Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat sich erneut für ein Provisionsverbot im Versicherungsvertrieb ausgesprochen. Die Verbraucherschutzzentralen werden steuerlich gefördert und nehmen Honorar. Vor diesem Hintergrund ist es einfach, den Vermittlern eine Entlohnung zu verbieten, auf die man selbst nicht angewiesen ist: eine Entlohnung zudem, die in letzter Zeit bereits indirekt stark begrenzt wurde, etwa durch das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG). Wer für seine Arbeit kein Geld bekommt, hat es auch schwer, sich weiterzubilden. Die hingegen, die das Geld vom Staat erhalten, bilden sich scheinbar nicht weiter. Wo ist hier die Nachvollziehbarkeit?

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Jeder Mensch in Deutschland erhält Lohn für seine Arbeit. Vermittler haften fünf Jahre für ihren Rat. Auch Schulungen und Weiterbildungen kosten Geld: viele Kollegen nahmen diese bereits in Anspruch, bevor das IDD-Umsetzungsgesetz Weiterbildungen gesetzlich vorschreibt. Sehr bewusst hat auch die Europäische Union in der IDD-Richtlinie die Koexistenz von Honorar und Provision ermöglicht, und in den wenigsten Mitgliedsstaaten herrscht ein Provisionsverbot. Was in anderen Ländern möglich sein soll, wird hierzulande dem Vermittler abgesprochen?

Abschaffung der Provision sichert nicht die Qualität

Frank Dietrich ist Versicherungsmakler aus Potsdam. Foto: Frank Dietrich Fachmakler GmbHIch habe da einen Verdacht: Mit der Forderung nach einem Provisionsverbot scheint auch der Versuch der Verbraucherzentralen einherzugehen, Konkurrenten am Markt auszuschalten, da sie selbst gegen Honorar beraten. Zumal ein Verbot von Provisionen keineswegs die Beratungsqualität garantiert. Ich selbst habe bereits einen Selbstversuch unternommen, wie ich bereits mehrfach berichtete, und mich von der Leiterin eines Verbraucherzentrale-Beratungszentrums beraten lassen. Von einer qualitativ hochwertigen Beratung konnte dabei nicht gesprochen werden, im Gegenteil.

In dem Beratungsgespräch über eine Berufsunfähigkeitsversicherung zeigten sich eklatante Mängel. Die konkrete Verweisung konnte die Beraterin nicht erklären. Wichtige Vertragsklauseln, die sich nachteilig für Kunden auswirken können, waren der Frau ebenso wenig bekannt. Zum Beispiel kann bei einigen Versicherern schon bei Arbeitslosigkeit oder Elternzeit das versicherte Berufsbild verloren gehen: Wichtige Vertragsdetails, über die ich nicht aufgeklärt wurde. Zum Teil wurden Begriffe wie „Nachprüfung“ und „befristete Anerkenntnis“ fehler- oder lückenhaft erklärt.

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Besonders kritisch wird es, wenn zweifelhafte Ergebnisse und Ratschläge erteilt werden. So hatte mir die Beraterin empfohlen, auf die Möglichkeit eines befristeten Anerkenntnisse bei der Auswahl zu achten. Allerdings hat sie es vergessen, dass dadurch eine rechtliche Schlechterstellung beim Versicherten erfolgt. Derselbe Umstand war Grund für ein Gerichtsverfahren in 2017. Auch hier ließ der Versicherer eine solche Belehrung vermissen. Eine andere Verbraucherorganisation, die „Stiftung Warentest“, rät ausdrücklich davon ab, weil eine befristete Anerkenntnis für den Kunden einen Nachteil hat: Die Anerkenntnis ist eben nur befristet, stattdessen ist eine verbindliche Anerkennung des Leistungsanspruches zu bevorzugen. Das geht übrigens bereits aus dem Begriff „befristet“ hervor.