Die Unsicherheit über die Zukunft der gesetzlichen Rente verbindet in Deutschland inzwischen junge Menschen und heutige Rentner gleichermaßen. Das zeigt die HDI Rentner-Studie 2026. Demnach hat rund die Hälfte der Befragten nur wenig Vertrauen in den Generationenvertrag. Bei den 18- bis 35-Jährigen liegt der Anteil bei 51 Prozent, unter den heutigen Rentnern zwischen 63 und 70 Jahren bei 47 Prozent. Lediglich 17 Prozent der jungen Generation und neun Prozent der Rentner äußern großes oder sehr großes Vertrauen in das bestehende System.

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Als zentrale Ursachen für die Probleme des Rentensystems nennen beide Gruppen vor allem den demografischen Wandel und das Missverhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenbeziehern. Zudem sehen viele Befragte das fehlende Einzahlen von Beamten und Selbstständigen sowie jahrelang ausgebliebene Reformen kritisch.

„Unsere Studie zeigt: Die Rentenfrage ist längst kein klassischer Generationenkonflikt mehr, sondern eine gemeinsame Sorge“, sagt Holm Diez, Mitglied des Vorstands der HDI Deutschland AG und verantwortlich für das Ressort Leben & Bancassurance. „Gleichzeitig zeigen sich viele Menschen offen für Reformen. Jetzt ist die Politik gefragt, daraus tragfähige und generationengerechte Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Tatsächlich zeigt die Studie eine hohe Reformbereitschaft über alle Altersgruppen hinweg. Unter den heutigen Rentnern sprechen sich 88 Prozent für einen höheren Grundfreibetrag aus, 87 Prozent unterstützen eine Erwerbstätigenversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen sollen. Ebenso stößt die Einführung einer Mindestrente auf breite Zustimmung.

Auch die sogenannte Aktivrente findet insbesondere bei jüngeren Menschen großen Zuspruch. 74 Prozent der jungen Befragten bewerten Modelle positiv, die einen steuerfreien Hinzuverdienst von bis zu 2.000 Euro nach dem Renteneintritt ermöglichen. Bemerkenswert: 34 Prozent der heutigen Rentner geben an, unter solchen Bedingungen ebenfalls länger gearbeitet zu haben.

Die Studie zeigt zudem, dass zwischen den Generationen deutlich mehr Verständnis herrscht als häufig angenommen. 70 Prozent der jungen Generation haben Verständnis für die Kritik älterer Menschen am Rentensystem. Umgekehrt äußern 69 Prozent der Rentner Verständnis für die Sorgen der jüngeren Generation.

Große Unterschiede zeigen sich hingegen beim erwarteten Renteneintritt. Während heutige Rentner im Durchschnitt mit 63 Jahren in Ruhestand gegangen sind, rechnen junge Menschen erst mit einem Renteneintrittsalter von durchschnittlich 69 Jahren. Gleichzeitig würden die 18- bis 35-Jährigen am liebsten bereits mit 60 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Nur 38 Prozent können sich vorstellen, über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.

Auch die Sorge um den eigenen Lebensstandard im Alter wächst. 77 Prozent der jungen Befragten empfinden steigende Lebenshaltungskosten bereits heute als Belastung. Jeder fünfte junge Erwachsene erwartet, seinen Lebensstandard im Ruhestand später nicht halten zu können. Gleichzeitig bestätigt die Erfahrung vieler heutiger Rentner diese Sorgen: Nur 22 Prozent geben an, ihren bisherigen Lebensstandard im Alter ohne Einschränkungen sichern zu können.

Vor diesem Hintergrund gewinnt private Vorsorge weiter an Bedeutung. Drei Viertel der jungen Generation gehen davon aus, künftig stärker privat vorsorgen zu müssen. Dabei setzen junge Menschen zunehmend auf Aktien, Fonds und andere renditeorientierte Anlageformen, während heutige Rentner häufiger auf Betriebsrenten, Wohneigentum oder klassische Lebens- und Rentenversicherungen bauen. „Viele Befragte haben einen bemerkenswert nüchternen Blick auf das deutsche Rentensystem und erkennen dessen Grenzen“, betont Holm Diez. „Ich bin davon überzeugt, dass künftig ein Zusammenspiel aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge für die finanzielle Sicherheit im Alter notwendig sein wird.“