Der digitale Versicherer Flypper ist Geschichte, bevor er überhaupt richtig starten konnte. Das Projekt werde nicht umgesetzt, „da das benötigte Kapital nicht eingeworben werden konnte“, heißt es auf der Webpräsenz des Noch-Nicht-Versicherers. Mit anderen Worten: Das Projekt konnte Investoren nicht ausreichend überzeugen.

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Viel Hype und große Erwartungen

Das Scheitern des Projektes verwundert zumindest mit Blick auf den anfänglichen Hype um Flypper. Als Gründer Dominik Groenen seine Pläne eines eigenen Digitalversicherers im November 2016 erstmals vorstellte - auch in einem Interview mit dem Versicherungsboten -, war das Echo in der Branche groß. Durchaus wurden ihm Chancen eingeräumt, einen modernen Sachversicherer für eine junge Zielgruppe zu etablieren — Digital Natives, die vermeintlich lieber das Smartphone oder teure Mode als die eigene Berufsunfähigkeit absichern.

Groenen, bekannt für seine Vorliebe für extravagante Schirmmützen, konnte viele Vorschusslorbeeren einheimsen: mehrere Start-ups hatte er zuvor erfolgreich auf die Reise geschickt. Auf Groenens Webseite heißt es, dass er „erfolgreicher Gründer von mehr als 13 Start-ups“ sei. Unter anderen massUp, ein Nischenversicherer und Finanzdienstleister, der sich mittlerweile schwerpunktmäßig auf White-Label-Lösungen konzentriert.

Groenen verließ massUp, um sich ganz seinem neuen Projekt widmen zu können: das er auf seinen Social-Media-Kanälen und in Expertenrunden fleißig bewarb. Als Versicherungsmakler hatte sich Groenen auch bereits bei der Londoner Versicherungsbörse Lloyds verdingt. Er brachte durchaus Branchenkenntnis mit.

Anspruch: Das Lemonade Deutschlands werden

In den ersten Interviews zur Firmengründung trat Groenen entsprechend selbstbewußt auf. "Think big ist das Stichwort!", sagte er dem Versicherungsboten: und gab als Ziel aus, in den ersten zwei Jahren 125 Millionen Euro von Geldgebern einzusammeln. In einem anderen Interview mit it-fachmagazin.de behauptete er wenige Monate später: „Wir treffen mit Flypper den Nerv der Zeit“. Und weiter: „Flypper startet als komplett neuer Carrier in Europa und ist eine für diesen Markt sinnvolle Weiterentwicklung des Konzepts des Versicherers Lemonade, die gerade in den USA für Wirbel sorgen“, so der junge CEO.

Ähnlich wie Lemonade in den USA wollte Groenen also auch mit seinem Versicherer in Deutschland durchstarten. Zur Erinnerung: Lemonade gilt als echter Game Changer auf dem Markt. Als eines der ersten Insurtechs nutzte man in den USA verstärkt künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen, um Kunden passgenaue Policen zu bieten. Ein Selbstläufer ist das freilich auch nicht. Seit knapp vier Jahren in den USA tätig, erwirtschaftete das Unternehmen 2018 rund 57 Millionen US Dollar Umsatzerlöse: etwas mehr als 51 Millionen Euro. Das klingt respektabel, doch noch zählt man zu den Kleinen der Branche.

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Bereits in den Jahren vor Flypper war Dominik Groenen damit beschäftigt, auch seine Person als Marke aufzubauen. Die Versicherungsbranche sei reif, „von mir und meinen Partnern digitalisiert zu werden“, sagte er 2014 in einem Interview mit gruenderszene.de. Und bescheinigte digitalen Konkurrenten wie Check24 und Friendsurance, dass ihr Geschäftsmodell kaum überlebensfähig sei. Das klang vollmundig. Digital-Erfahrung sammelte Groenen im Silicon Valley, wo visionäre Ideen und Selbstüberschätzung oft nur durch Nuancen zu scheiden sind.