Altersvorsorge bleibt Problemzone
Die Deutschen blicken überraschend optimistisch auf ihre finanzielle Zukunft. Doch beim Thema Altersvorsorge kippt die Stimmung deutlich. Denn zwischen Zuversicht und Vorsorgelücke zeigt sich ein wachsender Widerspruch.

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Die Deutschen sind optimistischer, als oft angenommen. Das gilt zumindest, wenn es um ihre kurzfristige finanzielle Zukunft geht. Doch beim Blick auf die Altersvorsorge zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Das geht aus dem aktuellen Allianz Vorsorge Index hervor.
Insgesamt geben 70 Prozent der Befragten an, zuversichtlich zu sein, ihre finanziellen Pläne und Ziele umsetzen zu können. 37 Prozent zeigen sich dabei sogar „sehr“ oder „äußerst zuversichtlich“, weitere 33 Prozent immerhin „zuversichtlich“. Die Umfrageergebnisse zeigen aber auch, dass dabei vor allem die finanziellen Alltagssorgen dominieren.
Diese Sorgen sind klar verteilt. Mit 57 Prozent steht die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten unangefochten an erster Stelle. Dahinter folgen unerwartete Ausgaben, etwa für Reparaturen, mit 34 Prozent sowie die Sorge, zu wenig für den Ruhestand zurückzulegen (31 Prozent). Arbeitslosigkeit (15 Prozent) und Schulden (13 Prozent) spielen eine deutlich geringere Rolle. Auffällig ist zudem: Nur 13 Prozent der Deutschen geben an, keinerlei finanzielle Sorgen zu haben.
Nur jeder fünfte Deutsche hat ausreichend fürs Alter vorgesorgt
Die Prioritäten der Menschen spiegeln diese Unsicherheiten wider. 61 Prozent planen in den kommenden fünf Jahren, gezielt finanzielle Rücklagen aufzubauen. Besonders stark ausgeprägt ist dieses Ziel bei den rentennahen Jahrgängen mit 68 Prozent, während es bei den unter 30-Jährigen bei 51 Prozent liegt. Auf Platz zwei folgt die Altersvorsorge mit 55 Prozent, dicht gefolgt vom Wunsch, Geld für besondere Anlässe wie Reisen oder Hochzeiten zurückzulegen (46 Prozent).
Trotz dieser klaren Zielsetzungen offenbart sich beim Thema Altersvorsorge eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Realität. Nur rund 20 Prozent der Deutschen sind überzeugt, ausreichend für das Alter vorgesorgt zu haben. Weitere 46 Prozent haben zwar Maßnahmen ergriffen, halten diese aber für nicht ausreichend. Besonders kritisch ist die Situation bei den verbleibenden 35 Prozent: Sie sehen aktuell keine Möglichkeit zu sparen oder beschäftigen sich gar nicht mit dem Thema.
„Zwar wissen auch die Jüngeren, wie wichtig Altersvorsorge für sie selbst ist. Doch viele gehen das Thema erst spät an und verlieren dadurch wertvolles Kapital für den eigenen Ruhestand“, sagt Ruedi Kubat, CEO der Allianz Lebensversicherungs-AG.
Hinzu kommt, dass finanzielle Planung häufig an der Realität scheitert. Ein Viertel der Befragten musste bereits auf eigentlich für den Ruhestand gedachte Rücklagen zurückgreifen. Besonders häufig betrifft das jüngere Menschen unter 44 Jahren. Gleichzeitig fällt es rund der Hälfte der Deutschen schwer, überhaupt klare finanzielle Prioritäten zu setzen.
Auch beim Thema Renteneintritt herrscht bemerkenswerte Einigkeit: Im Schnitt planen die Deutschen, mit 66 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Für diese Phase kalkulieren sie mit einem monatlichen Einkommen von 2.431 Euro (auf heutiger Kaufkraftbasis). Sollte das nicht ausreichen, zeigt sich jedoch eine gewisse Flexibilität: Knapp jede und jeder Zweite kann sich vorstellen, im Alter weiterzuarbeiten oder einen Nebenjob anzunehmen.
Auffällig ist zudem ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen bewerten ihre Altersvorsorge durchweg skeptischer als Männer. Diese Einschätzung stimmt unabhängig von Alter oder Einkommen.
