Versicherungsbote: Sie haben als Maklerdienstleister einen guten Namen. Nun wurden Sie von den Fonds Finanz-Gesellschaftern aufgekauft, dem Marktführer unter den Maklerpools. Hand aufs Herz: Haben Sie dadurch Geschäftspartner verloren, etwa von der Konkurrenz?

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Matthias Brauch: Der Inhaberwechsel hat ja bereits im Mai 2017 stattgefunden. Beim Kauf haben sich die neuen Inhaber dezidiert für eine Unabhängigkeit von softfair ausgesprochen. Daran gibt es auch heute, eineinhalb Jahre später, nichts zu rütteln. Und auch nicht in Zukunft. Diese Unabhängigkeit liegt einfach in der DNA von softfair und sie wird von allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen. Unsere durchweg guten Geschäftszahlen zeigen, dass der Markt uns das Vertrauen gibt.

Ja, einige wenige Kunden haben uns den Rücken gekehrt, aber es konnten auch einige neue Kunden gewonnen werden. Das ist der ganz normale Lauf in einem umkämpften Markt, in dem wir uns bewegen. Wir planen dieses Jahr mit einer Umsatzsteigerung von knapp 20 Prozent zum Vorjahr.

…daran anschließend: Wie wollen Sie die Unabhängigkeit gegenüber der Fonds Finanz wahren, um auch mit Konkurrenz-Anbietern Dienstleistungen anzubieten? Oder wollen Sie dies überhaupt? Immerhin hantieren Sie mit sensiblen Daten.

Ein Unternehmen würde sich selbst aus dem Markt schießen, wenn es mit sensiblen Daten nicht absolut sorgfältig umgeht. Ich bin sicher, dass ist jedem klar. Die Sorgen kommen aus einer ganz anderen Ecke. Nämlich, dass wir nicht ausreichend Ressourcen für unsere Kunden zu Verfügung stellen, nur noch für die Fonds Finanz entwickeln oder gar Mitbewerber der Fonds Finanz abschalten könnten. Dass diese Sorgen unbegründet sind, müssen wir beweisen. Das ist mir bewusst, und das ist insbesondere auch den Inhabern bewusst. Wir tun dies mit weitreichenden vertraglichen Regelungen, welche wir unseren Kunden anbieten. Vor allem aber durch unser praktisches Handeln. Jeden Tag.

Manche Branchenexperten warnen davor, dass Anbieter wie Amazon oder Google eigene Versicherungslösungen anbieten und damit das Geschäftsmodell der traditionellen Versicherer überflüssig machen können: einfach deshalb, weil sie mehr persönliche Daten der Nutzer haben. Aus Ihrer Sicht ein realistisches Risiko - oder Panikmache gegenüber den „Etablierten“?

Das Geschäftsfeld der Versicherungen ist wahnsinnig komplex, sowohl in der Produktgestaltung als auch im Vertrieb. Diese Internet-Riesen werden vielleicht erfolgreich standardisierte Sachprodukte, wie Kfz und - mit Abstrichen - Haftpflicht und Hausrat, vertreiben können. In den „Königsdisziplinen“ Lebens- und Krankenversicherungen werden sie sich aber trotz der enormen Präsenz und des Datenschatzes kaum nennenswerte Marktanteile sichern können. Ich sehe hier keine unmittelbar bevorstehende Entwicklung, die daran etwas ändern könnte.

Die Branchen-Giganten aus dem Silicon Valley könnten auch Vergleichssoftware und sogar Maklerprogramme bzw. -dienstleistungen überflüssig machen, so ließe sich argumentieren, wenn sie entsprechende Tools entwickeln. Das würde auch Ihr Unternehmen betreffen. Wie schätzen Sie den Zukunftsmarkt für Vergleichsprogramme ein?

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Gegenfrage: warum sollte sich Silicon Valley mit einem so komplexen Thema überhaupt beschäftigen? Ein Thema mit extrem viel Detailliertheit, technisch wie fachlich, und vor allem mit einer solchen Begrenzung? Jedes Land ist schließlich anders. Und warum sollten diese Tech-Firmen es jetzt tun, wenn sie es schon seit Jahren hätten tun können? Nicht ohne Grund sind IT-Dienstleister wie wir hoch spezialisiert und bewegen uns in einem Oligopol. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft – jeder, der hier mitspielen möchte, ist natürlich herzlich willkommen.