Krankenversicherung: Assekurata sieht neue Belastungsprobe für die PKV-Branche
Die private Krankenversicherung wächst weiter. Doch der Kostendruck nimmt spürbar zu. Rekordbeiträge und steigende Versicherungszahlen treffen auf immer höhere Leistungsausgaben. Die Branche steht vor einer Phase, in der Profitabilität, Digitalisierung und effizientes Gesundheitsmanagement stärker in den Fokus rücken dürften.

Das Analysehaus Assekurata hat sich das Marktumfeld der privaten Krankenversicherer (PKV) angeschaut und blickt auf ein weiteres Wachstumsjahr zurück. Sowohl die Voll- als auch die Zusatzversicherung legten 2025 zu, die Beitragseinnahmen erreichten ein neues Rekordniveau. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen: Die Leistungsausgaben steigen weiter kräftig, wodurch die Profitabilität vieler Versicherer unter Druck gerät. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle PKV-Marktausblick von Assekurata.
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Nach Jahren rückläufiger Bestände setzt sich die Trendwende in der Vollversicherung fort. 2025 verzeichnete die Branche bereits das dritte Wachstumsjahr in Folge. Ausschlaggebend war erneut die steigende Zahl der Wechsel aus der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): Rund 206.300 Personen wechselten 2025 in die PKV und damit deutlich mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Vollversicherten stieg dadurch auf knapp 8,8 Millionen.
Auch die Zusatzversicherung bleibt ein Wachstumsmotor. Die Zahl der Verträge erhöhte sich auf rund 32 Millionen. Besonders dynamisch entwickelt sich weiterhin die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Inzwischen bieten rund 60.600 Unternehmen ihren Beschäftigten eine bKV an. Das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon profitieren mittlerweile 2,8 Millionen Arbeitnehmer. „Die wachsende Bedeutung der bKV für die Branche zeigt sich auch an ihrem Anteil am gesamten Zusatzversicherungsgeschäft. Lag dieser vor zehn Jahren noch bei 2,4 Prozent, liegt er mittlerweile bei 8,8 Prozent“, sagt Alexander Kraus, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata.
Rekordbeiträge treffen auf Rekordausgaben
Mit dem Bestandswachstum und den Beitragsanpassungen stiegen die Beitragseinnahmen 2025 auf 54,4 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig kletterten jedoch auch die Leistungsausgaben um gut sieben Prozent auf 42,1 Milliarden Euro und erreichten ebenfalls einen Höchststand. Nach Einschätzung der Kölner Rating-Agentur handelt es sich dabei nicht um ein spezifisches PKV-Problem. Medizinischer Fortschritt, steigende Krankenhauskosten, Fachkräftemangel und teure Arzneimittel treiben die Gesundheitsausgaben sowohl in der privaten als auch in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die steigenden Leistungsausgaben schlagen sich unmittelbar in den Ergebnissen der Versicherer nieder. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote sank 2025 branchenweit auf knapp 7,8 Prozent und nähert sich damit weiter der kritischen Marke von fünf Prozent.
„Infolge der gestiegenen Leistungsausgaben ist die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote branchenweit weiter gesunken. Wie bereits im Vorjahr hat sie sich 2025 mit knapp 7,8 Prozent erneut der kritischen Marke von fünf Prozent genähert“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. „Die bereits spürbareren Beitragsanpassungen der vergangenen beiden Jahre konnten den starken Anstieg der Leistungsausgaben nicht ausgleichen. Deshalb kam es auch 2026 erneut zu überdurchschnittlichen Beitragsanpassungen. Dadurch gewinnt die Profitabilität der einzelnen Sparten für die Versicherer weiter an Bedeutung.“
Stützend wirkte erneut das Kapitalanlageergebnis. Sowohl die Nettoverzinsung als auch die laufende Durchschnittsverzinsung konnten leicht verbessert werden. Gleichzeitig bleibt die Überschussbeteiligung der Versicherten mit knapp 88 Prozent auf einem hohen Niveau.
KI und Gesundheitsmanagement als Antwort auf den Kostendruck
Um den steigenden Aufwand zu bewältigen, investieren die Unternehmen verstärkt in Digitalisierung und künstliche Intelligenz. KI-Anwendungen kommen zunehmend in der Leistungsbearbeitung, im Risikomanagement und im Kundenservice zum Einsatz. Ziel ist es, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und die Effizienz zu steigern. Gleichzeitig gewinnt die Datensicherheit angesichts wachsender Cyberrisiken an Bedeutung. Darüber hinaus setzen viele Versicherer stärker auf Gesundheitsmanagement und Präventionsangebote. Programme zur besseren Steuerung von Behandlungen, zur Vermeidung von Doppeluntersuchungen oder zur Begleitung chronisch Kranker sollen langfristig helfen, die Kostenentwicklung zu bremsen.
„Obwohl die Möglichkeiten der Patientensteuerung in der PKV deutlich begrenzter sind als in der GKV, dürfte dieses Thema künftig an Bedeutung gewinnen“, erwartet Alexander Kraus. „Hierfür müssen die Versicherer Anreize schaffen, damit die Versicherten Unterstützungsangebote nicht nur wahrnehmen, sondern auch annehmen. Mittelfristig könnte sich das positiv auf die Gesundheit der Versicherten und damit auch auf die Kosten auswirken.“
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen sehen die Analysten auch politische Risiken. Die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) dürfte Anpassungen in Leistungsbearbeitung, Produktentwicklung und Kalkulation erforderlich machen. Zudem könnte die ab 2027 vorgesehene deutliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze den Zugang zur PKV erschweren.
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Dennoch bewertet Assekurata die langfristigen Perspektiven der privaten Krankenversicherung positiv. Mit ihrem kapitalgedeckten Finanzierungssystem und Alterungsrückstellungen von rund 355 Milliarden Euro verfüge die PKV weiterhin über strukturelle Vorteile gegenüber dem umlagefinanzierten GKV-System. Wachstumspotenziale sehen die Analysten insbesondere bei leistungsstarken Vollversicherungstarifen, im Beihilfegeschäft sowie in der betrieblichen Krankenversicherung.
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