Die Riester-Rente feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Doch Feierlaune will sich nicht so recht einstellen. Die eigentlich im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform steht noch aus. Der CDU-Abgeordnete Dr. Carsten Brodesser wirft Finanzminister Olaf Scholz deshalb Untätigkeit zulasten der Riester-Sparer vor (Versicherungsbote berichtete).

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Dabei gab es allerlei Reformvorschläge und sogar einen ‚Brandbrief‘ der Verbände, als sich immer mehr Anbieter von der Riester-Rente abwandten.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verwies bei seinen Beiträgen zum Riester-Renten-Geburtstag auf eben diese Reformvorschläge. Mit dabei auch ein beinahe unscheinbarer Satz: „Im Zuge einer Reform lässt sich auch über ein einfaches, digital vertriebenes und kostengünstiges Standardprodukt reden. Die Rahmenbedingungen müssen so ein Produkt aber auch ermöglichen“, wird GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen zitiert.

Doch es ist genau dieser Satz, der bei einem anderen mächtigen Verband der Branche für Verstimmung sorgt. „Dass der GDV dabei die wichtige Beratungsleistung der Vermittler zur Disposition stellt, ist ein inakzeptabler Dammbruch“, empört sich BVK-Präsident Michael Heinz. „Damit führt der GDV öffentlich seine selbst postulierte Nachhaltigkeitsstrategie, in der es ohne Aufklärung kein Bewusstsein für das Risiko gibt, ad absurdum.“

Weiter führt der BVK aus, dass es Versicherungsvermittler waren und sind, die den sozialpolitischen Auftrag der Absicherung fürs Alter von Millionen von Menschen ernst nehmen, sie sensibilisieren und ihnen die dafür vorgesehenen Produkte vermitteln.

Ein digitales Standardprodukt könne hingegen „die individuelle Kundenlage nur sehr grob und schemenhaft erfassen“, so Heinz weiter. Der Verbandspräsident erinnert auch an die BVK-Kampagne ‚Kein Vertrieb ohne Beratung!‘, die zur nationalen IDD-Umsetzung gestartet wurde. „Schon damals konnte sich der GDV mit seiner verbraucherfeindlichen Forderung nach einem Online-Vertrieb ohne Beratung nicht durchsetzen.“

Der BVK hat auch eigene Vorschläge zur Weiterentwicklung der Riester-Rente. So soll die 100-prozentige Beitragsgarantie zugunsten höherer Renditechancen gelockert und das Zulagenverfahren vereinfacht werden. Zudem sollte die Deckelung der steuerlichen Anerkennung der Höchstfördergrenze angehoben und die Riester-Rente für weitere Berufsgruppen, wie z.B. Selbstständige geöffnet werden. Eine so weiterentwickelte Riester-Rente würde mit insgesamt 34 Millionen möglichen Verträgen noch viel Potenzial bieten, so der Verband.

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Den Forderungen von Verbraucherschutzorganisationen, die Riester-Rente einzustampfen, erteilte Heinz eine klare Absage. Das würde die Bestandskunden zu den Leidtragenden machen, so der BVK-Präsident.