Seit es aufgrund anhaltend niedriger Zinsen immer schwieriger für Lebensversicherer wurde, Garantieverpflichtungen in der Handelsbilanz zu finanzieren, unterliegt die Produktlandschaft einem weitreichenden Wandel. Dies wird an der kapitalbildenden Lebensversicherungen (KLV) besonders anschaulich. Zwar liegt die kapitalbildende Lebensversicherung auch in 2020 – mit rund 19,8 Prozent – hartnäckig auf Rang zwei aller Produktkategorien, sobald man sich den branchenweiten Bestand an Verträgen anschaut. Diesen zweiten Branchenrang aber hält die kapitalbildende Lebensversicherung nur noch, weil sie einst der Liebling der Branche war – die hohe Zahl an Verträgen erklärt sich nur noch aus der Bedeutung in der Vergangenheit.

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KLV: Im Neugeschäft fast bedeutungslos

Ein Neugeschäft nämlich mit der KLV findet kaum noch statt – sie bringt es in 2020 auf den letzten Rang aller Produktkategorien mit mageren 6,5 Prozent. Branchensieger sind „Sonstige Lebensversicherungen“ mit den wichtigen fondsgebundenen Produkten – diese machen 29,0 Prozent des Neugeschäfts in 2020 aus (1.339.885 Verträge branchenweit neu). Dahinter folgen Kollektivversicherung (23,8 Prozent des Neugeschäfts), Rentenversicherung (21,4 Prozent) und Risiko-Lebensversicherung (19,3 Prozent). Auf dem letzten Platz rangiert die KLV also zudem mit weitem Rückstand.

KLV-Bestand schrumpft am schnellsten

Und „sonstige Lebensversicherungen“ werden der KLV bald den zweiten Rang in der Bestandsgröße ablaufen: Sie haben schon auf 19,7 Prozent Marktanteil aufgeholt. Während der branchenweite Bestand bei kapitalbildenden Lebensversicherungen in 2020 um hohe 1.145.459 Verträge abnahm, nahm der Bestand an „Sonstigen Lebensversicherungen“ um 527.361 Verträge zu – trotz Corona.

Lebensversicherer mit nennenswertem KLV-Neugeschäft

Solche Tendenzen werfen die Frage auf, welche Versicherer überhaupt noch auf kapitalbildende Lebensversicherungen im Neugeschäft setzen. Oder genauer: Wo findet überhaupt noch ein nennenswertes Neugeschäft mit kapitalbildenden Lebensversicherungen in absoluten Zahlen statt? Eine Antwort auf diese Frage liefert der aktuelle MAP-Report mit der Nummer 922.

So sind es nur noch acht Versicherer, die mehr als 10.000 Versicherungsscheine der kapitalbildenden Versicherung in 2020 an die Frau oder den Mann brachten (von 58 Versicherern, die in der KLV überhaupt noch Neugeschäft betreiben):

  • Targo: 50.570 eingelöste Versicherungsscheine (14,11 Prozent des Neugeschäfts der Targo)
  • Ergo Vorsorge: 46.183 eingelöste Versicherungsscheine (33,92 Prozent des Neugeschäfts)
  • Allianz: 31.012 eingelöste Versicherungsscheine (4,59 Prozent des Neugeschäfts)
  • Ideal: 15.234 eingelöste Versicherungsscheine (immerhin 58,14 Prozent des Neugeschäfts der Ideal)
  • Hannoversche: 14.307 eingelöste Versicherungsscheine (17,82 Prozent des Neugeschäfts)
  • R+V: 13.856 eingelöste Versicherungsscheine (5,30 Prozent des Neugeschäfts)
  • Generali: 10.267 eingelöste Versicherungsscheine (3,27 Prozent des Neugeschäfts)
  • Provinzial Nordwest: 10.046 eingelöste Versicherungsscheine (8,95 Prozent des Neugeschäfts)

Hinzu kommen Versicherer, bei denen zwar die absoluten Zahlen eingelöster Versicherungsscheine in 2020 gering wirken, aber der prozentuale Anteil der KLV am Neugeschäft noch bedeutend ist. Das wären folgende Unternehmen:

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  • Direkte Leben: 82,38 Prozent Anteil KLV am Neugeschäft (allerdings nur 2.034 eingelöste Versicherungsscheine)
  • Itzehoer: 32,56 Prozent Anteil KLV am Neugeschäft (jedoch nur 1.152 eingelöste Scheine)
  • LV 1871: 25,37 Prozent Anteil am Neugeschäft (mit 8.588 eingelösten Scheinen)
  • HanseMerkur: 24,47 Prozent am Neugeschäft (mit 4.322 eingelösten Scheinen)
  • Mecklenburgische: 20,69 Prozent am Neugeschäft (mit 1.838 eingelösten Scheinen).

Weitere Kennzahlen zur Lebensversicherung haben wir zudem unter einer neuen Rubrik zusammengefasst.

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