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Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge soll einfacher, günstiger und digitaler werden. Doch der Weg von der Riester-Rente hin zum Altersvorsorgedepot lässt Fragen zu Verwaltung, Wettbewerb und Absicherung im Alter offen.

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft den Verwaltungsaufwand. „Mit Blick auf den Verwaltungsaufwand wären voll digitale Schnittstellen zu den staatlichen Stellen der Idealfall“, sagt Alina vom Bruck, Mitglied des Vorstands der BarmeniaGothaer und Vorstandsvorsitzende der Gothaer Leben, im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Heute müssten Änderungen wie etwa bei der Zahl kindergeldberechtigter Kinder häufig manuell nachgetragen werden. Das führe zu Verzögerungen, zusätzlichem Aufwand und im schlimmsten Fall zum Verlust von Förderansprüchen.

Mit der Reform soll auch ein staatliches Standardprodukt eingeführt werden. Befürworter wünschen sich ein Modell mit sehr niedrigen Kosten. Doch vom Bruck äußert Zweifel, ob die angepeilte Kostenquote realistisch ist. „Eine so niedrige Kostenquote lässt sich meist nur durch sehr spezifische Rahmenbedingungen realisieren“, sagt die Diplom-Kauffrau. Zudem sieht die 39-Jährige klare Grenzen bei Beratung und Service. Staatliche Modelle könnten kaum die gleiche Betreuungsqualität bieten wie private Anbieter. „Die Produkte sind komplex, und eine fundierte Beratung bleibt aus unserer Sicht entscheidend.“

Auch der häufig zitierte Verweis auf das schwedische Modell greift aus ihrer Sicht zu kurz. Zwar seien dort niedrige Kosten und attraktive Renditen möglich gewesen, doch gehe dies mit deutlichen Einschränkungen einher. „In Schweden gibt es kein umfassendes Beratungsnetz, keine individuelle Produktauswahl und in der Regel auch keinen persönlichen Ansprechpartner“, so vom Bruck. Das Modell setze auf Standardisierung statt Individualisierung und damit auf einen Ansatz, der sich nicht ohne Weiteres auf Deutschland übertragen lasse.

Mit der stärkeren Digitalisierung und einfachen Abschlussmöglichkeiten rücken Banken und Neobroker stärker in den Markt. Für Versicherer entsteht dadurch ein Wettbewerbsproblem. „Wir müssen mehr Fragen stellen, müssen mehr über unsere Produkte aufklären“, erklärt vom Bruck. Deshalb fordert sie gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Versicherern und neuen Marktteilnehmern.

Kritik am Auszahlungsmodell bis 85 Jahre

Besonders kritisch bewertet die Managerin das neue Auszahlungsmodell, das Leistungen nur bis zum 85. Lebensjahr vorsieht. „Wer mit 67 Jahren in Rente geht, für den besteht laut aktueller Sterbetafeln eine 50-Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass er älter als 85 Jahre wird“, gibt sie zu bedenken. Enden die Zahlungen zu diesem Zeitpunkt, drohe vielen Menschen eine Versorgungslücke. Zudem widerspreche das Modell dem Ziel, die private Vorsorge langfristig zu stärken. „Mit diesem Modell werden Viele im hohen Alter aber wieder in staatliche Systeme zurückfallen.“

Trotz neuer Optionen bleibt für vom Bruck die klassische lebenslange Rente der verlässlichste Weg. Zwar werde der Versicherer voraussichtlich unterschiedliche Auszahlungsmodelle anbieten, doch die Absicherung bis ans Lebensende bleibe zentral.