Eines der schmerzlichsten Schicksale, das Kinder erleiden können, ist der Verlust eines Elternteils oder beider Elternteile. In der Statistik der Deutschen Rentenversicherung verbirgt sich dieses Leid hinter Zahlen zu „Renten wegen Todes“ – Rentenleistungen, die an Hinterbliebene gezahlt werden. 52.365 Betroffene bezogen in 2020 erstmals eine Rente als Waise. Versicherungsbote hat sich aktuelle Zahlen zur Waisenrente angesehen.

Waisenrente kann bis zum 27. Lebensjahr bezogen werden

Anrecht auf Waisenrente haben leibliche oder adoptierte Kinder nach Tod eines leiblichen Elternteils oder beider Elternteile. Anrecht haben aber auch Stiefkinder und Pflegekinder, sobald sie im Haushalt des Verstorbenen lebten, ebenso Enkel und Geschwister, wenn sie im Haushalt des Verstorbenen lebten. Bedingungen dieses Anspruchs definiert Paragraf 48 des Sechsten Sozialgesetzbuchs (SGB VI).

Auch gibt Paragraf 50 SGB VI vor: Die Erfüllung der allgemeinen Mindestversicherungszeit von fünf Jahren in der DRV durch den Verstorbenen ist Voraussetzung, dass Kinder eine Waisenrente erhalten. In der Regel endet die Waisenrente mit dem 18. Geburtstag. Wenn erwachsene Kinder jedoch ein Studium, eine Schul- oder Berufsausbildung oder einen Freiwilligendienst ausüben, kann Waisenrente auch bis zum 27. Lebensjahr gezahlt werden (Versicherungsbote berichtete). Unterschieden wird zwischen der Halbwaisenrente und der Vollwaisenrente.

Unterscheidung zwischen Halb- und Vollwaisenrente: Die Unterhaltspflicht „dem Grunde nach“

Die Halbwaisenrente beträgt zehn Prozent der Versichertenrente, auf die der Verstorbene Anspruch gehabt hätte. Diese Rente erhalten Kinder, die „noch einen Elternteil haben, der unbeschadet der wirtschaftlichen Verhältnisse unterhaltspflichtig ist“, wie Paragraf 48 Absatz 1 SGB VI vorgibt.

Die Webseite der Deutschen Rentenversicherung führt hierzu aus: Für den Paragrafen 48 SGB VI kommt es einzig auf die Unterhaltspflicht "dem Grunde nach" an. Ob der Elternteil unterhaltsfähig und das Kind unterhaltsberechtigt ist (und somit tatsächlich ein Unterhaltsanspruch besteht), wäre hingegen unerheblich. So würde selbst dann nur Anspruch auf Halbwaisenrente bestehen, wenn eine verstorbene Stiefmutter den Unterhalt des Kindes bestritten hatte, jedoch ein leiblicher Elternteil noch lebt – das gilt sogar dann, wenn dieser Elternteil nicht unterhaltsfähig ist oder dem Kind gegenüber nicht mehr zu Unterhaltszahlungen verpflichtet ist.

Voraussetzungen zur Unterhaltspflicht der Elternteile führen auch in einem weiteren Punkt zu einer komplizierten Rechtslage. Denn zwar können auch Stiefkinder und Pflegekinder, Enkel und Geschwister Waisenrente erhalten, wenn sie im Haushalt der Verstorbenen lebten. Weder Stiefeltern noch Großeltern noch Geschwister gelten aber als unterhaltspflichtiges "Elternteil" im Sinne des maßgebenden Paragraphen, wie der Kommentar der Deutschen Rentenversicherung ebenfalls ausführt. Demnach erhält ein Kind, statt einer Halbwaisenrente, eine Vollwaisenrente, wenn es zwar bei einer es unterhaltenden Stiefmutter lebt, jedoch beide Elternteile verstorben sind.

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