Psychische Belastungen treten in Deutschland zunehmend früher im Lebensverlauf auf. Das zeigt der aktuelle Bericht „The Value of Mental Health“ der Zurich Insurance Group. Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene: Bereits 2026 lebt laut Analyse fast jede dritte Person im Alter von 15 bis 19 Jahren mit einer psychischen Erkrankung. Keine andere Altersgruppe weist eine vergleichbar hohe Betroffenheit auf.

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Insgesamt sind in Deutschland rund 13 Millionen Menschen und damit etwa 15 Prozent der Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen. Zwar bleibt die Gesamtprävalenz im internationalen Vergleich relativ stabil, doch der Unterstützungsbedarf verschiebt sich laut Bericht deutlich in Richtung jüngerer Generationen.

Als Gründe für die stärkere Sichtbarkeit psychischer Erkrankungen nennt die Analyse unter anderem offenere gesellschaftliche Einstellungen, sinkende Stigmatisierung sowie eine bessere Einbindung von Schulen, Jugendhilfe und hausärztlicher Versorgung. Psychische Belastungen würden dadurch heute früher erkannt. Gleichzeitig stoßen die bestehenden Versorgungsstrukturen zunehmend an ihre Grenzen. Das gilt insbesondere im ambulanten Bereich.

Gerade für junge Menschen hat dies weitreichende Folgen. Psychische Erkrankungen treten häufig in einer Phase auf, in der Bildungswege, Ausbildungsentscheidungen und der Einstieg ins Berufsleben entscheidend geprägt werden. Verzögerungen beim Zugang zu Unterstützung können dazu führen, dass sich kurzfristige Belastungen verfestigen und langfristige Auswirkungen auf Erwerbsbiografien und gesellschaftliche Teilhabe entstehen.

„Mentale Gesundheit entscheidet früh darüber, ob junge Menschen ihre Bildungs- und Berufswege stabil entwickeln können“, erklärt Heike Hommel, Chief Underwriting Officer Individual Life bei der Zurich Gruppe Deutschland. „Wenn Belastungen in dieser Lebensphase nicht rechtzeitig aufgefangen werden, kann das den Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf dauerhaft erschweren.“

Der Bericht verweist zudem auf die hohe individuelle Belastung psychischer Erkrankungen. Für Betroffene in Deutschland werden bis 2030 durchschnittlich rund 67 Tage gesunden Lebens pro Jahr durch Krankheit verloren gehen. Es ist der höchste Wert unter den untersuchten Ländern. Früh auftretende psychische Erkrankungen erhöhen damit das Risiko langfristiger gesundheitlicher und sozialer Einschränkungen.

Auffällig ist laut Report außerdem, dass ältere Erwachsene zwar offiziell niedrigere Prävalenzraten aufweisen, dies aber nicht zwingend auf geringere Belastungen zurückzuführen sei. Vielmehr könnten höhere Hemmschwellen, psychische Probleme offenzulegen oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, eine Rolle spielen.

Die Zurich-Analyse sieht deshalb vor allem Prävention und frühe Intervention als entscheidende Hebel. Niedrigschwellige Unterstützungsangebote und kontinuierliche Begleitung seien notwendig, um zu verhindern, dass psychische Belastungen in jungen Jahren zu dauerhafter Abkopplung von Bildung, Arbeit und sozialer Teilhabe führen.

„Frühzeitige Unterstützung ist eine Investition in die Zukunft: für junge Menschen selbst, aber auch für Gesellschaft und Arbeitsmarkt“, betont Hommel. Versicherer könnten dabei ebenfalls eine wichtige Rolle übernehmen. „Als Versicherer begleiten wir Menschen im Leistungsfall unter anderem mit individuellem Case Management und Gesundheitsangeboten – mit dem Ziel, Übergänge zu erleichtern und Stabilität in neuen Lebensphasen zu fördern.“