Versicherungsbote: Sie sind ein recht junges Start-up. Können Sie OptioPay kurz vorstellen? Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

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Oliver Oster: OptioPay wurde 2014 von meinem Schulfreund Marcus Börner (CEO) und mir (COO) in Berlin gegründet. Aktuell beschäftigen wir rund 50 Mitarbeiter aus 24 Ländern und sind operativ in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig.

Wir sind ein auf Open Banking und Auszahlungen spezialisierter Finanztechnologie-Dienstleister für kundenzentrierten Mehrwert. Wir betreiben die Open Banking Software OptioBanking und eine Auszahlungsplattform als White-Label-Lösung für Unternehmen aus unterschiedlichen Industrien. Im Zuge der neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 haben wir unsere Auszahlungsplattform rund um Gutscheine nun mit OptioBanking erweitert, um Kunden auch personalisierte Spar- und Finanzempfehlungen auf Basis hinterlegter Bankdaten anbieten zu können.

Sie kooperieren unter anderem mit Versicherern, die Schadensummen zum Teil als Gutschein auszahlen wollen. Worin liegt der Vorteil für den Kunden? Bekommt er Geld, kann er doch selbst entscheiden wie er es ausgibt.

Das ist richtig, Versicherungen gehören unter anderem zu unseren Unternehmenskunden. Für Kunden vorteilhaft sind die Mehrwerte, Flexibilität und Transparenz, die über unsere Auszahlungsplattform garantiert wird. So kann beispielsweise eine Schadensregulierung in Höhe von 200 Euro für ein gestohlenes Fahrrad in einen 240-Euro-Gutschein bei einem Fahrradshop umgewandelt werden. Alternativ können Nutzer aus einem Händlernetzwerk von über 120 Partnern einen anderen Gutschein wählen oder die Auszahlung ganz bequem auf ihr Bankkonto überweisen lassen.

Welche Vorteile haben die Unternehmen?

Die beiden Säulen des FinTechs, OptioBanking und die Auszahlungslösung (Gutscheine mit Mehrwerten) sollen allen Parteien Vorteile bringen. OptioPay betreibt eine Open Banking Plattform als White-Label-Lösung für Versicherungen. Versicherungskunden teilen mit ausdrücklicher Einwilligung ihre Bankdaten, um auf Basis technologischer Analysen der Ausgaben- und Einnahmen personalisierte Empfehlungen zu erhalten. Versicherungen profitieren von neuen Umsatzkanälen, Kundendaten, höherer Kundenzufriedenheit und -bindung. Werbetreibende kommen bequem an Neukunden und Endkunden erfreuen sich an tatsächlichem Mehrwert.

Versicherungen realisieren mit den Banking-Tools die Chancen der neuen PSD2-Verordnung. Erkennt die Technologie zum Beispiel, dass eine Nutzerin zum ersten Mal Kindergeld erhält, wird sie auf konkrete Steuererleichterungen für Familien hingewiesen. Wenn ein Nutzer häufig bei einem Händler einkauft, erhält er Zugriff auf Mehrwert-Gutscheine bei diesem oder ähnlichen Händlern. Identifiziert OptioBanking günstigere Stromversorger oder findet eine passende Anlagemöglichkeit, erhalten Nutzer auch dafür eine Empfehlung. In Folge der Datenfreigabe durch den Kunden können für Versicherungen datengetriebene Kundenprofile erstellt werden, um präzises Marketing auszustrahlen sowie eigene Produkte und Services (in Form von Cross/Up-Selling) zur richtigen Zeit dem richtigen Kunden anzubieten.

Für welche Versicherungsarten werden die Gutscheine angeboten und wie hoch sind die möglichen Summen für die Gutscheine?

Die Auszahlungslösung wird für alle Versicherungsarten angeboten, da OptioPay für alle relevanten Auszahlungsgründe die passenden Händler im Angebot hat. Die Mehrwerte reichen von zum Beispiel zehn Prozent Mehrwert bei Zalando bis zu 100 Prozent Aufschlag bei REWE Lieferservice. Ein Limit für eine Auszahlungssumme gibt es nicht.

Noch im letzten Jahr meldete gründerszene.de, Sie machen mehr Verlust als Umsatz. Immerhin haben Sie nun in einer erfolgreichen Finanzierungsrunde einen zweistelligen Millionenbetrag eingesammelt. Hand aufs Herz: Wo gab oder gibt es Startschwierigkeiten für Sie als Start-up?

Als Finanztechnologiedienstleister ist OptioPay’s wichtigstes Asset eine relevante Software für Unternehmenskunden. Damit gehen stetige Investitionen in Technologie einher. Unser Business Plan hat natürlich diese Investitionen eingeplant und insgesamt haben wir das Umsatzwachstum jedes Jahr deutlich übertroffen. Seit 2017 haben wir mit OptioBanking ein weiteres Produkt auf den Markt gebracht. Die Entwicklung der Open Banking Technologie hat weitere geplante Investitionen wie z.B. Lizensierung als Kontoinformationsdienst bei der BaFin zur Folge gehabt. Auch in Zukunft wollen wir weiter in unsere Technologie und europäische Expansion investieren. Daher war und ist es ganz natürlich, dass die Investitionen die Umsätze übersteigen.

Wo wünschen Sie sich als Start-up mehr Unterstützung, zum Beispiel auch von der Politik? Werden junge Gründer aus Ihrer Sicht in Deutschland optimal bzw. ausreichend gefördert?

Die Politik versucht durch Förderprogramme Gründern Starthilfe zu geben. Jedoch ist die Komplexität der Anträge und die Dokumentationspflichten in keinem Verhältnis zu den gewährten Subventionen. Damit werden viele fördernde Maßnahmen konterkariert. Gleichzeitig unterschätzen wir generell in der Politik und Gesellschaft die benötigten Finanzierungsmittel für den Aufbau relevanter Technologien. Asiatische Länder zeigen, wie staatlich geförderte Investitionen aussehen. Wohingegen wir in Deutschland nur über milliardenschwere Fonds wie von Softbank oder dem Chinesischen Tech-Fonds träumen. Ich denke, dass wir in Deutschland und in der EU noch mehr in den technologischen Fortschritt investieren können und sollten.

Sie bieten auch White-Label-Lösungen für Versicherungen an. Was ist das Besondere daran? Wieso sollten Versicherungen auf White-Label zurückgreifen?

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Das Besondere ist der Kundenkontakt und die Visibilität der eigenen Marke beim Kunden. Der Kunde verbindet die Vorteile mit der Versicherung und das stärkt die Kundenbindung. Bei unseren Unternehmenskunden messen wir einen klaren Anstieg von Kundenzufriedenheit (NPS), wenn die Marke in einem positiven Moment in Erscheinung tritt. Wissenschaftlich bewiesen ist auch, dass eine gesteigerte Kundenzufriedenheit zu einer positiven Entwicklung des Customer Life Time Value (CLTV) führt.