Das Zinstief an den Kapitalmärkten bedroht zunehmend auch die betriebliche Altersvorsorge. Bereits im März 2018 hatte eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag für Aufsehen gesorgt. Denn in insgesamt 27 Fällen haben Pensionskassen im vergangenen Jahrzehnt ihre Verrentungsfaktoren zu Ungunsten der Versicherten nach unten korrigiert - einige sogar mehrfach.

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Im Mai schlug auch die Finanzaufsicht BaFin Alarm und warnte, dass einige Pensionskassen bald nicht mehr ihre vollen Rentenzusagen halten können, wenn sie kein Kapital von außen erhalten. "Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können", sagte der oberste Versicherungsaufseher Frank Grund bei der Jahrespressekonferenz der BaFin in Frankfurt. Die Lage sei "noch ernster als vor zwei Jahren" und werde sich bei anhaltend niedrigen Zinsen weiter verschärfen.

Lage der Pensionskassen ist kritischer als die von Lebensversicherungen

Die Situation der Pensionskassen sei insgesamt kritischer als die von Lebensversicherungen, weil es ausschließlich um langlaufende Rentenversicherungen gehe, warnte der Chefaufseher. Zudem werden die Menschen immer älter, so dass die Betriebsrenten länger gezahlt werden müssten. Aktuell summieren sich die Kapitalanlagen der Pensionskassen laut BaFin auf 165 Milliarden Euro.

Etwa ein Drittel der 137 Pensionskassen in Deutschland befänden sich unter verschärfter Beobachtung oder wie Grund es nennt: „Manndeckung“. In der schwierigsten Gruppe befinden sich rund zehn Prozent der branchenweiten Deckungsrückstellungen, berichtete Grund weiter. „Da machen wir uns schon erhebliche Sorgen“. In einigen Fällen hätten Träger bereits Gelder zugeschossen, hieß es im Mai.

Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen wird nun etwas konkreter. Denn etwa ein Drittel der 137 Pensionskassen in Deutschland sind genau 45 Pensionskassen. Mit dieser Anzahl von Unternehmen führe die Finanzaufsicht Bafin intensivere Gespräche. Davon betroffen seien knapp 2,8 Millionen heutige aber auch künftige Betriebsrentner. Das berichtet der "Tagesspiegel". Welche Pensionskassen betroffen sind, ist indes nicht bekannt. Die Namen würden jedoch bewusst nicht genannt. Schließlich sei "damit zu rechnen, dass die Veröffentlichung der Namen der Pensionskassen im konkreten Kontext deren Wettbewerbsfähigkeit schaden wird“, begründet die Bundesregierung.

Pensionskassen brauchen frisches Geld

Wegen der Niedrigzinsphase und dem demographischen Wandel benötigen immer mehr Pensionskassen frisches Geld. Laut Bundesregierung hätten von 2008 bis 2017 insgesamt 25 Pensionskassen Nachrangdarlehen begeben und Genussrechte aufgelegt. In Summe sollen so 455 Millionen Euro in die klammen Kassen geflossen sein. Allerdings könnten diese Rettungsringe zum Boomerang werden. Denn auf das geliehene Kapital müssten natürlich Zinsen entrichtet werden. Diese hätten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich vier Prozent betragen.

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Heikel ist die Situation auch für die beteiligten Arbeitgeber. Denn sie haften, wenn eine Pensionskasse nicht mehr alle Rentengarantien erfüllen kann. Im Zweifel müssten sie die Betriebsrenten ihrer früheren Mitarbeiter aufstocken oder gar ganz zahlen, wenn ein bAV-Anbieter wirtschaftliche Probleme bekommt. Die BaFin dränge die betroffenen bAV-Anbieter auch deshalb dazu, "bei ihren Trägern oder Aktionären rechtzeitig Unterstützung einzufordern", sagte Grund. Mit anderen Worten: Auch die Aktionäre sollen notfalls verzichten, damit die Rentner nicht weniger erhalten. Ungefähr die Hälfte der Pensionskassen sind als Aktiengesellschaften eingetragen.