Die Hausratversicherung zählt zu den stabilen und wirtschaftlich auskömmlichen Sparten im Kompositgeschäft. Im Jahr 2024 werden branchenweit 3,716 Milliarden Euro an gebuchten Bruttoprämien erzielt. Auch auf Anbieterebene zeigt sich ein moderates Wachstum: Die durchschnittlichen Bruttoprämien je Unternehmen steigen auf 68,52 Millionen Euro. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Ertragslage wider. Mit einer durchschnittlichen Combined Ratio von 81,0 Prozent bleibt die Hausratversicherung klar profitabel und weist weiterhin eines der besten Schaden-Kosten-Verhältnisse im Kompositgeschäft auf – auch wenn die Spitzenposition zuletzt an die Unfallversicherung übergegangen ist.

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Gerade diese stabilen und auskömmlichen Rahmenbedingungen stehen jedoch einem strukturellen Faktor gegenüber: der hohen Marktsättigung. Mit einer Absicherungsquote von rund 80 Prozent gilt die Hausratversicherung als weitgehend erschlossener Markt. Trotz der erfreulichen wirtschaftlichen Kennzahlen entstehen zusätzliche Wachstumsimpulse daher nur noch begrenzt. Bestandsveränderungen ergeben sich zunehmend aus Verschiebungen zwischen den Anbietern: Von den 50 größten Hausratversicherern verzeichnen 26 Unternehmen rückläufige Bestände – und damit mehr als die Hälfte des Marktes.

Versicherungsbote stellt die größten Bestandsverluste in der Hausratversicherung vor

Vor diesem Hintergrund rücken jene Anbieter in den Fokus, die 2024 die größten absoluten Bestandsverluste verzeichnen. Entscheidend ist dabei nicht das Neugeschäft, sondern die Nettoveränderung des Bestands – also die Differenz aus neu gewonnenen und verlorenen Verträgen.

Diese Kennzahl zeigt, bei welchen Versicherern sich die Marktverschiebungen besonders deutlich niederschlagen. Ergänzend werden die langfristige Bestandsentwicklung seit 2019 sowie zentrale Kennzahlen wie gebuchte Bruttoprämien und durchschnittliche Prämien je Vertrag betrachtet, um die wirtschaftliche Einordnung und das jeweilige Geschäftsmodell besser nachvollziehen zu können.

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Im Folgenden werden jene zehn Versicherer vorgestellt, bei denen sich diese Entwicklungen im Jahr 2024 am deutlichsten in Form von Bestandsverlusten zeigen.

Zehntgrößter Verlust: VHV (−6.493 Verträge)

Der Hausratbestand der VHV sinkt 2024 um 6.493 Verträge beziehungsweise rund 1,6 Prozent auf 390.362 Policen, nach 396.855 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 21 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 413.558 Verträgen entspricht dies einem Minus von 23.196 Policen beziehungsweise rund 5,6 Prozent.

Wirtschaftlich ordnet sich die VHV im Mittelfeld ein. Mit 43,04 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,16 Prozent und Rang 23 nach Prämien liegt die Position nahe an der Bestandsgröße.

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Prämienprofil: unterhalb des Marktdurchschnitts

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 100,17 Euro im Jahr 2019 über 106,71 Euro im Jahr 2023 auf 110,25 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im unteren Bereich: 37 Anbieter verlangen höhere Prämien, 12 geringere. Das Preisniveau liegt zugleich unter dem Branchendurchschnitt von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: deutlicher Anstieg

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 36,16 Euro im Jahr 2019 über 41,31 Euro im Jahr 2023 deutlich auf 61,43 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein erhöhtes Niveau: 17 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 32 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit oberhalb des Branchendurchschnitts von 57,16 Euro.

Einordnung: steigende Schadenbelastung bei moderatem Preisniveau

Die Kombination aus unterdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen deutet auf ein zunehmend unausgeglichenes Verhältnis von Beitrag und Risiko hin. Während das Preisniveau im unteren Bereich bleibt, hat sich die Schadenbelastung zuletzt deutlich erhöht.

Vor diesem Hintergrund lässt sich der Bestandsrückgang einordnen. In einem gesättigten Marktumfeld entstehen zusätzliche Verträge vor allem in klar positionierten Segmenten – etwa im besonders günstigen oder im qualitativ differenzierten Bereich. Anbieter, bei denen sich Preis- und Schadenentwicklung auseinanderentwickeln, ohne dass daraus eine eindeutige Marktposition entsteht, haben es hingegen schwerer, Bestände zu stabilisieren oder auszubauen.

Neuntgrößter Verlust: Bayerischer Versicherungsverband (−6.651 Verträge)

Der Hausratbestand des Bayerischen Versicherungsverbands sinkt 2024 um 6.651 Verträge beziehungsweise rund 1,2 Prozent auf 546.497 Policen, nach 553.148 im Vorjahr. Damit belegt das Unternehmen Rang 16 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein leichter Rückgang: Gegenüber 2019 mit 562.647 Verträgen entspricht dies einem Minus von 16.150 Policen beziehungsweise rund 2,9 Prozent.

Wirtschaftlich entspricht die Position der Bestandsgröße. Mit 69,37 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,87 Prozent und Rang 16 nach Prämien ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.

Prämienprofil: nahe am Marktdurchschnitt

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 109,57 Euro im Jahr 2019 über 121,52 Euro im Jahr 2023 auf 126,94 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 31 Anbieter verlangen höhere Prämien, 18 geringere. Das Preisniveau liegt damit leicht unter dem Branchendurchschnitt von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: Anstieg auf überdurchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen deutlich von 31,20 Euro im Jahr 2019 über 37,42 Euro im Jahr 2023 auf 59,52 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein leicht erhöhtes Niveau: 19 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 30 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit knapp über dem Branchendurchschnitt von 57,16 Euro.

Einordnung: stabile Position ohne Wachstumsimpulse

Die Kombination aus durchschnittlichen Prämien und leicht erhöhten Schadenaufwendungen ergibt ein insgesamt ausgewogenes, aber wenig profiliertes Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. In einem weitgehend gesättigten Markt entstehen zusätzliche Impulse vor allem in klar abgegrenzten Segmenten. Anbieter im breiten Mittelfeld mit weitgehend ausgeglichenem Profil verzeichnen hingegen häufiger leichte Bestandsrückgänge, ohne dass sich daraus unmittelbare strukturelle Schwächen ableiten lassen.

Achtgrößter Verlust: Generali Deutschland (−9.090 Verträge)

Der Hausratbestand der Generali Deutschland sinkt 2024 um 9.090 Verträge beziehungsweise rund 0,5 Prozent auf 1.655.501 Policen, nach 1.664.591 im Vorjahr. Trotz dieses Rückgangs bleibt die Generali der zweitgrößte Anbieter der Sparte hinter der Allianz. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch ein kontinuierlicher Abbau: Gegenüber 2019 mit 1.722.504 Verträgen entspricht dies einem Minus von 67.003 Policen beziehungsweise rund 3,9 Prozent.

Wirtschaftlich gehört die Generali weiterhin zu den Schwergewichten des Marktes. Mit 219,19 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 5,90 Prozent und Rang 2 nach Prämien entspricht die Position der Bestandsgröße.

Prämienprofil: nahe am Durchschnitt

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 115,58 Euro im Jahr 2019 über 125,56 Euro im Jahr 2023 auf 132,40 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 27 Anbieter verlangen höhere Prämien, 22 geringere. Das Preisniveau liegt damit minimal oberhalb des Branchendurchschnitts von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: durchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 39,88 Euro im Jahr 2019 über 56,60 Euro im Jahr 2023 leicht auf 55,50 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine nahezu ausgeglichene Position: 26 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 23 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit nahe am Branchendurchschnitt von 57,16 Euro.

Einordnung: stabile Struktur im Konzernkontrast

Die Kombination aus durchschnittlichen Prämien und einer ausgeglichenen Schadenentwicklung ergibt ein insgesamt stabiles Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund auch im Konzernkontext einordnen. Während die Generali im klassischen Bestandsgeschäft nur noch begrenzte Wachstumsimpulse zeigt, entwickelt sich das Geschäft in anderen Vertriebsmodellen dynamischer. So steigert die Direkttochter CosmosDirekt ihren Hausratbestand von 100.465 Verträgen im Jahr 2019 über 122.638 im Jahr 2023 auf 129.809 Verträge im Jahr 2024 kontinuierlich.

Der Vergleich verdeutlicht die unterschiedlichen Wachstumspfade innerhalb des Konzerns: Während im traditionellen Bestandsgeschäft bei großen Volumina eher Verschiebungen und leichte Rückgänge dominieren, entstehen Zuwächse zunehmend im schlanken, digital ausgerichteten Vertriebsmodell.

Siebtgrößter Verlust: Dialog Versicherung (−9.509 Verträge)

Mit der Dialog Versicherung ist auch der Maklervertrieb innerhalb des Generali-Konzerns unter den Anbietern mit Bestandsrückgängen vertreten. Der Hausratbestand sinkt 2024 um 9.509 Verträge beziehungsweise gut 4,1 Prozent auf 222.465 Policen, nach 231.974 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 29 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 292.073 Verträgen entspricht dies einem Minus von 69.608 Policen beziehungsweise rund 23,8 Prozent.

Wirtschaftlich ordnet sich die Dialog im hinteren Mittelfeld ein. Mit 27,55 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,74 Prozent und Rang 30 nach Prämien entspricht die Position weitgehend der Bestandsgröße.

Prämienprofil: mittleres Segment ohne klare Hochpreisstrategie

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag entwickelt sich vergleichsweise stabil von 121,16 Euro im Jahr 2019 über 121,37 Euro im Jahr 2023 auf 123,82 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren Bereich: 33 Anbieter verlangen höhere Prämien, 16 geringere. Auffällig ist, dass sich – anders als in anderen Sparten – keine ausgeprägte Positionierung im Hochpreissegment zeigt, sondern die durchschnittliche Prämie sogar unter dem Marktschnitt liegt.

Schadenentwicklung: unterdurchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag sinken von 57,89 Euro im Jahr 2019 über 53,02 Euro im Jahr 2023 auf 49,76 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich auch hier ein eher günstiges Niveau: 33 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 16 niedrigere.

Einordnung: unterschiedliche Dynamiken im Konzern

Die Kombination aus durchschnittlichen Prämien und unterdurchschnittlichen Schadenaufwendungen ergibt ein solides Verhältnis von Beitrag und Risiko. Im Zusammenspiel mit den anderen Vertriebswegen im Konzern wird die Entwicklung differenzierter sichtbar: Während die Direkttochter CosmosDirekt ihren Bestand kontinuierlich ausbaut, zeigen sich sowohl im klassischen Bestandsgeschäft der Generali als auch im Maklervertrieb der Dialog rückläufige Entwicklungen.

Der Vergleich verdeutlicht, dass sich Wachstum in einem gesättigten Markt zunehmend auf spezifische Vertriebsmodelle konzentriert. Während digital geprägte und besonders effiziente Strukturen weiter zulegen, geraten andere Vertriebswege – trotz solider Kennzahlen – stärker unter Druck.

Sechstgrößter Verlust: DEVK VVaG (−11.213 Verträge)

Der Hausratbestand des DEVK VVaG sinkt 2024 um 11.213 Verträge beziehungsweise rund 3,1 Prozent auf 348.229 Policen, nach 359.442 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 22 nach Bestandsgröße. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 392.890 Verträgen entspricht dies einem Minus von 44.661 Policen beziehungsweise rund 11,4 Prozent.

Wirtschaftlich entspricht die Position der Bestandsgröße. Mit 46,54 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 1,25 Prozent und Rang 22 nach Prämien ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild.

Prämienprofil: leicht oberhalb des Marktdurchschnitts

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt deutlich von 105,19 Euro im Jahr 2019 über 125,35 Euro im Jahr 2023 auf 133,66 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren bis leicht oberen Bereich: 24 Anbieter verlangen höhere Prämien, 25 geringere. Das Preisniveau liegt damit leicht über dem Branchendurchschnitt von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: moderates Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 34,41 Euro im Jahr 2019 über 45,22 Euro im Jahr 2023 auf 49,94 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein eher günstiges Niveau: 32 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 17 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit unterhalb des Branchendurchschnitts von 57,16 Euro.

Einordnung: Rückgang trotz solider Kennzahlen

Die Kombination aus leicht überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig unterdurchschnittlichen Schadenaufwendungen ergibt ein insgesamt stabiles Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund auch über die Zielgruppen- und Vertriebsstruktur einordnen. Die DEVK richtet sich traditionell an eine eher sicherheitsorientierte Kundschaft, häufig mit Bezug zum öffentlichen Dienst, und baut stark auf langfristige Kundenbeziehungen im Bestandsgeschäft.

In einem gesättigten Markt entstehen zusätzliche Wachstumsimpulse jedoch zunehmend über wechselbereite Kundengruppen, preisaggressive Angebote oder digital skalierende Modelle. Anbieter mit stärker bestandsorientierter Ausrichtung können unter diesen Bedingungen trotz stabiler Kennzahlen Bestände verlieren.

Fünftgrößter Verlust: HDI Versicherung (−15.488 Verträge)

Der Hausratbestand der HDI Versicherung sinkt 2024 um 15.488 Verträge beziehungsweise rund 2,9 Prozent auf 520.441 Policen, nach 535.929 im Vorjahr. Damit belegt das Unternehmen weiterhin Rang 15 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 627.931 Verträgen entspricht dies einem Minus von 107.490 Policen beziehungsweise rund 17,1 Prozent.

Wirtschaftlich liegt der HDI weiterhin im oberen Mittelfeld der Sparte. Mit 75,19 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,02 Prozent und Rang 15 nach Prämien entspricht die wirtschaftliche Position exakt dem Rang nach Vertragsbestand.

Prämienprofil: oberes Marktsegment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 120,63 Euro im Jahr 2019 über 140,31 Euro im Jahr 2023 auf 144,47 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Bereich: 16 Anbieter verlangen höhere Prämien, 33 geringere. Das Preisniveau liegt damit klar über dem Branchendurchschnitt von 131,21 Euro, stößt aber nicht ins Hochpreissegment vor.

Schadenentwicklung: überdurchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 48,47 Euro im Jahr 2019 über 60,98 Euro im Jahr 2023 auf 63,78 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein erhöhtes Niveau: 14 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 35 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt somit oberhalb des Branchendurchschnitts von 57,16 Euro.

Einordnung: anspruchsvolle Position im oberen Segment

Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen führt zu einem insgesamt anspruchsvollen Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. In einem gesättigten Markt entstehen zusätzliche Verträge im oberen Preissegment häufig selektiv, während gleichzeitig steigende Schadenaufwendungen die Prämienbasis weiter erhöhen können.

Wachstum wird unter diesen Bedingungen strukturell schwieriger als in preisgünstigeren oder stärker skalierenden Segmenten, sodass auch größere Anbieter im oberen Marktbereich Bestände verlieren können.

Viertgrößter Verlust: DEVK Allgemeine (−16.684 Verträge)

Auch die größere Hausrat-Tochter der DEVK weist 2024 rückläufige Bestandszahlen auf: Der Hausratbestand der DEVK Allgemeinen sinkt um 16.684 Verträge beziehungsweise rund 1,7 Prozent auf 989.079 Policen, nach 1.005.763 im Vorjahr. Damit bleibt das Unternehmen mit Rang 8 einer der größten Anbieter der Sparte. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein stabiles Niveau: Gegenüber 2019 mit 985.260 Verträgen liegt der Bestand leicht im Plus.

Wirtschaftlich entspricht die Position der Bestandsgröße. Mit 138,41 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,72 Prozent und Rang 8 nach Prämien gehört die DEVK Allgemeine weiterhin zur oberen Marktgruppe.

Prämienprofil: oberes Mittelfeld

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 111,95 Euro im Jahr 2019 über 132,50 Euro im Jahr 2023 auf 139,94 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Mittelfeld: 21 Anbieter verlangen höhere Prämien, 28 geringere. Das Preisniveau liegt damit oberhalb des Branchendurchschnitts von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: unterdurchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 37,12 Euro im Jahr 2019 über 42,24 Euro im Jahr 2023 auf 47,85 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein günstiges Niveau: 35 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 14 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit unter dem Branchendurchschnitt von 57,16 Euro.

Einordnung: parallele Entwicklung im bestandsorientierten Modell

Die Kombination aus leicht überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig unterdurchschnittlichen Schadenaufwendungen ergibt – wie bereits beim DEVK VVaG – ein stabiles und wirtschaftlich solides Verhältnis von Beitrag und Risiko.

Dass dennoch beide Gesellschaften rückläufige Bestände verzeichnen, deutet auf gemeinsame strukturelle Faktoren hin. Die DEVK ist stark im klassischen Ausschließlichkeitsvertrieb verankert und richtet sich an eine eher bestandsorientierte, sicherheitsgeprägte Kundengruppe.

In einem gesättigten Marktumfeld entstehen zusätzliche Wachstumsimpulse jedoch zunehmend außerhalb dieses Modells – etwa über preisaggressive Angebote oder digital skalierende Vertriebswege. Anbieter mit stabilen, aber weniger dynamischen Strukturen können unter diesen Bedingungen auch bei guten Kennzahlen Bestände verlieren.

Drittgrößter Verlust: Axa (−17.382 Verträge)

Der Hausratbestand der Axa sinkt 2024 um 17.382 Verträge beziehungsweise rund 1,4 Prozent auf 1.180.587 Policen, nach 1.197.969 im Vorjahr. Damit belegt das Unternehmen Rang 4 nach Bestandsgröße und zählt weiterhin zu den größten Anbietern der Sparte. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich jedoch ebenfalls ein Rückgang: Gegenüber 2019 mit 1.223.453 Verträgen entspricht dies einem Minus von 42.866 Policen beziehungsweise rund 3,5 Prozent.

Wirtschaftlich entspricht die Position der Bestandsgröße. Mit 172,34 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,64 Prozent und Rang 4 nach Prämien bleibt die Axa eines der Schwergewichte im Markt.

Prämienprofil: gehobenes Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 137,05 Euro im Jahr 2019 über 141,20 Euro im Jahr 2023 auf 145,98 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im oberen Bereich: 14 Anbieter verlangen höhere Prämien, 35 geringere. Das Preisniveau liegt damit über dem Branchendurchschnitt von 131,21 Euro.

Schadenentwicklung: deutlich erhöhtes Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 49,47 Euro im Jahr 2019 über 63,00 Euro im Jahr 2023 auf 73,45 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich ein deutlich erhöhtes Niveau: Nur sechs Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, die große Mehrheit niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit klar über dem Branchendurchschnitt von 57,16 Euro.

Einordnung: anspruchsvolle Kombination im oberen Segment

Die Kombination aus überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig hohen Schadenaufwendungen führt zu einem anspruchsvollen Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. Ähnlich wie bei anderen Anbietern zeigt sich, dass Wachstum in einem gesättigten Markt unter diesen Bedingungen selektiv bleibt. Steigende Schadenaufwendungen können zusätzlichen Druck auf die Prämien ausüben, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit im Neugeschäft begrenzt wird. Wachstum wird damit strukturell schwieriger als in preisgünstigeren oder stärker skalierenden Segmenten, sodass auch große Anbieter Bestände verlieren können.

Zweitgrößter Verlust: Provinzial Versicherung (−18.111 Verträge)

Der Hausratbestand der Provinzial Versicherung sinkt 2024 um 18.111 Verträge beziehungsweise rund 1,8 Prozent auf 981.859 Policen, nach 999.970 im Vorjahr. Damit belegt das Unternehmen Rang 9 nach Bestandsgröße.

Die Entwicklung ist stark durch strukturelle Effekte geprägt: Im Zuge der Verschmelzung der Westfälischen Provinzial auf die Provinzial Rheinland verdoppelte sich der Bestand im Jahr 2021 sprunghaft von 494.692 auf 1.034.682 Verträge. Gegenüber diesem fusionsbedingt erhöhten Niveau zeigt sich seither ein kontinuierlicher Rückgang.

Wirtschaftlich fällt die Position deutlich stärker aus als nach Vertragsbestand. Mit 185,34 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 4,99 Prozent und Rang 3 nach Prämien zählt die Provinzial weiterhin zu den größten Anbietern der Sparte.

Prämienprofil: deutlich gehobenes Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 156,73 Euro im Jahr 2019 über 178,93 Euro im Jahr 2023 auf 188,77 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine klare Spitzenposition: Nur zwei Anbieter verlangen höhere Prämien. Die Provinzial gehört damit zu den teuersten Anbietern der Sparte und hebt sich deutlich vom Markt ab.

Schadenentwicklung: erhöhtes Niveau mit Sondereffekt

Die Schadenaufwendungen je Vertrag entwickeln sich über den Zeitverlauf volatil. Nach 47,21 Euro im Jahr 2019 kommt es 2021 infolge der Flutkatastrophe im Ahrtal zu einem massiven Ausschlag auf 144,74 Euro je Vertrag. In den Folgejahren normalisiert sich das Niveau wieder: 2023 liegen die Aufwendungen bei 60,38 Euro, 2024 bei 65,25 Euro. Im Marktvergleich ergibt sich weiterhin ein erhöhtes Niveau: 12 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 37 niedrigere.

Einordnung: hohe Prämien bei unterproportionalem Bestand

Die Kombination aus deutlich überdurchschnittlichen Prämien und gleichzeitig erhöhten Schadenaufwendungen führt zu einer anspruchsvollen Position im oberen Marktsegment. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. Im Hochpreissegment ist das Wachstum der Vertragszahlen strukturell begrenzt, da zusätzliche Nachfrage vor allem aus preis- oder wechselgetriebenen Kundengruppen entsteht.

Während hohe Prämien stabile Beitragseinnahmen ermöglichen, bleibt die Dynamik beim Bestandsaufbau entsprechend eingeschränkt. Wachstum erfolgt unter diesen Bedingungen weniger über zusätzliche Verträge als über das bestehende Beitragsniveau.

Größter Verlust: Gothaer Allgemeine (−23.647 Verträge)

Der Hausratbestand der Gothaer Allgemeinen sinkt 2024 um 23.647 Verträge beziehungsweise rund 3,7 Prozent auf 618.848 Policen, nach 642.495 im Vorjahr. Damit erreicht das Unternehmen Rang 14 nach Bestandsgröße. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Gegenüber 2019 mit 737.117 Verträgen entspricht dies einem Minus von 118.269 Policen beziehungsweise rund 16,0 Prozent.

Wirtschaftlich entspricht die Position weitgehend der Bestandsgröße. Mit 86,59 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 2,33 Prozent und Rang 14 nach Prämien bleibt die Gothaer ein etablierter Anbieter im oberen Mittelfeld der Sparte.

Prämienprofil: mittleres bis leicht gehobenes Segment

Die durchschnittliche Prämie je Vertrag steigt von 118,84 Euro im Jahr 2019 über 131,99 Euro im Jahr 2023 auf 139,92 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine Position im mittleren bis oberen Bereich: 22 Anbieter verlangen höhere Prämien, 27 geringere. Das Preisniveau liegt damit oberhalb des Branchendurchschnitts..

Schadenentwicklung: durchschnittliches Niveau

Die Schadenaufwendungen je Vertrag steigen von 42,59 Euro im Jahr 2019 über 55,71 Euro im Jahr 2023 auf 56,53 Euro im Jahr 2024. Im Marktvergleich ergibt sich eine nahezu ausgeglichene Position: 25 Anbieter weisen höhere Schadenaufwendungen auf, 24 niedrigere. Die Schadenbelastung liegt damit nahe am Branchendurchschnitt von 57,16 Euro.

Einordnung: rückläufiger Bestand bei unauffälliger Positionierung

Die Kombination aus leicht überdurchschnittlichen Prämien und einer weitgehend durchschnittlichen Schadenentwicklung ergibt ein insgesamt unauffälliges Verhältnis von Beitrag und Risiko. Der Bestandsrückgang lässt sich vor diesem Hintergrund einordnen. In einem gesättigten Marktumfeld entstehen Wachstumsimpulse vor allem in klar abgegrenzten Segmenten oder über besonders effiziente Vertriebsmodelle. Anbieter mit einer breiten, aber wenig zugespitzten Positionierung können unter diesen Bedingungen Bestände verlieren, ohne dass sich dies unmittelbar aus den Kennzahlen ableiten lässt.

Hintergrund

Die Datengrundlage bildet der Branchenmonitor Hausratversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Untersucht werden die 50 größten Hausratversicherer in Deutschland, die zusammen rund 92 Prozent des Marktes abdecken. Die Auswertung umfasst Kennzahlen der Geschäftsjahre 2019 bis 2024.

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Der Branchenmonitor berücksichtigt zentrale Kennzahlen wie Bestandszahlen, gebuchte Bruttoprämien, Durchschnittsprämien je Vertrag sowie Schadenaufwendungen und ermöglicht damit eine differenzierte Analyse von Marktstruktur und Geschäftsmodellen. Der vollständige Report kann kostenpflichtig über die V.E.R.S. Leipzig GmbH bezogen werden.

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