Vielleicht klingt das jetzt etwas naiv von mir. Aber welches wirklich große Risiko habe ich als Versicherungsmakler, der keine Waren produziert und in teuren Lagern vorhalten muss? Ich habe ein "Laptopbusiness". Von daher ist mein Einsatz an finanziellen Mitteln sehr gering. Und ich muss nicht in Vorkasse gehen, um teure Maschinen oder ähnliches zu kaufen.

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Bei der weiteren Risikoabschätzung frage ich mich immer: "Was kann im schlimmsten Fall passieren?" Haftungstechnisch liefere ich saubere Arbeit. Und Kunden gibt es für jeden genug. Die Gesundheit ist das Wichtigste - und dafür gibt´s Versicherungen. Auf zu viel Bürokratie und sinnlose Rückfragen, weil z.B. meine E-Mails nur halb gelesen werden oder im Passierschein A38 der Vor- und Nachname vertauscht wurde, könnte ich verzichten. Das ist zwar zentral, aber wahrscheinlich nicht berufsspezifisch genug.

Hat die Versicherungsbranche allgemein ein Problem, eine junge Zielgruppe anzusprechen? Ein MC Fitti rappt für die LVM, Sijox schickt junge BMX-Profis mit Rastas und Tattoos ins Rennen. Warum gelten Versicherungen trotzdem noch als uncool und für viele junge Menschen uninteressant, wie auch Umfragen immer wieder zeigen?

Solange der vorhin angesprochene sozialpolitische Zweck einer Versicherung nicht in den Köpfen der Menschen lanciert werden kann, sind Versicherungen so uncool wie Wurzelbehandlungen oder Steuererklärungen. Da helfen leider auch kein MC Fitti (Super Lied übrigens und ein super Style mit Kappe und Vollbart!) oder BMX-Profis. Das Problem ist, glaube ich, dass man es einer Versicherung einfach nicht abnimmt, dass sie jung, fresh und lit ist. Und dann wirken die Werbebotschaften auch nicht authentisch.

Ich würde mir jedoch wünschen, wenn künftig Studenten oder Auszubildende mit Ihren Freunden darüber sprechen würden, dass sie jetzt endlich auch eine super Berufsunfähigkeitsversicherung haben und bereits angefangen haben, für ihr Alter vorzusorgen. Einfach nur, weil es cool, wichtig und sogar notwendig ist. Ob wir das jedoch noch erleben werden? Sehr fragwürdig.

In Deinem Podcast verwendest Du spielerische Momente, unter anderem ein Quiz-Battle. Man spricht in diesem Zusammenhang von „Gamefication“: Der Rezipient wird zum Mitmachen animiert, seine Aufmerksamkeit erregt, es macht Spaß. Müssten solche Momente in der Versicherungsbranche nicht häufiger genutzt werden? Und wenn ja: Warum passiert das nicht?

Bei unseren "Quiz-Battles" im Podcast hatten wir uns überlegt, wie wir einen Weg finden können, um Fachbegriffe auf eine etwas andere Art zu erklären. Wenn wir nur die Begriffsdefinition von zum Beispiel abstrakter Verweisung oder Forderungsausfalldeckung herunterbeten, würde das mit Sicherheit niemanden interessieren.

Durch die Quiz-Situation können die Hörer - wie Du schon richtig sagtest - selbst mitmachen und freuen sich vielleicht, wenn wir auch einmal über die Antwort nachdenken müssen und dann vom anderen aufs Korn genommen werden. Ein bisschen so wie bei "Wer wird Millionär". Die Wissensvermittlung passiert eher nebenbei, weil der Fokus darauf liegt, wer von uns die zufällig ausgewählten Fragen besser beantworten kann.

Und warum es kaum "Gamification" oder "Infotainment" in der Versicherungsbranche gibt? Darauf habe ich keine konkrete Antwort. Wahrscheinlich, weil es einfach nicht seriös genug ist.

Gibt es ein Produkt, das die Versicherungsbranche noch nicht bereithält und aus Deiner Sicht eingeführt werden müsste? Mehrere Versicherer berichten uns, dass sie in der Produktentwicklung auf Ideen von Maklern zurückgreifen: Vielleicht hilft es ja ;-).

Versicherungen zahlen immer dann eine Leistung, nachdem etwas passiert ist. Sie begleichen den Schaden am Auto nach einem Unfall. Sie erstatten die Arztrechnung nach der Behandlung. Sie leisten eine Rente nach Feststellung einer Depression, die zur Berufsunfähigkeit führte. Warum gibt es keine Versicherung, die bereits präventiv Maßnahmen unternimmt, damit es erst gar nicht zu den Schäden kommt?

Wenn man sich die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit ansieht, stehen psychische Leiden inzwischen auf dem ersten Platz. Ich könnte mir zum Beispiel eine BU-Versicherung vorstellen, die 1x pro Jahr ein kostenloses Gespräch mit einem Psychologen anbietet. Dadurch könnten vielleicht einige potentielle BU-Fälle im Vorfeld erkannt, dem Kunden könnte damit auch frühzeitig geholfen und somit Geld gespart werden. Es gibt Länder, da gehört es fast schon zum guten Ton, wenn man zu einem Coach, Lebensberater oder Psychotherapeuten geht - auch, wenn man keine ICD10-F-Diagnose hat.

Die Fragen stellte Mirko Wenig

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