Warum viele kleine Unternehmen ihren Versicherungsschutz nicht kennen
Sieben von zehn kleinen Unternehmen weisen gefährliche Versicherungslücken auf. Denn viele Selbstständige überschätzen ihren Versicherungsschutz. Nur wenige wissen genau, welche Risiken ihre Policen tatsächlich abdecken, mahnt Roman Potyka, Head of Product & Underwriting von Hiscox Deutschland.

Ein Großteil der Selbstständigen und kleinen Unternehmen in Deutschland weiß nicht genau, welche Risiken ihre Versicherungen tatsächlich abdecken. Das zeigt der aktuelle Global Protection Gap Report des Spezialversicherers Hiscox. Demnach bestehen in vielen Betrieben erhebliche Wissenslücken über zentrale Policen – mit potenziell gravierenden Folgen.
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Besonders deutlich wird dies bei der Berufshaftpflichtversicherung. Lediglich 16 Prozent der befragten Unternehmer wissen genau, welche Risiken ihre Police abdeckt. Auch bei anderen wichtigen Versicherungen zeigt sich ein ähnliches Bild. Den Leistungsumfang ihrer Betriebshaftpflichtversicherung kennen lediglich 36 Prozent der Befragten. Bei der Cyberversicherung liegt dieser Wert sogar nur bei 21 Prozent.
Diese Unsicherheit bleibt nicht ohne Folgen. Laut Report weisen 70 Prozent der Selbstständigen und kleinen Unternehmen in Deutschland signifikante Versicherungslücken auf. Dabei entstehen die Lücken nicht nur durch fehlende Versicherungen. Häufig liegt das Problem darin, dass bestehende Policen nicht vollständig verstanden oder nicht an neue Unternehmensrealitäten angepasst werden. Das gilt etwa bei steigenden Umsätzen, neuen Projekten oder veränderten Geschäftsmodellen. Gerade bei Dienstleistungen oder projektbasierten Tätigkeiten kann jedoch bereits ein einzelner Fehler zu erheblichen Schadenersatzforderungen führen.
Viele Unternehmer unterschätzen frühen Absicherungsbedarf
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft den Zeitpunkt der Absicherung. Zwar geben 55 Prozent der Befragten an, dass Versicherungsschutz bereits vor dem ersten Produktverkauf notwendig sei. Gleichzeitig glauben 45 Prozent, dass eine Absicherung erst später erforderlich wird – etwa wenn das Unternehmen größere Gewinne erzielt oder wenn die Selbstständigkeit zur Haupttätigkeit wird. Diese Einschätzung kann riskant sein. Denn gerade in der frühen Phase eines Unternehmens sind Risiken oft besonders hoch, während finanzielle Rücklagen noch fehlen.
„Viele Unternehmerinnen und Unternehmer gehen davon aus, ausreichend versichert zu sein, wissen aber nicht im Detail, welche Leistungen ihre Policen tatsächlich abdecken“, erklärt Roman Potyka, Underwriting Director bei Hiscox Deutschland. „Gerade bei der Berufshaftpflicht kann dieses fehlende Verständnis problematisch werden, da Schadenersatzforderungen häufig echte Vermögensschäden betreffen. Nur wer seine Absicherung kennt und regelmäßig überprüft, kann Risiken besser einschätzen und sein Unternehmen wirksam schützen. Deshalb sind Versicherer ebenso wie Makler und Vermittler gefordert, kleine Unternehmen umfassend über mögliche Risiken aufzuklären und kompetent zu beraten.”
