Das Marketing für die Apps digitaler Makler-Start-ups war und ist Spitzenklasse. Längst wird nicht mehr nur damit geworben, dass die Apps einen kompletten Überblick über alle Versicherungen geben und Versicherungs-Papierkram überflüssig machen. Nein, App-Nutzer können Versicherungen von einer KI oder einem „Robo-Advisor“ analysieren lassen, personalisierte Policen mobil in 5 Minuten abschließen und in Echtzeit Schäden melden und ihr Geld erhalten. Und man könnte noch hinzufügen: all das kostet den Kunden nichts. Diese Apps, so haben es daher viele vorausgesagt, werden einen Siegeszug antreten und in Deutschland in naher Zukunft das erste milliardenschwere Versicherungseinhorn entstehen lassen. Und so ganz nebenbei den klassischen Makler überflüssig machen.

Anzeige

Mittlerweile ist jedoch Ernüchterung eingetreten. Während die Banking-App „N26“ mit ähnlichen Versprechen bereits über 3,5 Mio. Kunden gewinnen konnte und auf globalem Expansionskurs liegt, dürfte es kein deutscher App-Anbieter auch nur auf ein Zehntel dieser Zahl bringen. Und das, obwohl ihre Versicherungsapps wirklich überall von Bannern, Kooperationspartnern und jüngst gar Fernsehwerbung angepriesen werden.

Philipp Kanschik

Philipp Kanschik ist Bereichsleiter für das digitale Maklergeschäft und Nachfolgelösungen bei Policen Direkt.

Der Friedhof der InsurTechs, die voll auf Kundenapps gesetzt haben, wird derweil immer größer. Andere ändern still und heimlich ihre Geschäftsmodelle und setzen z.B. stärker auf Kooperation mit Maklern, werden selbst Versicherer, oder werden einfach verkauft / fusioniert / abgeschrieben. Das belegt auch die Übersicht unseres InsurTech-Radars.

Versicherungsapps sind langweilig

Warum zeigen Kunden bislang so wenig Interesse an den Apps? Die Makler unter den Lesern dieser Kolumne möchten jetzt vermutlich gerne hören, dass die Kunden lieber auf die persönliche Beratung vertrauen. Dass das Thema Versicherungen zu komplex für einen kleinen Bildschirm ist. Dass das Thema Vertrauen entscheidend und die Menschen den digitalen Anbietern nicht vertrauen.

Aber das würden Bankberater auch sagen. Oder Mitarbeiter in Reisebüros. Oder Immobilienmakler. Trotzdem wandern deren Kunden in Scharen zu digitalen Start-ups ab. Wer hat nicht schon mal an einem verregneten Sonntagnachmittag auf dem heimischen Sofa seine nächste Reise geplant, Hotels gesucht, Flüge gebucht, Mietwagenpreise recherchiert? Uns Konsumenten macht das einfach auch Spaß.

Versicherungen hingegen machen den meisten von uns keinen Spaß—sie bieten einfach keinen Unterhaltungswert fürs Sofa, egal wie gut die App gemacht ist. Der Grund für das Scheitern der Apps ist damit ein zugegebenermaßen wenig origineller: die Kunden interessieren sich nicht für Versicherungen.

Anzeige

All das ändert nichts daran, dass neben den Makler-Start-ups auch Versicherer und Pools immer neue Apps auf den Markt bringen. Es ist wohl auch ein Herdentrieb-Phänomen: alle machen es, also muss ja irgendwas dran sein.