Für die einen ist es ein mutiger Schritt, für die anderen die Aus für eine Marke mit Identifikationspotential: Die Generali macht ihrer Tochter AachenMünchener den Garaus und will sie als Marke einstampfen. Ein wichtiger Schritt wurde nun am Donnerstag vollzogen. Wie die Generali Deutschland mitteilt, ist die AachenMünchener Versicherung AG Geschichte. Sie wurde mit der bisherigen Generali Versicherung AG verschmolzen.

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One Company-Ansatz

Der nun entstandene Versicherer soll fortan unter dem Namen Generali Deutschland Versicherung AG um neue Kundinnen und Kunden werben. Die Umbenennung ist ein wichtiger Baustein im „One Company“-Modell, das Philippe Donnet, Chef des italienischen Mutterkonzerns, und Deutschland-Chef Giovanni Liverani gemeinsam verfolgen.

Der Hintergrund: Die Generali Gruppe ist aktuell in über 60 Ländern aktiv und expandiert in aufstrebenden Zielmärkten wie den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Statt auf regionale Marken zu setzen, will Donnet „Generali“ zu einer europäischen, wenn nicht gar weltweiten Marke aufbauen.

„Wir können nicht in zu viele Marken investieren. Mit dem Namen Generali haben wir definitiv mehr Chancen als europäische Marke. Wie im Fall Aachen Münchener investieren wir in Europa in keine lokalen Marken mehr, wir sind schließlich in einem europäischen Binnenmarkt“, begründete der französische Manager Donnet vor zwei Jahren das Aus für die AachenMünchener. Unumstritten ist die Strategie nicht. Laut Umfragen ist vielen Deutschen der Name des nun eingestampften Versicherers geläufiger als das Branding „Generali“.

Zugleich wechseln die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der getilgten Anbieter in die Arbeitgebergesellschaft Generali Deutschland AG, wie der Versicherer weiter berichtet. Die Produkte der neuen Gesellschaft werden nun ausschließlich durch den "exklusiven Vertriebspartner" Deutsche Vermögensberatung (DVAG) vermittelt. Das Maklergeschäft wird an die Dialog Versicherung AG übergeben: Ungebundene Vermittler dürfen künftig keine Generali-Verträge mehr in den Schaukasten nehmen.

Ganz abgeschlossen ist damit das Aus für die AachenMünchener noch nicht, gibt es doch noch ihre Leben-Schwester. Nachdem das Sach-Geschäft neu organisiert wurde, sollen nun aber die verbliebenen Sparten folgen. Auch hier wird fleißig umgetauft: Die AachenMünchener Lebensversicherung AG wird zur Generali Deutschland Lebensversicherung AG. Aus der Central Krankenversicherung wird die Generali Deutschland Krankenversicherung AG. Im aktuellen Umbenennungs-Prozedere kann man schnell den Überblick verlieren.

Eine traditionsreiche Marke verschwindet

Was die Generali nun mit dem alten Namen aufgibt, ist eine bestens etablierte Marke auf dem deutschen Markt. Die AachenMünchener ist den Bürgern unter anderem durch witzige Werbespots mit Mario Adorf („Mit Geld spielt man nicht!“) ein Begriff. Gerade für die Region Aachen bedeutet sie auch ein Stück Identifikation, wie die TAZ in einem Kommentar anmerkt.

Die Ursprünge der AachenMünchener gehen bis ins Jahr 1825 zurück, wenn auch damals unter dem Namen „Aachener Feuerversicherung“. Bereits 1834 wurde die Gesellschaft in Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft umbenannt. Trotz mehrerer kleiner Namenswechsel und großer Neuanfänge - speziell nach dem 2. Weltkrieg stand man kurz vor dem Aus - blieben die beiden Städtenamen seitdem Markenkern.

Die regionale Verankerung hatte der Versicherer zeitig aufgegeben. Schon um 1900 besaß die AachenMünchener nach eigenen Angaben 56 Vertretungen im Ausland, davon 25 in Asien. Vom Erdbeben in San Francisco 1906, als 3.000 Menschen ihr Leben verloren und fast die ganze Stadt niederbrannte, war der Versicherer stark betroffen: Er hatte sich zeitig auch auf dem amerikanischen Markt positioniert.

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Nach dem 2. Weltkrieg konnte die AachenMünchener - wie andere Versicherer auch - vom Wirtschaftswunder und dem neuen Wohlstand profitieren. Die heutige Bekanntheit aber erreichte er ausgehend von den 70er Jahren. Die Gesellschaft expandierte, kaufte unter anderem die Mehrheitsanteile an der „Badenia Bausparkasse“ sowie die „Central Krankenversicherung“ . 1975 begann schließlich die Zusammenarbeit mit der von Reinfried Pohl frisch gegründeten Vermögensberatung beziehungsweise deren damaligen Vorläufern. Das ließ die Rheinländer weiter wachsen. Der Generali Gruppe erwarb die AachenerMünchener schließlich im Jahr 1998.