Philippe Donnet, Vorstandschef des italienischen Versicherers Generali, hat den Verkauf von vier Millionen hochverzinsten Lebensversicherungen an den Run-off- Versicherer Viridium verteidigt. "Für den Kunden ist das die beste Lösung, und für uns auch. Wir würden unsere wertvolle Marke niemals dadurch zerstörten, indem wir einen Abwickler an unsere Kunden heranlassen, der sie schlecht behandelt", sagte Donnet im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Montag).

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Eine interne Abwicklung führe immer zu steigenden Kosten, wenn die Kundenzahl abnehme, begründete Donnet, weshalb ein Verkauf die beste Option gewesen sei. Dem entgegen könne ein auf Abwicklung spezialisierter Service-Dienstleister die Policen kostengünstiger verwalten, je mehr Verträge er ansammele.

Phase der Konsolidierung beendet

Auch habe die Generali ihre Phase der Konsolidierung, zu der neben dem Verkauf der deutschen Leben-Sparte auch ein bei Maklern umstrittener Umbau des Maklergeschäftes zählt, beendet, so berichtet Donnet. Unter anderem hatte sich der Versicherer von mehreren Tochterfirmen getrennt. Neue Zukäufe sollen nun ein stärkeres Engagement in der Vermögensverwaltung sichern.

Der Hintergrund: Die Generali-Gruppe krempelt seit 2016 ihr Geschäft radikal um. So wurden nicht nur große Teile der deutschen Leben-Sparte, sondern auch Gewerbehaftpflicht-Bestände in Großbritannien und den USA an Run-off-Spezialisten verkauft. In Irland gab der Versicherer seine Beteiligung an der Generali PanEurope an die Life Company Consolidation Group (LCCG) ab, einem britischen Lebensversicherer.

Zudem stampft die Generali in Deutschland die Traditionsmarke AachenMünchener ein. Ebenso wurde das deutsche Maklergeschäft komplett umgebaut: Wenn Versicherungsmakler Generali-Produkte vertreiben wollen, dürfen sie ab 2019 nur noch Produkte der Marke "Dialog" verkaufen. Produkte der Marke "Generali" hingegen stehen nur jenen Ausschließlichkeitsvertretern offen, die bisher exklusiv für den Konzern tätig waren und nun zur Deutschen Vermögensberatung (DVAG) wechseln mussten.

Verkauf der Leben-Sparte an Viridium verteidigt

Verkäufe alter Verträge an einen Dienstleister, der sich auf Run-offs spezialisiert, sind auch in der Branche umstritten. Zum Beispiel belegte eine Umfrage von Amundi Deutschland unter 100 Entscheidern: die Hälfte der Befragten fürchtet einen Image-Schaden, wenn Run-off-Bestände an externe Dienstleister abgegeben werden (der Versicherungsbote berichtete). Donnet aber verteidigte gegenüber der Süddeutschen den Verkauf der Leben-Policen an den Run-off-Versicherer Viridium als günstigere Variante für den Kunden: "Die Kosten gehen nach unten, je mehr Bestände auf der Plattform sind, beim internen Run-off gehen die Kosten beim Abschmelzen der Kundenzahlen über die Zeit nach oben."

Donnet bezieht sich auf den Verkauf von rund vier Millionen hochverzinsten Lebensversicherungen an den externen Run-off-Dienstleister Viridium. Erst vor Kurzem sah sich auch Heinz Peter Roß, Chef von Viridium, gegenüber der FAZ zur Erklärung des eigenen Geschäftsmodells gezwungen: Das Geschäftsmodell beruhe darauf, dass erworbene Altverträge auf eine neue Plattform überführt würden, die auf moderner Standardsoftware basiere. „Darauf packen wir so viele Policen wie möglich und können dadurch die Kosten drastisch reduzieren”, sagte Roß gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 22. Juli diesen Jahres.

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Verbraucherverbände wie der Bund der Versicherten (BdV) fürchten hingegen, dass bei solchen Transaktionen den Sparern Teile der Überschussbeteiligung nicht mitgegeben werden, die dem Kunden eigentlich zustehen würden. Das erlaube die Intransparenz der Überschuss-Berechnungen, die für Laien kaum nachvollziehbar sei. Auch müssten die Kunden deutliche Verschlechterungen beim Service fürchten.