Grundsätzlich ist eine Patientenverfügung dafür ausgelegt, wenn sich ein Patient am Lebensende im sogenannten unmittelbaren und unumkehrbaren Sterbeprozess befindet und seinen eigenen Willen selbst nicht mehr bilden kann, im Vorhinein Festlegungen zur eigenen medizinischen Behandlung zu treffen.

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Diesen Willen umzusetzen und zu organisieren, ist dann Aufgabe der Bevollmächtigten im Rahmen einer Vorsorgevollmacht - gemeinsam mit den Ärzten und Pflegepersonal. Wer keine Vorsorgevollmacht hat, bekommt im Falle einer dauernden oder vorübergehenden Geschäftsunfähigkeit einen Betreuer gestellt. Auch dieser kann die Festlegungen in der Patientenverfügung durchsetzen.

In einer wirksamen Patientenverfügung müssen unter anderem die Situationen benannt werden, für die diese gelten soll. Dies kann zum Beispiel eine nicht behandelbare tödlich verlaufende Krankheit sein.

Keine Erfahrungen zu COVID-19-Erkrankungen

Hinsichtlich der Erkrankung an COVID-19 liegen noch keinerlei Erfahrungswerte aus der Praxis vor, ob der in den bisherigen Patientenverfügungen zum Ausdruck gebrachte Willen ausreichend ist oder nicht.

Wenn ein Patient an Covid-19 erkrankt, muss er unter Umständen bei einem schweren Verlauf beatmet werden. Durch die künstliche Beatmung können viele Patienten geheilt werden. Viele Menschen haben in ihrer Patientenverfügung aber angeben, dass sie intensivmedizinische Maßnahmen wie etwa die künstliche Beatmung ablehnen.

Folgende Problematik kann sich nun ergeben

Eine COVID 19-Erkrankung ist grundsätzlich erstmal keine unheilbar tödlich verlaufende Krankheit und damit nicht durch eine in Patientenverfügungen genannte Situation erfasst. Weil die Erkrankung in den meisten Situationen heilbar ist, möchten natürlich auch die meisten Menschen eine vollumfängliche Intensivbehandlung erhalten.

Nun kann man anhand dieser beiden Gesichtspunkte wie die Stiftung Warentest argumentieren, es muss wegen des Coronavirus nichts an der Verfügung geändert werden. Es stellt sich allerdings die Frage nach der Wirksamkeit bzw. Auslegung bestehender Dokumente. Viele Menschen besitzen inzwischen eine Patientenverfügung. Vermutlich ist in keiner der vor März 2020 erstellten Patientenverfügungen die COVID-19-Pandemie inklusive speziell darauf abgestellter Behandlungswünsche thematisiert.

Für die Abwägung, welcher intensivpflichtige Patient beispielsweise die in vielen Fällen lebenserhaltende Beatmung erhält, spielt auch die eventuell vorliegende Patientenverfügung eine Rolle. Wird darin eine intensivmedizinische Therapie abgelehnt, kann dies in dramatischen Ausnahmesituationen zum Versagen der Behandlung führen.

Einwilligung des Patienten gefragt

Am 25.03.2020 wurde von sieben deutschen medizinischen Fachgesellschaften die „Entscheidung über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie“ herausgegeben, welche der Entscheidungsfindung bei nicht ausreichenden Intensiv-Ressourcen dient. 


Ziel ist es, damit den behandelnden Ärzten Hilfestellung für diese schwerwiegenden, dramatischen Entscheidungen an die Hand zu geben und diese zu entlasten. Ein entscheidender Fakt bei der Zuteilung entsprechender intensivmedizinischer Ressourcen ist die Klärung des Patientenwillens. Eine intensivmedizinische Behandlung darf nur erfolgen, wenn der Patient in diese Therapie unter Berücksichtigung der Prognose einwilligt bzw. dies getan hätte oder in einer Patientenverfügung vorausverfügt hat.

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Der Ansatz ist, in deutschen Krankenhäusern die Intensivbetten und Beatmungsplätze nach der Wahrscheinlichkeit zu belegen, ob der Patient die Intensivbehandlung überleben wird. Das tritt spätestens in dem Moment in Kraft, wenn die Ressourcen für intensivmedizinische Behandlungen auch nach strenger Indikationsstellung nicht mehr für alle Patienten ausreichen. Eine entscheidende Rolle spielt, dass für eine intensivmedizinische Therapie inklusive der damit verbundenen Szenarien und Behandlungsmaßnahmen in Folge einer COVID-19 Erkrankung eine ausdrückliche Einwilligung des Patienten vorliegt.

  • Muss die Patientenverfügung aufgrund der aktuellen Corona-Situation angepasst werden
  • Unser Tipp