Verlustrisiko führt zur Frage: Legen Anbieter das Geld gut an?

Bei der fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherung ist der gesamte oder ein wesentlicher Teil des Leistungsanspruchs, ähnlich wie bei Kapitalanlagen, an die Wertentwicklung von bestimmten Fondsanteilen gebunden. Auch zeigten jüngste Urteile wiederholt: Der Versicherungsnehmer trägt bei diesen Produkten einen nicht geringen Teil des Fondsrisikos, wie der Versicherungsbote berichtete. Umso dringlicher stellt sich demnach die Frage: Legen die Anbieter das Geld auch gut an? Die Studie eines Beratungshauses weckt daran aber nun zum zweiten Mal ernste Zweifel.

Anzeige  

 

Denn wie schon letztes Jahr kam die f-fex AG aus Bad Homburg in einer Studie zu dem Fazit: Rund zwei Drittel des deutschen Fondspolicen-Anlagestocks stecke für die fondsgebundene Lebensversicherung in Fonds mit durchschnittlichem oder gar schwachem Rating. Das ergab nun aktuell eine Analyse der Geschäftsberichte von 77 Lebensversicherern für das Geschäftsjahr 2017.

Die Gründe: So sei insbesondere die Streuung der Fondsqualität im Anlagestock beträchtlich, das Renditepotential fondsgebundener Lebensversicherungen durch schwache und durchschnittliche Ratings bei weitem nicht ausgeschöpft. Überrepräsentiert wären zudem höhere Risikoklassen bei angelegten Fonds. Auch Berichtswesen und Kundenberatung lassen aus Sicht der Studienmacher noch immer zu wünschen übrig.

Kritik trifft auch Fondsgesellschaften

Doch nicht nur Versicherer stehen in der Kritik des Beratungsunternehmens – denn die gleiche Probleme diagnostizieren die Experten auch bei Fondsgesellschaften, die für den Markt fondsgebundener Lebensversicherungen tätig werden. Auffallend wäre zudem: Konzerneigene Fondsgesellschaften würden in den wenigsten Fällen einen positiven Outperformance-Beitrag im Anlagestock des betreffenden Versicherers liefern. Gegenüber dem Befund des Vorjahrs sieht das Beratungsunternehmen folglich auch einzig Fortschritte beim Neugeschäft: Die Fondsqualität der Mittelzuflüsse sei im Durchschnitt besser als die im Bestand. Jedoch wäre dieser Trend keineswegs bei allen Versicherern festzustellen. Insgesamt kämen auch beim Neugeschäft deutsche Versicherer nicht über das Mittelmaß hinaus.

Geschäftsjahr 2018 lässt Schlimmeres erwarten

Eine solche Diagnose der Studie kann umso mehr beunruhigen, wenn man zudem bedenkt: Ergebnisse der Studie beziehen sich auf Geschäftszahlen für 2017. Das Geschäftsjahr 2018 dürfte für viele Gesellschaften aber einen noch weit düstereren Eindruck machen – 2018 galt als schwieriges Börsenjahr. So hatte in 2018 zum Beispiel der DAX (und damit der Aktienindex der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Börse) über 16 Prozent an Wert verloren (der Versicherungsbote berichtete).

Die guten Ausnahmen des schlechten Befunds: Gelobte Versicherer

Jedoch bieten nicht alle Versicherer Grund zur Klage, denn in einer Presseerklärung werden Anbieter auch lobend herausgestellt, die mit guten Ergebnissen für 2017 überzeugt hätten. So sieht das Beratungsunternehmen eine gute Fondsqualität bei Zurich und R+V sowie, für kleinere Versicherer, bei Münchner Verein und Barmenia. Außerdem werden aufgrund eines guten Neugeschäfts gelobt: Die R+V, Cosmos und die Axa (inkl. Dt. Ärzte Versicherung) sowie für kleine Versicherer die Targo, die Hannoversche Versicherung und MyLife.

Bei den konzerneigenen Fondsgesellschaften mit guter Fondsanlage glänzten nach Maßgabe der Studie: die Union Investment für die R+V, die Alte Leipziger Trust für die Alte Leipziger Versicherung und Allianz Global Investors für Allianz Leben. Gute Ergebnisse für große Fondsgesellschaften sieht das Analysehaus zudem für DWS und Union, besonders aber für Fidelity.

Anzeige  

 

Hintergrund:

Für ihre zweite Ausgabe der Studie Fondsgebundene Lebensversicherungen in Deutschland – Versicherer und Fondsgesellschaften im Qualitätscheck analysierte das Beratungsunternehmen f-fex AG aus Bad Homburg Geschäftsberichte von 77 Lebensversicherern des Jahres 2017. Laut Unternehmen deckt die Analyse rund 110 Mrd. Euro des knapp über 111 Mrd. Euro schweren Anlagestocks für den Markt ab, über den Online-Auftritt des Unternehmens kann eine kostenpflichtige Ausgabe bestellt werden. Freilich erfolgte das Erstellen der Studie nicht ohne Eigeninteresse – das Unternehmen verdient sein Geld mit dem digitalen Management von Fondspolicen.