Kfz-Versicherung: Die Schaden-Kosten-Sieger 2024
Die Kfz-Versicherung bleibt insgesamt ein Verlustgeschäft, doch 2024 zeigt sich erstmals eine klare Differenzierung innerhalb der Branche. Während viele Anbieter weiterhin tief in den roten Zahlen arbeiten, gelingt es nur elf der fünfzig größten Kfz-Versicherer, ihre Schaden-Kosten-Quote wieder unter die Marke von einhundert Prozent zu senken. Diese Gesellschaften heben sich damit erkennbar vom defizitären Marktschnitt ab. Der Beitrag stellt diese Anbieter vor und ordnet ihre Ergebnisse anhand zentraler Kennzahlen ein.

- Kfz-Versicherung: Die Schaden-Kosten-Sieger 2024
- Elftbeste CR: Allianz Versicherungs-AG (99,26 Prozent)
- Zehntbeste CR: ADAC Autoversicherung (99,20 Prozent)
- Neuntbeste CR: Fahrlehrerversicherung VaG (99,11 Prozent)
- Achtbeste CR: VHV Allgemeine Versicherung (98,20 Prozent)
- Siebtbeste CR: Cosmos (97,56 Prozent)
- Sechstbeste CR: HUK-Coburg Allgemeine (97,73 Prozent)
- Fünftbeste CR: Dialog Versicherung (97,30 Prozent)
- Viertbeste CR: Helvetia Direktion für Deutschland (96,09 Prozent)
- Drittbeste CR: AXA (94,63 Prozent)
- Zweitbeste CR: Provinzial Nord Brandkasse (93,39 Prozent)
- Beste CR: AXA Easy (84,61 Prozent)
Die wirtschaftliche Krise der Kfz-Versicherung ist strukturell gewachsen. Über Jahre hatten intensiver Preiswettbewerb – insbesondere über Vergleichsportale – sowie eine zu zögerliche Prämienpolitik die Kalkulation geschwächt. Ab 2021 verschärften zusätzlich stark steigende Ersatzteilpreise, höhere Werkstattkosten und eine zunehmende Schadenfrequenz den Druck auf die Sparte. Der Kulminationspunkt wurde 2023 erreicht, als erstmals kein einziger großer Anbieter mehr kostendeckend arbeitete (Versicherungsbote berichtete).
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Auf diese Zuspitzung reagierten die Kfz-Versicherer marktweit mit spürbaren Korrekturen. Bereits 2023 setzten deutliche Prämienanpassungen ein, die 2024 konsequent fortgeführt wurden. Die gebuchten Bruttoprämien der fünfzig größten Anbieter stiegen im Branchendurchschnitt um 11,8 Prozent auf 609,73 Millionen Euro je Versicherer – ein Zuwachs, wie er seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr zu beobachten war. Getragen wurde diese Entwicklung zum einen von einem leicht wachsenden Vertragsbestand mit durchschnittlich 2,30 Millionen Policen je Anbieter (plus 1,7 Prozent), vor allem aber von spürbar höheren Durchschnittsprämien.
So erhöhte sich die durchschnittliche Prämie je Vertrag 2024 von 253,76 Euro auf 275,49 Euro, ein Anstieg um rund 8,6 Prozent innerhalb eines Jahres. Für viele Versicherte war diese Verteuerung deutlich spürbar; aus Sicht der Anbieter stellte sie jedoch eine notwendige Korrektur dar, um die über Jahre gewachsene Lücke zwischen Prämien und Schadenaufwendungen zu schließen.
Kostenentwicklung flacht erstmals ab
Parallel dazu entspannte sich erstmals seit Jahren die Kostenseite. Zwar erreichten die durchschnittlichen Schadenaufwendungen je Versicherer mit 518,56 Millionen Euro ein neues Rekordniveau, der Zuwachs fiel jedoch mit 2,6 Prozent deutlich geringer aus als im Vorjahr, als die Schäden noch um 16,9 Prozent gestiegen waren. In der Folge sank die durchschnittliche Schadenquote erstmals seit 2020 wieder spürbar – von 93,85 auf 88,7 Prozent. Auch die Betriebskostenquote konnte leicht reduziert werden, von 18,4 auf 17,9 Prozent.
Fortschritt – aber kein Befreiungsschlag
Trotz dieser Entlastung ist für Entwarnung noch zu früh. Zwar verbesserte sich die durchschnittliche Schaden-Kosten-Quote der Kfz-Versicherung 2024 deutlich – von 112,20 auf 106,6 Prozent. Das markiert einen spürbaren Fortschritt gegenüber dem Krisenjahr 2023, bleibt jedoch klar oberhalb der Schwelle, ab der das Geschäft als kostendeckend gilt. Eine Quote über einhundert Prozent bedeutet weiterhin, dass die Versicherer im Branchenschnitt mehr für Schäden und Verwaltung aufwenden, als sie über Prämien einnehmen. Die Kfz-Versicherung arbeitet damit auch 2024 insgesamt defizitär (Versicherungsbote berichtete).
Auffällig ist zugleich, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Branche stark auseinanderentwickelt. Nur elf der fünfzig größten Kfz-Versicherer konnten ihre Schaden-Kosten-Quote 2024 unter die Marke von einhundert Prozent senken und damit wieder ein auskömmliches Geschäft vorweisen. Im Vorjahr war dies keinem einzigen Anbieter gelungen. Während also ein kleiner Teil der Gesellschaften die Trendwende bereits vollzogen hat, bleibt die Mehrheit weiterhin in der Verlustzone.
Versicherungsbote stellt die Schaden-Kosten-Sieger der Kfz-Versicherung vor
Diese Spreizung markiert den Ausgangspunkt für die folgende Analyse: In den nächsten Kapiteln werden die kostendeckend arbeitenden Kfz-Versicherer anhand zentraler Kennzahlen vorgestellt und miteinander verglichen – darunter Schaden-Kosten-Quote, gebuchte Bruttoprämien, Marktanteile, versicherungstechnisches Ergebnis sowie die durchschnittliche Prämie je Vertrag. Auf dieser Basis lässt sich einordnen, unter welchen strukturellen Voraussetzungen Kostendeckung in der Kfz-Versicherung derzeit überhaupt möglich ist – und wo ihre Grenzen liegen.
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Kfz-Versicherung: Die Schaden-Kosten-Sieger 2024
Die Analyse zeigt, dass sich aus einer auskömmlichen Schaden-Kosten-Quote kein einheitliches Erfolgsmodell ableiten lässt. Vielmehr treten Anbieter sehr unterschiedlicher Größenordnungen, Preisniveaus und Geschäftsmodelle nebeneinander: von volumenstarken Marktführern über regional verankerte Anbieter bis hin zu Direkt- und Spezialversicherern. Zugleich wird deutlich, dass einzelne Gesellschaften Sonderfälle darstellen, bei denen methodische Besonderheiten – etwa ein weitgehender oder vollständiger Risikotransfer – die Vergleichbarkeit der Kennzahlen einschränken.
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Kostendeckung entsteht damit nicht zwangsläufig aus Marktgröße oder hoher Prämienpositionierung, sondern aus dem Zusammenspiel von Preisstrategie, Schadensteuerung, Kostenstruktur und Geschäftsmodell. Grundlage dieser Einordnung ist der Branchenmonitor Kraftfahrtversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH, der die zentralen Kennzahlen der fünfzig größten Kraftfahrtversicherer Deutschlands für den Zeitraum 2019 bis 2024 systematisch gegenüberstellt.
Elftbeste CR: Allianz Versicherungs-AG (99,26 Prozent)
Die Allianz Versicherungs-AG ist 2024 das erste von elf Unternehmen, das im Kfz-Geschäft wieder unter die technische Kostendeckungsgrenze zurückkehrt. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 99,26 Prozent liegt der Konzern knapp im auskömmlichen Bereich. Im Zeitraum 2019 bis 2024 überschritt die Gesellschaft diese Schwelle lediglich einmal: im Krisenjahr 2023, als die Quote auf 105,67 Prozent anstieg und damit – wie bei allen großen Anbietern – die Belastungen aus Schadeninflation und Kostenanstieg sichtbar wurden. Den besten Wert erzielte die Allianz im Jahr 2020 mit 89,47 Prozent, als pandemiebedingt geringere Fahrleistungen die Schadenaufwendungen deutlich dämpften. Der Sechsjahresschnitt von 99,89 Prozent unterstreicht die insgesamt stabile operative Steuerung – wenn auch mit geringer Marge.
Ergebnisstärke trotz Kfz-Krise
Mit einem versicherungstechnischen Ergebnis von 40,43 Millionen Euro (vor Veränderung der Schwankungsrückstellung) erzielt die Allianz Versicherungs-AG 2024 das zweitbeste Ergebnis der Branche. Entscheidend ist jedoch die Langfristperspektive: Zwischen 2019 und 2024 blieb das Kfz-Geschäft durchgehend profitabel – als einziger großer Anbieter ohne Verlustjahr in diesem Zeitraum. Der Durchschnitt von 89,34 Millionen Euro pro Jahr ist der höchste Ergebnisschnitt aller untersuchten Kfz-Versicherer. Damit erweist sich die Allianz nicht nur als Rückkehrer unter die Kostendeckungsgrenze, sondern als über Jahre ergebnisstärkster Anbieter im Markt, selbst unter den Belastungen der Kfz-Krise.
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Preisniveau als Stabilitätsfaktor
Ein wesentlicher Baustein dieser Stabilität ist das vergleichsweise hohe Preisniveau. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag stieg von 276,03 Euro im Jahr 2019 auf 326,06 Euro im Jahr 2024 – ein Plus von rund 18 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Allein gegenüber 2023 (295,25 Euro) entspricht dies einem Anstieg von etwa 10,4 Prozent. Damit zählt die Allianz zu den acht teuersten Anbietern im Markt, was die Belastungen der Schadenjahre nicht verhindert, aber erkennbar abfedert.
Marktstellung: größte Einzelgesellschaft, nicht größter Konzern
Mit 4,286 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien im Jahr 2024 (Marktanteil 12,60 Prozent) belegt die Allianz Versicherungs-AG Rang eins unter den Kfz-Versicherern, wenn die Unternehmen nach Rechtsform getrennt betrachtet werden. Gleichwohl ist sie nicht Marktführer auf Konzernebene. Addiert man die Kfz-Prämien der Allianz Versicherungs-AG und der Allianz Direct, erreicht die Allianz-Gruppe ein Volumen von rund 4,80 Milliarden Euro. Der HUK-Coburg-Konzern liegt mit zusammen 5,358 Milliarden Euro aus HUK-Coburg Allgemeine, HUK-Coburg VVaG und HUK24 weiterhin klar an der Spitze (Versicherungsbote berichtete).
Einordnung
Die Allianz Versicherungs-AG zeigt 2024, dass Kostendeckung im Kfz-Geschäft möglich ist, wenn Preisniveau, Volumen und Ergebnissteuerung zusammenwirken. Sie ist damit kein Ausreißer nach unten bei der Quote, sondern ein Beispiel für stabile Rückkehr unter die Kostendeckungsgrenze bei zugleich hoher Ergebnisresilienz.
Zehntbeste CR: ADAC Autoversicherung (99,20 Prozent)
Die ADAC Autoversicherung erreicht 2024 mit einer Schaden-Kosten-Quote von 99,20 Prozent Rang zehn im Branchenvergleich und gehört damit ebenfalls zu den elf von fünfzig Kfz-Versicherern, die im Berichtsjahr eine Quote unter einhundert Prozent ausweisen konnten. Ähnlich wie bei der Allianz überschritt auch die ADAC Autoversicherung im Zeitraum 2019 bis 2024 die Marke von einhundert Prozent nur einmal, im Krisenjahr 2023 mit 103,40 Prozent. Auffällig ist jedoch der zeitliche Unterschied im Verlauf: Während viele Anbieter – einschließlich der Allianz – ihre beste Quote im pandemiegeprägten Jahr 2020 erzielten, verzeichnete der ADAC den günstigsten Wert erst 2021 mit 84,55 Prozent. Der Sechsjahresschnitt von 95,65 Prozent fällt damit insgesamt günstiger aus als bei zahlreichen volumenstarken Wettbewerbern.
Solide Ergebnisse mit klarer Delle im Krisenjahr
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung belief sich 2024 auf 6,47 Millionen Euro. Im Betrachtungszeitraum 2019 bis 2024 verzeichnete die ADAC Autoversicherung nur ein einziges Verlustjahr, ebenfalls 2023, mit minus 24,14 Millionen Euro. Der durchschnittliche Jahresgewinn von 13,16 Millionen Euro liegt spürbar unter den Spitzenwerten der Allianz, zeigt jedoch eine insgesamt robuste Ergebnisstruktur, die nur im Ausnahmejahr der Kfz-Krise deutlich unter Druck geriet.
Preispositionierung im Marktdurchschnitt
Im Gegensatz zur Allianz setzt der ADAC nicht auf ein hohes Prämienniveau. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag stieg von 199,12 Euro im Jahr 2019 auf 272,89 Euro im Jahr 2024 – ein Zuwachs von rund 37 Prozent über fünf Jahre. Allein gegenüber 2023 (234,37 Euro) entspricht dies einem kräftigen Anstieg von rund 16,4 Prozent. Trotz dieser Anpassungen liegt die ADAC Autoversicherung mit Rang 25 bei den Durchschnittsprämien exakt im Marktmittelfeld und positioniert sich damit zwischen den günstigsten und den hochpreisigen Anbietern des Kfz-Marktes.
Marktstellung: mittlere Größe, hohe Markenbekanntheit
Mit gebuchten Bruttoprämien von 641 Millionen Euro im Jahr 2024 erreicht die ADAC Autoversicherung einen Marktanteil von 1,89 Prozent und belegt Rang fünfzehn bei getrennter Betrachtung der Kfz-Gesellschaften nach Rechtsform. Gemessen am Volumen gehört sie damit zum oberen Mittelfeld des Marktes. Ihre Bedeutung speist sich jedoch nicht allein aus der Größenordnung, sondern auch aus der außergewöhnlich hohen Markenbekanntheit im Umfeld des ADAC, die Vertrauen schafft und zur Bestandsstabilität beiträgt. Im Kontrast zur Allianz steht die ADAC Autoversicherung für einen ausgeglichenen Mittelweg: keine ausgeprägte Ergebnisführerschaft, aber eine über Jahre stabile Schaden-Kosten-Relation bei einer klar im mittleren Preissegment verorteten Prämienstruktur.
Neuntbeste CR: Fahrlehrerversicherung VaG (99,11 Prozent)
Die Fahrlehrerversicherung VaG nimmt im Kreis der Kfz-Sieger eine Sonderrolle ein. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit wurde sie 1952 vom Berufsstand der Fahrlehrer gegründet und ist bis heute konsequent auf einen klar abgegrenzten Kundenkreis fokussiert. Versichert werden ausschließlich Fahrlehrer sowie angrenzende Berufsgruppen wie Prüfingenieure, Kfz-Sachverständige, qualifizierte Berufskraftfahrer und deren Familienangehörige. Mit rund 71.000 Kunden und einem Beitragsvolumen von 67 Millionen Euro bleibt der Anbieter bewusst klein – und strukturell anders aufgestellt als die volumenstarken Marktteilnehmer.
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 99,11 Prozent erreicht die Fahrlehrerversicherung 2024 Rang neun. Im Zeitraum 2019 bis 2024 war eine Quote unter einhundert Prozent keineswegs selbstverständlich: In drei Jahren lag die CR darüber (2019: 103,35 Prozent, 2021: 100,56 Prozent, 2023: 112,20 Prozent). Der Sechsjahresschnitt von 99,52 Prozent ist damit nur knapp auskömmlich und zeigt eine höhere Volatilität als bei vielen größeren Anbietern.
Ergebnis: strukturell niedrig, zuletzt negativ
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung fällt 2024 mit minus 1,94 Millionen Euro negativ aus, trotz der guten Combined Ratio (branchenweit Rang zwölf). Auch im Mehrjahresvergleich bleibt das Bild verhalten: Zwischen 2019 und 2024 wurden drei Verlustjahre ausgewiesen; der Durchschnitt liegt bei minus 0,91 Millionen Euro. Anders als bei Allianz oder ADAC ist die Platzierung unter den CR-Siegern hier nicht mit Ergebnisstärke verbunden.
Preisniveau: sehr günstig – drittniedrigste Prämien
Die besondere Mitgliederstruktur spiegelt sich im Preisniveau wider. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag bewegte sich lange unter 190 Euro und stieg 2024 auf 200,89 Euro. Damit belegt die Fahrlehrerversicherung Rang 48 von 50 bei den Durchschnittsprämien – drittgünstigster Anbieter im Markt. Dieses niedrige Preisniveau passt zur selektiven Risikogruppe, begrenzt jedoch zugleich den Ergebnishebel.
Marktstellung: kleiner Kreis, klarer Auftrag
Mit 67 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, 0,20 Prozent Marktanteil und Rang 48 nach Rechtsform ist die Fahrlehrerversicherung der drittkleinste Anbieter im Markt. Das ist weniger Ausdruck von Schwäche als die konsequente Folge eines bewusst eingeschränkten Kundenkreises und eines Vereinsmodells ohne Aktionärsinteressen, das primär einem berufsständischen Absicherungsauftrag dient.
Achtbeste CR: VHV Allgemeine Versicherung (98,20 Prozent)
Die VHV Allgemeine Versicherung markiert innerhalb der Kfz-Sieger einen klaren Gegenpol zu den zuvor betrachteten Spezial- und Mittelanbietern: groß, volumenstark und mit entsprechend hoher Ergebnisvolatilität. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 98,20 Prozent erreicht die VHV 2024 Rang acht und gehört damit ebenfalls zu den elf Gesellschaften unter der Einhundert-Prozent-Marke. Im Zeitraum 2019 bis 2024 überschritt sie diese Schwelle nur im Krisenjahr 2023 mit 106,76 Prozent. Abseits dieses Ausreißers bewegten sich die Quoten zwischen 88,25 Prozent (2020) und 99,54 Prozent (2022). Der Sechsjahresschnitt von 95,62 Prozent fällt damit günstig aus – trotz der Belastungsspitze 2023.
Ergebnisentwicklung mit starken Ausschlägen
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung belief sich 2024 auf 15,80 Millionen Euro. Dieser Wert wirkt auf den ersten Blick moderat, entspricht jedoch dem fünftbesten Ergebnis der Branche – ein Hinweis darauf, wie tief viele Anbieter weiterhin in der Verlustzone arbeiten. Der Mehrjahresvergleich zeigt zugleich eine ausgeprägte Volatilität: Nach einem sehr starken Jahr 2021 mit 197,36 Millionen Euro folgten ein leicht negatives Ergebnis 2022 (minus 5,12 Millionen Euro) und ein massiver Verlust im Krisenjahr 2023 von minus 110,63 Millionen Euro. Trotz dieser Ausschläge bleibt der Durchschnitt über die Jahre 2019 bis 2024 mit 61,65 Millionen Euro klar positiv – und stellt den zweithöchsten Ergebnisschnitt im Markt hinter der Allianz dar. Die VHV gehört damit – über den Zyklus betrachtet – zu den ergebnisstärksten Kfz-Anbietern.
Preisstrategie mit sichtbarer Kurskorrektur
Auffällig ist die Entwicklung der Durchschnittsprämien. Zwischen 2019 (248,41 Euro) und 2022 (241,60 Euro) verbilligten sich die Tarife um rund 2,7 Prozent – ein Rückgang, der im Rückblick zur erhöhten Anfälligkeit im Krisenjahr 2023 beitrug. Erst danach setzte eine deutliche Gegenbewegung ein: 2023 stieg die Durchschnittsprämie auf 251,80 Euro (plus 4,2 Prozent), 2024 folgte ein nochmals kräftiger Sprung auf 280,63 Euro, was einem Anstieg von 11,4 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht. Insgesamt verteuerten sich die Prämien damit von 2022 bis 2024 um rund 16,2 Prozent. Mit Rang zweiundzwanzig bei den Durchschnittsprämien bewegt sich die VHV im mittleren Preissegment des Kfz-Marktes.
Marktstellung: drittgrößte Einzelgesellschaft
Mit 1,72 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien im Jahr 2024 erreicht die VHV einen Marktanteil von 5,05 Prozent und belegt Rang drei bei getrennter Betrachtung der Kfz-Gesellschaften nach Rechtsform. Sie ist damit die drittgrößte Kfz-Einzelgesellschaft im Markt. Diese Größenordnung verschafft Skalenvorteile, erhöht zugleich aber die Sensitivität gegenüber Schadeninflation und Tarifpolitik. Die VHV steht innerhalb der Kfz-Sieger für einen großen Anbieter, der merklich gegengesteuert hat. Allerdings zeigen die Werte für 2024 auch, dass die alte Stärke noch nicht zurückgewonnen werden konnte.
Siebtbeste CR: Cosmos (97,56 Prozent)
Die CosmosDirekt – als Direktversicherer Teil des Generali-Konzerns – zählt seit Jahren zu den konstantesten Anbietern im Kfz-Geschäft. Im gesamten Zeitraum von 2019 bis 2024 überschritt die Gesellschaft die Marke von einhundert Prozent nur ein einziges Mal: im branchenweiten Krisenjahr 2023 mit 101,13 Prozent. Selbst dieser Ausreißer relativiert sich im Marktvergleich, denn der Wert reichte noch für die zweitbeste Schaden-Kosten-Quote der gesamten Branche. Vor diesem Hintergrund fällt der Sechsjahresschnitt von 93,14 Prozent umso deutlicher aus und unterstreicht die dauerhaft kontrollierte Schaden- und Kostenentwicklung der Gesellschaft.
Das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil sich Direktversicherungsmodelle im Kfz-Geschäft keineswegs automatisch als kosteneffizient erweisen. So wies die HUK24 2024 eine Schaden-Kosten-Quote von 107,82 Prozent aus und damit den schwächsten Wert innerhalb des HUK-Konzernverbunds. Noch deutlicher zeigt sich der Kontrast bei der Allianz Direct, die in einzelnen Jahren zu den schwächsten Anbietern des gesamten Marktes zählte – etwa 2022 mit 131,83 Prozent. Der Direktversicherer der Generali scheint derartige Probleme nicht zu kennen.
Ergebnis: klein, aber stabil positiv
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung belief sich 2024 auf 3,52 Millionen Euro. Absolut betrachtet ist das kein großer Betrag, im Branchenvergleich jedoch das achtbeste Ergebnis. Auffällig ist die geringe Volatilität: Zwischen 2019 und 2024 rutschte die CosmosDirekt nur einmal in die Verlustzone (2023: minus 3,18 Millionen Euro). Der Mehrjahresdurchschnitt liegt mit 14,77 Millionen Euro klar im positiven Bereich – ein Indikator für nachhaltige Auskömmlichkeit trotz vergleichsweise moderatem Volumen.
Preisniveau: nicht billig, sondern marktmittig
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Preispositionierung. Zwar handelt es sich um einen klassischen Direktversicherer, doch die Prämien liegen keineswegs im unteren Extrem des Marktes. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag sank zwischen 2019 (234,50 Euro) und 2021 (227,21 Euro) zunächst um rund 3,1 Prozent, bevor ab 2022 eine schrittweise Korrektur einsetzte. Gegenüber 2023 (241,64 Euro) stieg die Durchschnittsprämie 2024 auf 257,06 Euro – ein Plus von 6,4 Prozent binnen eines Jahres. Damit rangiert die CosmosDirekt bei den Durchschnittsprämien auf Rang dreißig von fünfzig und bewegt sich näher am mittleren Preissegment als an der Billigschiene. Auch 2023 lag sie mit Rang achtundzwanzig bereits in dieser Zone.
Volumen: Direktversicherer im unteren Mittelfeld
Mit 263 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien erreicht die CosmosDirekt 2024 einen Marktanteil von 0,77 Prozent und belegt bei getrennter Betrachtung der Gesellschaften nach Rechtsform Rang siebenundzwanzig von fünfzig. Gemessen am Volumen ist sie damit kein Schwergewicht, wohl aber ein effizienter Direktanbieter, dessen wirtschaftliche Stärke weniger aus Größe als aus dauerhaft niedriger Schaden-Kosten-Relation und kontrollierter Preisgestaltung resultiert.
Sechstbeste CR: HUK-Coburg Allgemeine (97,73 Prozent)
Kaum ein Anbieter steht 2024 so deutlich für die Wirkung der Tarifkorrekturen wie die HUK-Coburg Allgemeine. Nach einem der schwersten Ergebniseinbrüche der jüngeren Branchengeschichte gelang der größten Kfz-Tochter des HUK-Konzerns die markanteste Kehrtwende im gesamten Markt. Im Krisenjahr 2023 hatte die Gesellschaft eine Schaden-Kosten-Quote von 112,93 Prozent ausgewiesen und einen versicherungstechnischen Verlust von minus 223,46 Millionen Euro verbucht – der höchste Fehlbetrag aller untersuchten Anbieter.
2024 dreht das Bild vollständig: Die Schaden-Kosten-Quote sinkt auf 97,73 Prozent und erreicht damit Rang sechs unter allen fünfzig Gesellschaften. Gleichzeitig erzielt die HUK-Coburg Allgemeine mit 90,93 Millionen Euro das beste versicherungstechnische Ergebnis der gesamten Branche. Damit gelingt ihr, was den anderen Konzerntöchtern noch verwehrt bleibt: Die HUK-Coburg VVaG kommt 2024 auf eine Quote von 102,42 Prozent, die HUK24 sogar auf 107,82 Prozent.
Mehrjahresbetrachtung: Belastung sichtbar, Basis tragfähig
Im Zeitraum von 2019 bis 2024 lag die Schaden-Kosten-Quote der HUK-Coburg Allgemeine zweimal oberhalb der Kostendeckungsgrenze: 2022 mit 102,46 Prozent und 2023 mit 112,93 Prozent. Der Sechsjahresschnitt beträgt dennoch 98,51 Prozent und bleibt damit knapp im auskömmlichen Bereich. Die Zahlen zeigen: Die massive Krise der Jahre 2022 und 2023 war kein struktureller Dauerzustand, sondern Ausdruck einer zeitweise nicht mehr tragfähigen Preis-Schaden-Relation.
Auch beim versicherungstechnischen Ergebnis spiegelt sich diese Volatilität wider. Nach Verlusten von minus 59,85 Millionen Euro im Jahr 2022 und minus 223,46 Millionen Euro im Jahr 2023 fällt die Rückkehr in die Gewinnzone 2024 umso deutlicher aus. Der Durchschnitt des versicherungstechnischen Ergebnisses 2019 bis 2024 liegt bei 31,25 Millionen Euro und bleibt damit positiv – trotz der extremen Ausschläge der beiden Krisenjahre.
Preisstrategie: Korrektur bei weiterhin niedriger Positionierung
Auffällig ist die Entwicklung der Durchschnittsprämien je Vertrag. Zwischen 2019 (198,26 Euro) und 2021 (184,83 Euro) senkte die HUK-Coburg Allgemeine ihre Tarife spürbar – eine Phase, die rückblickend zur erhöhten Anfälligkeit in den Folgejahren beitrug. Erst ab 2022 setzte eine vorsichtige Gegenbewegung ein.
2023 stieg die Durchschnittsprämie auf 197,99 Euro, 2024 folgte ein deutlicher Schritt auf 223,95 Euro. Das entspricht gegenüber 2023 einem Anstieg von rund 13 Prozent. Trotz dieser Korrektur bleibt die Gesellschaft preislich sehr niedrig positioniert: Rang zweiundvierzig von fünfzig macht sie zum neuntgünstigsten Anbieter im Markt – und zugleich zur teuersten Kfz-Gesellschaft innerhalb des HUK-Konzerns. Der Preisabstand zu Wettbewerbern wie der Allianz Versicherungs-AG bleibt damit erheblich.
Volumenstärke als Stabilitätsfaktor
Mit gebuchten Bruttoprämien von 2,509 Milliarden Euro im Jahr 2024 erreicht die HUK-Coburg Allgemeine einen Marktanteil von 7,38 Prozent und belegt Rang zwei bei getrennter Betrachtung der Kfz-Gesellschaften nach Rechtsform. Sie ist damit die zweitgrößte Kfz-Einzelgesellschaft im Markt.
Zu beachten ist jedoch die konzernweite Perspektive: Rechnet man die HUK-Coburg Allgemeine, die HUK-Coburg VVaG und die HUK24 zusammen, bleibt der HUK-Konzern der unangefochtene Marktführer im deutschen Kfz-Geschäft. Innerhalb dieses Verbunds ist die HUK-Coburg Allgemeine der zentrale Ergebnis- und Volumenträger – und 2024 zugleich der Beleg dafür, dass selbst ein stark preisgetriebenes Expansionsmodell unter veränderten Rahmenbedingungen wieder in die Gewinnzone zurückgeführt werden kann.
Fünftbeste CR: Dialog Versicherung (97,30 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 97,30 Prozent erreicht die Dialog Versicherung 2024 Rang fünf und verbessert sich gegenüber dem Vorjahr um fast dreizehn Prozentpunkte. Noch 2023 lag die Quote bei 110,25 Prozent, was die Gesellschaft lediglich auf Rang vierundzwanzig geführt hatte. Der Sprung in die Spitzengruppe markiert damit eine der deutlichsten Verbesserungen innerhalb des Marktes – allerdings ausgehend von einer strukturell anspruchsvollen Ausgangslage.
Denn im Zeitraum von 2019 bis 2024 überschritt die Dialog die Marke von einhundert Prozent gleich dreimal: 2019 mit 100,88 Prozent, 2022 mit 109,22 Prozent und 2023 mit 110,25 Prozent. Der Sechsjahresschnitt liegt mit 100,94 Prozent damit oberhalb der technischen Kostendeckungsgrenze, was bedeutet, dass die Beitragseinnahmen über den Gesamtzeitraum betrachtet nicht ausreichten, um Schaden- und Kostenaufwendungen vollständig zu decken. Vor diesem Hintergrund ist die deutlich verbesserte Quote des Jahres 2024 vor allem als Entlastung nach mehreren Belastungsjahren zu bewerten – nicht jedoch bereits als belastbarer Beleg für eine dauerhaft auskömmliche Ertragslage.
Ergebnis weiterhin unter Druck
Das zeigt sich auch beim versicherungstechnischen Ergebnis. Trotz der guten Schaden-Kosten-Quote weist die Dialog 2024 vor Veränderung der Schwankungsrückstellung einen Verlust von minus 3,28 Millionen Euro aus. Bereits im Vorjahr lag das Minus bei 12,65 Millionen Euro. Insgesamt verbuchte die Gesellschaft in vier der sechs betrachteten Jahre negative Ergebnisse. Der Durchschnitt von minus 3,98 Millionen Euro im Zeitraum 2019 bis 2024 unterstreicht, dass die Ergebnislage bislang nicht mit der verbesserten Quote Schritt hält.
Hohes Prämienniveau als Spiegel des Geschäftsmodells
Auffällig ist die Entwicklung der Durchschnittsprämien je Vertrag. Diese stiegen von 296,74 Euro im Jahr 2019 auf 416,05 Euro im Jahr 2024 – ein Zuwachs von rund vierzig Prozent innerhalb von fünf Jahren. Allein gegenüber 2023 entspricht das einem Plus von etwa fünfzehn Prozent. Damit ist die Dialog der zweitteuerste Kfz-Versicherer im Markt.
Diese Preispositionierung ist kein Zufall, sondern Ausdruck des Vertriebs- und Geschäftsmodells. Als klassischer Maklerversicherer erfolgt der Kfz-Abschluss bei der Dialog überwiegend über Vermittler. Das spricht für einen höheren Anteil an Spezial- und Individualrisiken sowie für stärker maßgeschneiderte Produkte, die sich deutlich vom standardisierten Massengeschäft zum Beispiel der Direktmodelle abgrenzen.
Klein, spezialisiert – und konzernintern kontrastierend
Mit gebuchten Bruttoprämien von 123 Millionen Euro, einem Marktanteil von 0,36 Prozent und Rang einundvierzig nach Rechtsform zählt die Dialog zu den kleinen Kfz-Anbietern im Branchenmonitor und ist zugleich die kleinste Kfz-Tochter des Generali-Konzerns.
Gerade im Konzernvergleich wird die Besonderheit deutlich: Während andere Generali-Gesellschaften – etwa im Direkt- oder Ausschließlichkeitsvertrieb – durch Volumen oder stabile Quoten auffallen, steht die Dialog für ein spezialisiertes, margenintensives, aber auch volatileres Maklergeschäft. Die starke Quote 2024 zeigt, dass Entlastung möglich ist. Ob daraus eine dauerhaft auskömmliche Entwicklung entsteht, hängt jedoch weniger von kurzfristigen Effekten als von der strukturellen Beherrschung dieses anspruchsvollen Segments ab.
Viertbeste CR: Helvetia Direktion für Deutschland (96,09 Prozent)
Nach der Dialog als zweitteuerstem Anbieter folgt mit der Helvetia Direktion für Deutschland der preislich noch weiter oben positionierte Sonderfall. Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 96,09 Prozent erreicht die Gesellschaft 2024 Rang vier und gehört damit ebenfalls zur kleinen Gruppe der Anbieter, die den Sprung unter die Kostendeckungsgrenze geschafft haben.
Der Blick auf den Mehrjahresverlauf relativiert diesen Befund jedoch deutlich. Im Zeitraum von 2019 bis 2024 lag die Helvetia gleich viermal über einhundert Prozent: 2019 mit 103,97 Prozent, 2021 mit 102,99 Prozent, 2022 mit 101,04 Prozent und im ausgeprägten Krisenjahr 2023 mit 108,34 Prozent. Dass der Sechsjahresschnitt dennoch knapp unter der Schwelle liegt (99,45 Prozent), ist maßgeblich dem pandemiegeprägten Ausnahmejahr 2020 geschuldet, als die Quote bei 84,26 Prozent lag. Die starke Quote von 2024 wirkt damit weniger als Ausdruck einer durchgängig stabilen Entwicklung, sondern eher als punktuelle Entlastung nach mehreren Belastungsjahren.
Ergebnis: Kleine Gewinne, hohe Volatilität
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung beläuft sich 2024 auf 1,25 Millionen Euro. Trotz der geringen absoluten Höhe reicht dieser Wert branchenweit noch für Rang neun. Der Mehrjahresvergleich zeigt jedoch eine ausgeprägte Ergebnisvolatilität: In drei der sechs betrachteten Jahre arbeitete die Helvetia mit Verlusten, zuletzt 2023 mit minus 11,21 Millionen Euro. Entsprechend fällt der Durchschnitt 2019 bis 2024 mit 0,62 Millionen Euro nur knapp positiv aus.
Preisstrategie im oberen Segment
Auffällig ist vor allem die konsequente Positionierung im obersten Preissegment des Marktes. Die durchschnittliche Prämie je Vertrag lag bereits 2019 bei 442,84 Euro und stieg bis 2023 auf 515,29 Euro an. 2024 folgte zwar eine leichte Korrektur auf 503,76 Euro, dennoch bleibt die Helvetia der teuerste Kfz-Anbieter im Markt – noch vor der Dialog. Die Kostendeckung wird hier somit nicht über Volumen oder besonders niedrige Schadenquoten erreicht, sondern über ein klar hochpreisiges Tarifniveau.
Kleine Marktgröße, klare Positionierung
Mit 210 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,62 Prozent und Rang zweiunddreißig von fünfzig nach Prämienvolumen gehört die Helvetia Direktion für Deutschland zum unteren Mittelfeld des Kfz-Marktes. Die Platzierung unter den Schaden-Kosten-Siegern des Jahres 2024 ist vor diesem Hintergrund weniger als Ausdruck nachhaltiger Marktstärke zu verstehen, sondern als preisgetragene Entlastung nach mehreren belasteten Jahren, die erst im aktuellen Berichtsjahr wieder zu einer Quote unter einhundert Prozent geführt hat.
Drittbeste CR: AXA (94,63 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 94,63 Prozent erreicht die AXA im Jahr 2024 Rang drei und gehört damit zu den überzeugendsten Kostendeckungsfällen im Kfz-Markt. Im gesamten Zeitraum von 2019 bis 2024 überschritt die Gesellschaft die Marke von einhundert Prozent nur ein einziges Mal: im branchenweiten Krisenjahr 2023 mit 108,48 Prozent. Abgesehen von diesem Ausreißer bewegten sich die Quoten in einer vergleichsweise engen Spanne zwischen 86,01 Prozent (2021) und 95,31 Prozent. Der Sechsjahresschnitt liegt bei 95,32 Prozent und fällt damit klar günstiger aus als bei vielen anderen volumenstarken Anbietern.
Ergebnis: starke Erholung nach massivem Krisenjahr
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung beläuft sich 2024 auf 10,39 Millionen Euro und erreicht damit Rang sechs im Branchenvergleich. Dieser Wert markiert eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als die AXA mit minus 125,95 Millionen Euro einen der höchsten Verluste der Branche verbuchte. Bemerkenswert ist dabei der längerfristige Kontext: Abgesehen vom Krisenjahr 2023 wies die Gesellschaft zwischen 2019 und 2024 durchgehend positive Ergebnisse aus. Entsprechend liegt der Durchschnitt über sechs Jahre bei 26,23 Millionen Euro.
Moderates Preisprofil
Die Entwicklung der Durchschnittsprämien je Vertrag folgt einem Muster, das sich bei mehreren Anbietern beobachten lässt. Zwischen 2019 (294,96 Euro) und 2022 (282,74 Euro) sanken die Prämien zunächst um rund 4,1 Prozent – eine Phase, die rückblickend zur erhöhten Anfälligkeit im Krisenjahr 2023 beitrug. Erst danach setzte die Gegenbewegung ein: 2023 stieg die Durchschnittsprämie auf 292,62 Euro (plus 3,5 Prozent), 2024 folgte ein weiterer Anstieg auf 310,07 Euro (plus 6,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Insgesamt liegt das Prämienniveau damit wieder rund 5,1 Prozent über dem Stand von 2019. Mit Rang dreizehn bei den Durchschnittsprämien positioniert sich die AXA im oberen Mittelfeld: Zwölf Anbieter sind teurer, siebenunddreißig günstiger. Das Preisniveau bleibt damit deutlich unterhalb hochpreisiger Spezialanbieter, ohne in das aggressive Niedrigpreissegment vorzustoßen.
Volumenstärke als Stabilitätsfaktor
Mit 1,327 Milliarden Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 3,90 Prozent und Rang sieben von fünfzig zählt die AXA bei getrennter Betrachtung der Gesellschaften nach Rechtsform zu den größeren Kfz-Versicherern des Marktes. Anders als bei kleineren Anbietern beruht die Platzierung unter den Schaden-Kosten-Siegern 2024 damit nicht auf einer Nischenstrategie, sondern auf der Kombination aus relevanter Marktgröße, moderatem Preisniveau und wieder verbesserter Schaden-Kosten-Relation.
Zweitbeste CR: Provinzial Nord Brandkasse (93,39 Prozent)
Mit einer Schaden-Kosten-Quote von 93,39 Prozent erreicht die Provinzial Nord Brandkasse 2024 Rang zwei im Branchenvergleich und damit die Silbermedaille. Im betrachteten Zeitraum von 2019 bis 2024 überschritt die kleinere Kfz-Tochter des Provinzial-Konzerns die Marke von einhundert Prozent jedoch zweimal: 2019 mit 106,85 Prozent sowie im Krisenjahr 2023 mit 101,01 Prozent. In beiden Jahren reichten die Beitragseinnahmen rechnerisch nicht aus, um Schaden- und Kostenaufwendungen vollständig zu decken.
Der Befund für 2023 ist dennoch gesondert einzuordnen: In einem Jahr, in dem alle großen Anbieter Schaden-Kosten-Quoten oberhalb von einhundert Prozent auswiesen, erzielte die Provinzial Nord Brandkasse den niedrigsten Wert der gesamten Branche. Die Unterdeckung fiel damit deutlich geringer aus als im Marktdurchschnitt. 2024 folgt anschließend die Rückkehr in den auskömmlichen Bereich – und erneut eine Platzierung auf dem Siegertreppchen, als Ausdruck einer grundsätzlich robusten Schaden- und Kostensteuerung.
Ergebnis: konstante Profitabilität ohne Ausschläge
Das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung beläuft sich 2024 auf 17,96 Millionen Euro und erreicht damit Rang vier im Branchenvergleich. Auffällig ist weniger die absolute Höhe als die Konstanz: Zwischen 2019 und 2024 erwirtschaftete die Provinzial Nord Brandkasse in jedem Jahr ein positives Ergebnis. Die Spanne reicht von 2,18 Millionen Euro im belasteten Jahr 2023 bis zu 27,00 Millionen Euro im pandemiegeprägten Jahr 2020. Der Durchschnitt über sechs Jahre liegt bei 12,23 Millionen Euro und unterstreicht die stabile Ertragslage auch bei wechselnden Rahmenbedingungen.
Preisprofil: dauerhaft niedrig, moderat korrigiert
Die Entwicklung der Durchschnittsprämien je Vertrag zeigt eine durchgängig niedrige Preispositionierung. Von 203,87 Euro im Jahr 2019 sanken die Prämien bis 2022 auf 191,35 Euro (minus 6,1 Prozent). Erst danach folgte eine vorsichtige Anpassung: 2023 auf 193,17 Euro (plus 1,0 Prozent), 2024 auf 204,51 Euro (plus 5,9 Prozent). Trotz dieser Erhöhung bleibt die Gesellschaft bei den Durchschnittsprämien auf Rang siebenundvierzig und ist damit der viertgünstigste Anbieter im Markt.
Einordnung: Effizienz trotz geringer Preise
Mit 209 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,62 Prozent und Rang dreiunddreißig von fünfzig nach Prämienvolumen gehört die Provinzial Nord Brandkasse zum unteren Mittelfeld der Branche. Ihre Platzierung auf dem zweiten Siegertreppchen 2024 ist damit besonders bemerkenswert: Kostendeckung und stabile Ergebnisse werden hier nicht über hohe Preise oder Volumen erzielt, sondern über eine konsequent kontrollierte Schaden- und Kostenentwicklung bei dauerhaft niedriger Prämienpositionierung. Begünstigend dürfte dabei auch die regionale Verankerung des Geschäftsmodells wirken, die tendenziell zu stabileren Beständen, geringerer Wechselintensität und besser steuerbaren Schadenverläufen beiträgt.
Beste CR: AXA Easy (84,61 Prozent)
Mit der AXA Easy steht eine weitere Konzerntochter der AXA an der Spitze des Rankings – und sichert sich 2024 sogar die Goldmedaille. Die Schaden-Kosten-Quote von 84,61 Prozent ist der beste Wert aller fünfzig untersuchten Anbieter. Wie bei mehreren Gesellschaften ist auch hier eine deutliche Korrektur gegenüber dem Vorjahr zu beobachten: 2023 lag die Quote noch bei 104,45 Prozent (damals immerhin die sechstbeste der Branche). Der Sechsjahresschnitt von 91,81 Prozent (2019 bis 2024) zeigt jedoch, dass niedrige Quoten bei der AXA Easy kein Ausnahmeereignis sind.
Sonderfall Ergebnis: vollständiger Risikotransfer
Auffällig – und methodisch zwingend zu erläutern – ist das versicherungstechnische Ergebnis der AXA Easy. Die Gesellschaft weist durchgängig null Euro aus – sowohl vor als auch nach Veränderung der Schwankungsrückstellung, und zwar über den gesamten Zeitraum 2019 bis 2024. Das ist kein Ausdruck fehlender Wirtschaftlichkeit, sondern die konsequente Folge des Geschäftsmodells: Die AXA Easy hat ihr Kfz-Risiko zu 100 Prozent rückversichert und trägt damit kein eigenes versicherungstechnisches Risiko.
Die wirtschaftlichen Effekte des Kfz-Geschäfts werden daher vollständig außerhalb des versicherungstechnischen Ergebnisses abgebildet, nämlich im Ergebnis aus passiver Rückversicherung. Für 2024 ergibt sich dort bei der AXA Easy ein Verlust von minus 10,04 Millionen Euro im Zweig Kraftfahrt. Dieser Betrag ist kein versicherungstechnisches Ergebnis, sondern ein separater Rückversicherungsposten und nicht Bestandteil der hier verglichenen Ergebniskennzahl.
Zum Vergleich: Auch die AXA Versicherung AG arbeitet im Kfz-Geschäft mit einem hohen Risikotransfer, allerdings nicht vollständig. Die Rückversicherungsquote liegt hier bei 61,25 Prozent – der dritthöchste Wert im gesamten Markt. Entsprechend weist die AXA Versicherung AG weiterhin versicherungstechnische Ergebnisse auf Gesellschaftsebene aus, während zusätzlich 2024 ein Ergebnis aus passiver Rückversicherung von minus 61,51 Millionen Euro anfällt.
Der Unterschied ist damit grundlegend: Während die AXA Versicherung AG Risiko teilweise auslagert, ist die AXA Easy ein reiner Durchleitungsversicherer. Die Schaden-Kosten-Quote von 84,61 Prozent misst bei der AXA Easy folglich ausschließlich die operative Effizienz vor Risikotransfer. Sie ist methodisch korrekt, aber nur eingeschränkt mit den Quoten risikotragender Kfz-Versicherer vergleichbar.
Schlagzeilen
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Rechtsschutz: Die Schaden-Kosten-Sieger 2024
Kleine Größe, klare Einordnung
Mit 68 Millionen Euro gebuchten Bruttoprämien, einem Marktanteil von 0,20 Prozent und Rang siebenundvierzig von fünfzig zählt die AXA Easy zu den kleinsten Kfz-Anbietern im Markt. Ihre Spitzenposition bei der Schaden-Kosten-Quote ist daher kein Beleg für Ertragsstärke auf Gesellschaftsebene, sondern das Ergebnis eines konsequenten Risikotransfers bei zugleich sehr effizienter operativer Steuerung. Als methodischer Sonderfall bleibt die AXA Easy damit zwar Teil der Bestenliste – ist jedoch nur eingeschränkt mit klassisch risikotragenden Kfz-Versicherern vergleichbar.
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Hintergrund
Die in diesem Artikel ausgewerteten Kennzahlen stammen aus dem Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH. Die Studie analysiert die fünfzig größten Kfz-Versicherer Deutschlands und deckt damit rund neunzig Prozent des gesamten Kfz-Prämienvolumens ab. Der vollständige Branchenmonitor ist – wie in jedem Jahr – kostenpflichtig über die Webseite der Leipziger Analysten erhältlich.
- Kfz-Versicherung: Die Schaden-Kosten-Sieger 2024
- Elftbeste CR: Allianz Versicherungs-AG (99,26 Prozent)
- Zehntbeste CR: ADAC Autoversicherung (99,20 Prozent)
- Neuntbeste CR: Fahrlehrerversicherung VaG (99,11 Prozent)
- Achtbeste CR: VHV Allgemeine Versicherung (98,20 Prozent)
- Siebtbeste CR: Cosmos (97,56 Prozent)
- Sechstbeste CR: HUK-Coburg Allgemeine (97,73 Prozent)
- Fünftbeste CR: Dialog Versicherung (97,30 Prozent)
- Viertbeste CR: Helvetia Direktion für Deutschland (96,09 Prozent)
- Drittbeste CR: AXA (94,63 Prozent)
- Zweitbeste CR: Provinzial Nord Brandkasse (93,39 Prozent)
- Beste CR: AXA Easy (84,61 Prozent)
