sie erwirtschaften.

Manche dieser Zahlen wären interessant für Verbraucher, weil sie genaueren Aufschluss über die wirtschaftliche Situation der Unternehmen geben: etwa, wie die Anbieter das Geld für die Altersrückstellungen verzinsen. Doch sie unterliegen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen weiter der Geheimhaltung. Die Bundestagsabgeordneten dürfen sie nur in einer „Geheimdienststelle“ einsehen, wobei die Sicherheitsvorschriften ähnlich streng sind wie bei den Dokumenten des NSA-Abhörskandales. Die Abgeordneten dürfen zu den konkreten Zahlen der Privatversicherer keine Kopien anfertigen, sich keine Notizen machen und in der Öffentlichkeit nicht darüber berichten.

Der Linken-Politiker konnte zumindest einen Teilerfolg erzielen. Manche Angaben werden von der Bundesregierung nun nicht mehr als „vertraulich“ eingestuft. Das betrifft Angaben dazu, wie sich die Versichertenzahl der einzelnen Unternehmen entwickelt, wie hoch die durchschnittlichen Beiträge je Krankenvollversicherten sind sowie Angaben zu den durchschnittlichen Prämienanstiegen. Allerdings ist der Teilerfolg in Sachen Transparenz auch ein Scheinerfolg. Diese Zahlen waren ohnehin nicht geheim und sind in den Geschäftsberichten der Versicherer nachlesbar. Der Branchendienst "Map-Report" des Versicherungsjournals wertet die Daten regelmäßig aus.

Versicherte in der privaten Krankenvollversicherung 2010-2016, Angaben in Tausend. Die Tabelle umfasst alle Einzel- und Gruppenversicherungen der Krankheitskostenvollversicherung als Substitut zur gesetzlichen Krankenversicherung, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert sind. Quelle: Bundestagsdrucksache 19/746

Branchenführer baut Marktanteile aus

Der Tabelle des Bundesfinanzministeriums ist zu entnehmen, dass die Vollversicherten-Zahl sich bei den einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich entwickelt. Der Marktführer Debeka demonstriert seine Stärke, denn er konnte netto hinzugewinnen: die Zahl der Vollversicherten stieg von 2,149 Millionen Personen im Jahr 2010 auf 2,336 Millionen in 2016, was einen Zuwachs von 8,7 Prozent bedeutet. Die Axa Kranken konnte um 7,74 Prozent wachsen: von 737.600 Personen auf 792.700.

Ebenfalls deutlich hinzugewinnen konnte unter den großen Anbietern die HUK-Coburg Kranken, die ihre Zahl der Vollversicherten von 374.000 auf 411.000 steigern konnte (+9,9 Prozent). Auch die Signal Kranken konnte zulegen und steigerte die Versichertenzahl von 469.600 auf 478.000 (+1,79). Aus den veröffentlichten Zahlen geht allerdings nicht hervor, inwieweit das Wachstum der Versicherer durch Fusionen und Zukäufe begünstigt wurde.

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Doch die Mehrheit der Versicherer hat zwischen 2010 und 2016 Vollversicherte verloren. Darunter auch Prominenz. Die Allianz Kranken, nach Mitgliederzahlen drittgrößter Vollversicherer auf dem deutschen Markt, büßte fast elf Prozent ein: Hier sank die Zahl der Krankenvollversicherten von 694.000 und 618.300. Ebenfalls fast elf Prozent verloren hat die Deutsche Krankenversicherung AG. Hier sank die Versichertenzahl sogar um 12,7 Prozent (von 911.300 auf 795.600). Mehr zur Prämienentwicklung der einzelnen Versicherer demnächst beim Versicherungsboten.