Die Debatte über die Einführung einer verpflichtenden Elementarschadenversicherung in Deutschland gewinnt angesichts der klimawandelbedingten Zunahme von Extremwetterereignissen politisch an Dynamik. Starkregen, Hochwasser und Erdrutsche machen deutlich, dass Naturgefahren dauerhaft eine steigende Herausforderung darstellen. Für die langfristige Tragfähigkeit ist ein Gesamtkonzept erforderlich, das Prävention, risikoadäquate Prämien und wirksamen Kumulschutz systematisch berücksichtigt.

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Die Elementarschadenversicherung ist in Deutschland freiwillig und wird als Zusatz zur Wohngebäude- und Hausratversicherung angeboten. Die Versicherungsdurchdringung lag 2024 laut GDV bundesweit bei rund 57 Prozent – mit erheblichen regionalen Unterschieden: Während Baden-Württemberg nahezu flächendeckend abgesichert ist, liegen Bremen oder Niedersachsen teils unter 40 Prozent. Die Prämien variieren regional erheblich; in besonders exponierten Regionen ist Versicherungsschutz teils kaum noch verfügbar. Zugleich erschwert die föderale Zuständigkeitsstruktur eine einheitliche Präventionsstrategie.

Eine zentrale Herausforderung für die Versicherung von Elementarschäden ist das Kumulrisiko. Ein einzelnes Ereignis kann zahlreiche Versicherte gleichzeitig treffen und hohe Gesamtschäden verursachen. Mit zunehmender Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen wird die Bedeutung von Elementar im Schadengeschehen immer größer.

Prävention als zentrale Säule

Eine nachhaltige Lösung zur Bewältigung wachsender Naturgefahrenrisiken muss Prävention immer mitdenken. Bund, Länder, Kommunen und Gemeinden tragen gemeinsam Verantwortung für die Prävention von Elementarschäden – etwa durch Deichbau, Abwassersystemplanung, Warnsysteme und ein zentrales Naturgefahrenportal.

Die Förderung individueller Prävention, z.B. durch den Ausbau von Rückstauventilen, ist ein weiterer sinnvoller Baustein. Zur Steuerung der Besiedlungsentwicklung in (hoch-)gefährdeten Gebieten sind außerdem klare Vorgaben für den Ausweis und die Erweiterung von Bau- und Gewerbegebieten erforderlich.

Warum differenzierte Tarife wichtig sind

Wesentlich bei einer möglichen Pflichtversicherungslösung für Elementarschäden ist die Beibehaltung von regional risikogerecht ausdifferenzierten Prämien, wie sie in der fakultativen Elementarschadenversicherung heute schon zu finden sind.

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Versicherer kalkulieren Prämien nach Gefährdungslage der Immobilie. Dabei werden insbesondere die historischen und prognostizierten Schadenhäufigkeiten sowie lokale Exposition gegenüber Hochwasser, Starkregen oder anderen Naturgefahren berücksichtigt. In Hochrisikogebieten sind die Prämien entsprechend teils deutlich höher als in Gebieten mit geringerer Gefährdung. Risikodifferenzierung ist auch im Rahmen einer möglichen Pflichtversicherung unverzichtbar. Ein einheitlicher Preis deckt die unterschiedlichen Gefahrenszenarien in verschiedenen Regionen nicht gerecht ab und führt zu sozioökonomischen Verzerrungen. Nur wenn die Prämien am tatsächlichen Gefährdungspotenzial orientiert sind, werden wirksame Anreize zur Schadenprävention und Eigenvorsorge gesetzt und die Einrichtung eines aufwändigen staatlichen Risikostrukturausgleichs vermieden.

Staatlicher Kumulschutz und Rückversicherung als Stabilitätsanker

Für die Absicherung von Extremstereignissen hat sich heute das Zusammenspiel zwischen Erst- und Rückversicherern bewährt. Damit dieser doppelte Schutz auch in einem Pflichtversicherungsszenario und unter den zusätzlichen Herausforderungen des Klimawandels dauerhaft und verlässlich greifen kann, sieht der Koalitionsvertrag die Einrichtung eines staatlichen Rückversicherers vor.

Ein langfristig tragfähiges Modell könnte daher eine Public-Private Partnership sein: Staat und die private Versicherungswirtschaft teilen sich die Verantwortung. Während private Erst- und Rückversicherer weiterhin im Normalbetrieb arbeiten, greift die staatliche Rückversicherung nur im Extremfall bei Schäden über der Kapazität privater Versicherer nach einem definierten Schwellenwert. So könnte ein Beitrag zur Sicherung des Systems bei extremen Naturkatastrophen geleistet und ein wichtiger Grundstein für die Stützung der Kapazität der Erstversicherer bei der Steigerung der Versicherungsdurchdringung gelegt werden. Unabhängig davon, ob eine Pflichtversicherung im Rahmen des Modells eingeführt wird oder nicht.

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Selbstbehalte der Versicherten im Schadensfall können Eigenverantwortung fördern

Flankierend sind weitere Maßnahmen denkbar. Selbstbehalte der Versicherten im Schadensfall können Eigenverantwortung fördern und Prämienhöhen beherrschbar halten. Auch mit Deckungssummenbegrenzungen in besonders exponierten Lagen können Versicherungen die maximale Auszahlungssumme begrenzen, um das System finanzierbar zu halten. Gezielte Präventionsförderungen für bauliche Anpassungen senken das Gesamtrisiko. Davon profitieren Versicherte, Versicherer sowie der Staat. Für die Bestandsrisiken in extrem exponierten Lagen sind staatliche Zuschüsse oder Umlagefinanzierungen allerdings wahrscheinlich unausweichlich, um den Versicherungsschutz auch in diesen Gebieten zu ermöglichen. Wichtig ist, dass Tarife und Produkte ausreichend flexibel bleiben, um individuelle Risiken und Vorsorgemaßnahmen angemessen zu berücksichtigen.

Eine Pflichtversicherung für Elementarschäden in Deutschland kann die Versicherungsdurchdringung zwar vergrößern, führt jedoch nicht automatisch zu niedrigeren Prämien. Grund hierfür ist der Einbezug bisher nicht versicherbarer Risiken und das verringerte Potenzial zum Ausgleich im Kollektiv aufgrund des Kumulrisikos. Entscheidend ist die Balance zwischen Solidarität, Eigenverantwortung und öffentlicher Risikoabfederung.

Gesamtstrategie: Versicherung, Prävention und staatliche Absicherung verbinden

Für die Absicherung von Elementarschäden ist die Integration in ein Gesamtkonzept nötig. Die Versicherungslösung muss eingebettet sein in eine nationale Strategie, die private und öffentliche Selbsttragung kombiniert – also Prävention, Eigenvorsorge, Versicherungsschutz und staatliche Absicherung miteinander verknüpft. Versicherung kann Schäden nicht verhindern. Der wirksamste Schutz bleibt nach wie vor die Prävention: Jeder vermiedene Schaden ist ein Gewinn für die Gesellschaft.

Ob sich eine Pflichtversicherung für Elementarschäden in der Politik durchsetzt oder nicht – entscheidend wird ihre sachgerechte Ausgestaltung sein. Die DAV bietet in dieser Frage Politik, Versicherungswirtschaft und Gesellschaft fundierte Orientierung und fachliche Expertise.

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Hintergrund: Der Gastbeitrag erschien zuerst im neuen kostenfreien Versicherungsbote Fachmagazin 01-2026. Das Magazin kann auf der Webseite des Versicherungsbote bestellt werden.

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