Es gibt sie immer wieder: Gerüchte, dass Deutschlands Branchenprimus Allianz einen größeren Wettbewerber aufkaufen will. Allianz-Chef Bäte macht auch kein Geheimnis draus, dass er sich eine Megafusion vorstellen könne, wenn es sich anbietet. Dies könnte eine Option sein, um die immensen Kosten des digitalen Wandels aufzufangen, so hatte Bäte erst im Mai der britischen „Financial Times“ ins Mikro diktiert (der Versicherungsbote berichtete).

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Nur: Vollzug konnte bisher noch nicht gemeldet werden. Immer wieder werden Namen möglicher Übernahmekandidaten genannt - die sich dann letztendlich doch nicht bestätigen. Aktuell rührt nun „Welt Online“ in der Gerüchteküche. Laut „unterrichteten Kreisen“ unternehme die Allianz erste Schritte, um mögliche Akquisitionsziele zu bewerten, schreibt das Portal. Entscheidend sei, dass die Übernahmeziele genügend Potential für Wachstum bieten, heißt es weiter.

Lange Liste, viele potentielle Zielmärkte

Die Liste möglicher Übernahmekandidaten sei umfassend. Einige Namen wurden bereits zuvor mit der Allianz in Verbindung gebracht. Zum Beispiel die Schweizer Zurich Insurance Group, mit mehr als 53.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von jährlich 54,5 Milliarden Euro ein größerer Versicherer auf dem europäischen Markt. Oder die britische RSA Insurance, mit 13.500 Mitarbeitern schon deutlich kleiner. RSA besitzt unter anderem die in Großbritannien populäre Marke „More than direct“, die online Kfz-, Haftpflicht- und Reisepolicen vertreibt. Der Versicherer ist aber unter anderem auch in Norwegen, Dänemark oder Kolumbien mit bekannten Marken aktiv.

Ein weiterer Kandidat: die australische QBE Insurance, Marktführer in Down Under und darüber hinaus auch in Neuseeland und im asiatisch-pazifischen Raum gut aufgestellt. Alles keine neuen Namen: über das Interesse an QBE hatte auch der Versicherungsbote schon berichtet, das Unternehmen selbst aber dementiert. Es wäre ein Deal, der ungefähr 13 Milliarden Euro kosten würde. QBE ist unter anderem in der Transportversicherung und der Absicherung anderer gewerblicher Risiken ein wichtiger Akteur, der Versicherer zählt zu den Top 20 in der Welt.

Als weitere Namen, an denen die Münchener interessiert seien, wird die Argo Group und Aspen Insurance genannt. Auch Versicherer in China und den USA kämen für eine Übernahme infrage, berichtet "Welt Online" weiter. Aber die Überlegungen befänden sich noch in einem frühen Stadium und könnten auch nicht zu einem Abschluss führen. Dabei würden die Münchener mit externen Beratern arbeiten. Das Blatt beruft sich auf Personen, die mit dem Vorgang betraut seien, aber um Anonymität gebeten hätten.

Luxusproblem: Wohin mit dem Geld?

Die Übernahmepläne resultieren zum Teil aus einem Luxusproblem der Allianz. Der Versicherer will wachsen und hat auch ausreichend Geld dafür, sich bei anderen großen Versicherern einzukaufen. Doch wo soll man dies in Niedrigzins-Zeiten anlegen? Konzernchef Oliver Bäte klagte gegenüber der "Financial Times", dass viele börsennotierte Firmen derzeit überbewertet seien. Beispiel Axa: die Franzosen haben jüngst die XL Group aufgekauft. Mit 12,4 Milliarden Euro boten sie stolze 54 Prozent mehr, als der XL-Kurs zum Zeitpunkt des Kaufes wert gewesen ist. Dabei lehnt Bäte feindliche Übernahmen ab: es müsse von beiden Seiten die Bereitschaft bestehen, dass man gemeinsam agiere.

Bäte sei besorgt, nun vor allem gegenüber der Axa und American International ins Hintertreffen zu geraten, berichtet nun "Welt Online" mit Berufung auf die vertrauten Personen. Beide haben zuletzt spektakuläre Käufe getätigt. Dabei wolle er die Präsenz in der Sach - und Haftpflichtsparte im US-Markt ausbauen.

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Auch in Sachen Geldanlage haben sich die Münchener zum Teil neu orientiert. So investieren sie zum Beispiel verstärkt in Infrastruktur. Die Allianz ist Teil eines Konsortiums, welches das neue Abwassersystem in London finanziert. Sie verdient auch mit Autobahnen in Frankreich und Italien gutes Geld und beteiligt sich an deutschen Autobahnraststätten.