Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot will die Politik die private Altersvorsorge in Deutschland neu aufstellen. Das staatlich organisierte Standardprodukt soll ab 2027 einen kostengünstigen Zugang zum Wertpapiersparen ermöglichen und damit eine Alternative zu klassischen Riester-Produkten schaffen. Doch knapp ein halbes Jahr vor dem vorgesehenen Starttermin mehren sich die Zweifel, ob das Projekt rechtzeitig umgesetzt werden kann.

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Die Grundidee klingt einfach: Bürger sollen ein staatlich gefördertes Depot nutzen können, das in direktem Preiswettbewerb zu Angeboten von Banken, Versicherern und Fondsanbietern steht. Ziel ist es, die Kosten der Altersvorsorge zu senken und den Zugang zu kapitalmarktbasierten Vorsorgelösungen zu erleichtern. Allerdings ist bislang noch nicht geklärt, welcher öffentliche Träger das Produkt überhaupt anbieten soll. Im Gesetz ist lediglich von einem „öffentlichen Träger“ die Rede. Wer diese Rolle übernimmt, bleibt offen.

Damit steht das Projekt vor einem grundlegenden Problem: Ein Altersvorsorgedepot benötigt nicht nur eine Anlagestrategie, sondern auch die technische Infrastruktur für Depotführung, Kundenbetreuung, Zulagenverwaltung und steuerliche Abwicklung. Genau diese Kompetenzen sind in den bislang diskutierten staatlichen Einrichtungen nur begrenzt vorhanden. Zwar verfügen Institutionen wie die Deutsche Bundesbank oder der Staatsfonds Kenfo über Erfahrung in der Vermögensverwaltung. Die Betreuung von Millionen privater Kunden gehört jedoch nicht zu ihren Kernaufgaben. Hier hätten die Kandidaten Deutsche Rentenversicherung und die Förderbank KfW wiederum Vorteile.

Hinzu kommt der enge Zeitplan. Schließlich müssten wesentliche rechtliche und organisatorische Entscheidungen zeitnah getroffen werden, damit ein Start zum 1. Januar 2027 überhaupt noch realistisch bleibt. Neben der Auswahl eines Trägers wären Ausschreibungen, technische Anbindungen sowie teilweise gesetzliche Anpassungen erforderlich.

Fakt ist: Ohne funktionsfähige Infrastruktur, ohne zertifiziertes Produktportfolio und ohne operative Kundenkommunikation wird es keinen Start des staatlichen Altersvorsorgedepots geben können. Zunehmend zeichnet sich deshalb ab, dass der Staat bei der Umsetzung auf private Dienstleister angewiesen sein könnte. Denkbar wäre, dass öffentliche Institutionen als formelle Träger auftreten, während technische Prozesse und Depotführung von spezialisierten Finanzdienstleistern übernommen werden. Ein solcher Ansatz könnte den Zeitdruck mindern, würde aber die ursprüngliche Idee eines vollständig staatlich organisierten Angebots relativieren.