Daniel-Christoph Schmidt, Betriebsratschef der Generali, hat in einem Interview die Umstrukturierungen der Konzernspitze kritisiert. „Die Stimmung ist derzeit nicht gut. Im gesamten Konzern herrscht viel Unruhe, welche leider in solchen Umbruchphasen üblich ist“, sagte Schmidt dem Magazin „Versicherungswirtschaft heute“. Zwar habe die Generali eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2021 ausgesprochen. Aber er wünsche sich „mal wieder eine Phase ohne Veränderungen“, da man mehr mit sich selbst beschäftigt sei als sich um Kunden und Neugeschäft kümmern könne.

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Damit spricht Betriebsrat Schmidt auf die vielen Umbaumaßnahmen im Konzern an. Im September 2017 hat die Generali ihren deutschen Tochterfirmen ein ehrgeiziges Programm verordnet, das unter anderem vorsieht, den Exklusivvertrieb mit 2.800 Vertretern komplett dichtzumachen. Sie sollen sich als selbstständige Handelsvertreter dem Vertriebspartner Deutsche Vermögensberatung (DVAG) anschließen, an dem die Generali 40 Prozent der Anteile hält.

Zudem will die Generali den Markenname ihrer Tochter AachenMünchener einstampfen und betreibt ein ehrgeiziges Digital-Programm. Doch dies ist nicht der erste Konzernumbau der letzten Jahre. Schon zuvor wurden nach schwierigen Jahren Standorte geschlossen, Strukturen umgebaut und Arbeitsplätze gestrichen.

Harte Kritik an Run-off-Plänen

Besonders kritisch äußerte sich Schmidt zu einem möglichen Verkauf von vier Millionen Lebensversicherungen der Generali Leben an einen externen Investor. Deutschland-Chef Giovanni Liverani hatte hierzu am Freitag Stellung bezogen und gesagt, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, ob man die Verträge selbst abwickle oder an eine externe Gesellschaft verkaufe. Das Neugeschäft der Generali Leben soll im ersten Halbjahr 2018 komplett eingestellt werden.

Schmidt schloss sich einem Statement der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di an, der er selbst angehört. Die Branche habe jahrelang gut an Lebensversicherungen und der betrieblichen Altersversorgung verdient und die aktuelle Lage sei nicht gut. „Aber im Sinne der Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit und des Kundenvertrauens in die Generali könnten wir einen solchen Schritt absolut nicht mittragen“, so Schmidt. Der Verkauf von vier Millionen Verträgen bedeute im schlimmsten Fall einen „Dammbruch in der Versicherungsbranche, der weder der Branche noch der Politik guttut.“

Kritik auch an BaFin-Haltung

Enttäuscht äußerte sich Schmidt auch zu den Positionen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Chefaufseher Felix Hufeld hatte letzte Woche in einem Interview mit dem Manager Magazin die Run-Off-Pläne der Lebensversicherer als legitime unternehmerische Entscheidungen bezeichnet, denen sich seine Behörde nicht entgegenstellen werde. Ein Verkauf von Lebensversicherungen würde demnach kein Verrat am Kunden bedeuten.

Man müsse auch andere Dimensionen als die geschäftliche Seite betrachten, gibt nun Schmidt zu bedenken. So wollen die Abwicklungsplattformen mit den aufgekauften Verträgen Gewinne erzielen. „Hier befürchten wir einen deutlich schlechteren Kundenservice und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen unserer Kolleginnen und Kollegen“, so der Betriebsrat. Das Image der Generali würde in Deutschland ramponiert werden, wenn die Generali so viele Verträge verkaufe. Das würde auch der Vertrieb zu spüren bekommen.

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Dennoch: Trotz aller Kritik zeigt der radikale Konzernumbau der Generali auch Erfolge. Die Generali Deutschland AG hat am Freitag sehr positive Geschäftszahlen für das Jahr 2017 verkünden können. Der operative Gewinn bezifferte sich auf 827 Millionen Euro, die Beitragseinnahmen bezifferten sich auf 16 Milliarden Euro. Im Kompositgeschäft hat der Versicherer ein weit besseres Verhältnis von Schäden und Kosten als der Marktschnitt (der Versicherungsbote berichtete).