Die Risikolandschaft für Vorstände und Aufsichtsräte verändert sich gravierend. Während klassische Risiken wie Cyberangriffe, Datenverlust oder Arbeitsschutz weiterhin zu den größten Herausforderungen zählen, gewinnen geopolitische Spannungen und Künstliche Intelligenz (KI) rasant an Bedeutung. Das geht aus der aktuellen D&O-Studie von Willis in Zusammenarbeit mit der internationalen Anwaltskanzlei Reed Smith LLP hervor.

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Besonders auffällig ist der Aufstieg geopolitischer Risiken. Wirtschaftliche Schäden infolge geopolitischer Spannungen gehören erstmals zu den sieben größten Risiken für Unternehmenslenker. 59 Prozent der weltweit befragten Vorstände, Aufsichtsräte und Risikomanager stufen geopolitische Risiken als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. Damit verbessert sich das Thema innerhalb eines Jahres von Rang 15 auf Rang 7 der globalen Risikoagenda. „Die etablierten Risiken – etwa Arbeitsschutz, Datenverlust oder Cyber – bleiben zwar dominant“, sagt Philipp Rouget, Head of FINEX Deutschland und Österreich bei Willis. „Aber sie verlieren in der Bewertung durchgängig an Gewicht. Zugleich steigen mit Geopolitik und KI zwei neue Risiken für Manager auf.“

Auch die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz nimmt deutlich zu. International kletterte das Thema von Platz 21 auf Rang 14 der wichtigsten Vorstandsrisiken. In Deutschland zählt KI erstmals sogar zu den sieben bedeutendsten Risiken. Zu den größten Herausforderungen gehören laut Studie fehlerhafte oder irreführende KI-Ergebnisse, KI-gestützter Betrug und Social Engineering sowie strategische Fehlentscheidungen bei der Einführung entsprechender Technologien.

Gleichzeitig sehen viele Unternehmen erhebliche Kompetenzlücken. Nur 55 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ihre Vorstände über ausreichendes Wissen verfügen, um den Einsatz von KI angemessen zu steuern und zu überwachen.

„Die Risiken aus Cyberbedrohungen, Datenverlust und KI sind eng miteinander verflochten“, erklärt Rouget. „Sie zählen derzeit branchen- und länderübergreifend zu den größten Sorgen – demnach steigt die Risikowahrnehmung genau dort, wo Vorstände sich am wenigsten gewappnet fühlen.“

Lieferketten bleiben Achillesferse

Neben Geopolitik und KI bleiben auch operative Risiken hoch. 39 Prozent der Befragten sehen eine erhöhte Risikoexposition durch Dritte oder Störungen in den Lieferketten als größte Herausforderung für die Widerstandsfähigkeit ihres Unternehmens. Besonders stark betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen, Industrie, Energie, Versorgung, Transport und Einzelhandel. Der Klimawandel verliert dagegen weiter an Bedeutung auf der globalen Risikoagenda. Ebenso werden Themen wie Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion von den Befragten seltener als besonders kritisch eingestuft.

Auffällig ist auch der Blick auf die eigene Absicherung. Trotz eines wettbewerbsintensiven Marktes mit hoher Kapazität halten lediglich 30 Prozent der Befragten ihre D&O-Versicherung sowohl hinsichtlich des Deckungsumfangs als auch der Versicherungssumme für ausreichend. Rund jeder Zweite äußert Zweifel daran, ob der bestehende Versicherungsschutz den aktuellen Risiken gerecht wird. „Für Unternehmen ergibt sich hieraus ein klarer Handlungsimpuls“, betont Rouget. „Gerade in einem dynamischen Risikoumfeld sollten Unternehmen den D&O-Schutz nicht nur jährlich überprüfen, sondern als wesentlichen Schutzmechanismus für Unternehmen, Organmitglieder und ihre Bilanz betrachten.“

Schließlich bietet das derzeitige Marktumfeld gute Voraussetzungen, bestehende Policen auf Deckungsumfang und Versicherungssummen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

„Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage bestätigen, was wir oft von unseren Kunden hören: Unternehmenslenker sehen sich mit einem zunehmend komplexen und vielschichtigen Risikoumfeld konfrontiert“, fasst Rouget zusammen. „Geopolitik und KI sind Felder, die sich rasch wandeln – gerade bei diesen ist ein angemessener Risikoschutz entscheidend, damit Unternehmen fundierte strategische Entscheidungen treffen und ihr Wachstum aufrechterhalten können.“