Seit 2006 ermittelt der Londoner Marktforscher Kantor Millward Brown die wertvollsten Marken der Welt: oft mit großem Medieninteresse. So auch in diesem Jahr wieder. Neben dem Geschäftsergebnis und Verbraucherumfragen fließen auch weiche Faktoren in die Wertung ein: etwa, wie die Produkte des Anbieters gestaltet sind oder ob das Unternehmen Marktführer in einer bestimmten Region ist. Mit anderen Worten: Das Ergebnis hängt auch von den Schätzungen und Interpretationen der Studienmacher ab.

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Speziell ausgewiesen werden im Ranking „BrandZ 2018“ auch wieder die wertvollsten Versicherer der Welt. Und hier gibt es eine Überraschung. An erster Stelle platzieren sich nicht die finanzstarken Versicherer aus Deutschland, Großbritannien oder den USA, sondern aus dem Reich der Mitte. Alle drei Erstplatzierten sind chinesische Gesellschaften. Insgesamt sei der Wert der zehn wertvollsten Versicherer um ein Drittel gestiegen, berichten die Autoren. Auf die Studie macht heute das Versicherungsjournal aufmerksam.

Dreifachgewinn für China: Ping An ist wertvollster Versicherer

Wertvollster Versicherer der Welt ist demnach aktuell Ping An, die ihren Hauptsitz in der südchinesischen Metropole Shenzhen hat. 26,1 Milliarden US-Dollar soll das Unternehmen wert sein, so haben die Marktforscher errechnet, umgerechnet rund 22,5 Milliarden Euro. Mit deutlichem Abstand verweist der Versicherer die China Life auf Rang Zwei, die in der chinesischen Hauptstadt Peking sitzt: mit einem Markenwert von 16,4 Milliarden Dollar bzw. 14,1 Milliarden Euro. Auf Rang drei platziert sich ein Wettbewerber aus Hongkong: die AIA mit 15,1 Milliarden Dollar (bzw. 13,0 Milliarden Euro).

Die wertvollsten Versicherer der Welt 2018 nach Interpretation von Kantar Millward Brown. Quelle: BrandZ 2018 / Kantar Millward Brown

Warum aber platzieren sich die chinesischen Versicherer an der Weltspitze? Hier betonen die Marktforscher, dass speziell der Wert von Ping An gegenüber dem letzten Jahr deutlich gestiegen sei: um 51 Prozent. Vor einem Jahr noch hatte die chinesische Regierung in den Versicherungsmarkt eingegriffen, um die Gesellschaften gegen Finanzspekulationen abzusichern. Diese Maßnahmen wurden nun aber wieder gelockert und liberalere Regeln erlassen, die es den Versicherern erlauben, freier auf dem Markt zu agieren und um Kunden zu werben.

Diese Situation trifft auf eine Gesellschaft, in der die Mittelschicht stark wächst, aber deutlich unterversichert ist. Mit anderen Worten: Es herrscht ein gewaltiges Marktpotential in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und den angrenzenden Staaten. Das Frankfurter Think Thank "Zukunftsinstitut" schätzt die Zahl der Mittelständler in China derzeit auf 109 Millionen Menschen, Tendenz stark steigend. Das sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt mehr Mittelständler, als Deutschland Einwohner hat. Die Mittelklasse-Chinesen würden verstärkt Versicherungen nachfragen, um sich und ihre Unternehmen abzusichern, analysiert Kantar Millward Brown.

Darüber hinaus betonen die Studienmacher eine Besonderheit des asiatisch-pazifischen Raumes. Die Kunden würden sich traditionell auf wenige bekannte Marken konzentrieren und die Bindung zu einem Anbieter sei in der Region sehr stark. Hier könne Ping An damit punkten, dass der Versicherer auch als Gesundheitsdienstleister breit aufgestellt sei. Der Konzern besitze einen Online-Gesundheitsservice sowie mehrere Kliniken in ganz China. Gute Vorraussetzungen, um in einer wachstumsstarken Region zu punkten.

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Doch damit nicht genug: auch global ist Ping An längst ein Schwergewicht. Der Versicherer hat sich unter anderem Ende 2017 mit 5,01 Prozent bei der britischen HSBC eingekauft und ist damit zweitgrößter Aktionär des Bankhauses. Die Chinesen haben im letzten Jahr ihre Finanzaktionen massiv ausgeweitet und unter anderem ihren Aktienanteil bei der mächtigen Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) von 7,9 auf acht Prozent erhöht. Es ist mit einer Bilanzsumme von 3,5 Billionen US-Dollar das größte Geldhaus der Welt.