Beschwerden in der privaten Krankenversicherung stark gestiegen
Die Zahl der Kundenbeschwerden beim Ombudsmann für die Private Kranken- und Pflegeversicherung ist deutlich gestiegen. So zählte die Schlichtungsstelle im vergangenen Jahr in Summe fast 10.000 Beschwerden. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von über 40 Prozent. Trotzdem bleibt die Beschwerdequote gemessen an den PKV-Verträgen äußerst gering.

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Wer Ärger mit seiner Privaten Krankenversicherung hat, etwa weil sie mutmaßlich einen Schaden nicht bezahlen will oder die Bearbeitung hinauszögert, kann sich an den Ombudsmanns der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung wenden. Die Schlichtungsstelle mit Sitz in Berlin verspricht, schnell und unbürokratisch die Ansprüche des Kunden zu prüfen und zwischen beiden Streitparteien zu schlichten. Für Verbraucher ist das Verfahren kostenfrei.
Nun hat der PKV-Ombudsmanns den Tätigkeitsbericht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Beschwerden weiter gestiegen. Unter anderem wird aus dem Bericht ersichtlich, aus welchen Gründen die meisten Beschwerden eingingen. Ingesamt zeigt sich eine negative Entwicklung für die Branche. Insgesamt 9.755 Schlichtungsanträge gingen beim PKV-Ombudsmann ein. Das ist ein Plus von 41,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch ein Jahr zuvor war die Zahl der Eingaben auf ein Allzeittief von 5.414 Fällen gesunken. Damit markiert die aktuelle Entwicklung den höchsten Beschwerdeeingang seit vielen Jahren.
Konkrete Einzelereignisse oder eine klare Ursache für den sprunghaften Anstieg konnte der seit gut einem Jahr amtierende PKV-Ombudsmann Professor Dr. Rainer Schlegel nicht identifizieren. Ein Teil der Beschwerden hängt allerdings mit den seit 2024 anhaltenden Folgen eines Dienstleisterwechsels bei einem Unternehmen der Pflegepflichtversicherung zusammen. Das betrifft etwa 800 Fälle.
Darüber hinaus werden mehrere mögliche Einflussfaktoren diskutiert. So könnte auch die zunehmende Nutzung digitaler Technologien eine Rolle spielen. Zudem könnten wirtschaftliche Faktoren das Konfliktpotenzial erhöhen.
Nicht nur die Gesamtzahl der Eingaben, sondern auch die Zahl der zulässigen Beschwerden legte deutlich zu. Diese stieg um 38,4 Prozent auf 7.944 Fälle. Damit liegt auch dieser Wert auf dem höchsten Niveau seit 2010. Der Tiefstwert lag vor etwa zehn Jahren bei etwas mehr als 4.000 Beschwerden. Der Anteil der abgelehnten Beschwerden liegt aktuell bei knapp 19 Prozent. Ein höherer Wert wurde zuletzt 2016 mit rund 25 Prozent registriert.
Trotz des deutlichen Anstiegs relativiert sich die Entwicklung bei einem Blick auf den Gesamtmarkt. In der privaten Krankenversicherung bestehen mehr als 40 Millionen Verträge. Gemessen daran ergibt sich lediglich eine Beschwerdequote von rund 0,02 Prozent.
Am häufigsten betrafen die Beschwerden erneut die Krankenvollversicherung. Ihr Anteil lag im vergangenen Jahr bei rund 64 Prozent aller Fälle – allerdings sechs Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor. Historisch hatte die Vollversicherung bereits deutlich höhere Werte erreicht. Im Jahr 2018 lag ihr Anteil zeitweise bei fast 84 Prozent, ausgelöst durch eine außergewöhnlich hohe Zahl an Beschwerden im Zusammenhang mit Beitragsanpassungen.
Die Zusatzversicherungen machten zuletzt dagegen fast ein Viertel der Beschwerden aus und damit deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Auffällig ist zudem die Entwicklung im Bereich der Pflegeversicherung. Fast jede siebte Beschwerde betraf inzwischen dieses Segment. Der Anteil ist damit innerhalb kurzer Zeit stark gestiegen. Noch 2024 lag er bei etwa jeder elften Eingabe, 2023 bei rund jeder fünfzehnten. Langfristig zeigt sich eine noch deutlichere Entwicklung: 2014 entfiel nicht einmal jede fünfzigste Beschwerde auf die Pflegeversicherung.
