In einem aktuellen Positionspapier fordert der Dachverband der Verbraucherzentralen (vzbv) erneut, dem Provisionsvertrieb für Lebensversicherungen und Altersvorsorge-Verträge dem Garaus zu machen. Anlass sind zwei Studien des niederländischen Finanzministeriums, die das seit 2013 eingeführte Provisionsverbot in den Niederlanden positiv bewerten.

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“Schlechte und bisweilen fehlerhafte Finanzberatung ist hierzulande leider nicht die Ausnahme. Verbraucherinnen und Verbraucher leiden seit Jahren darunter – mit ernstzunehmenden Folgen für die Altersvorsorge”, sagte Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt im vzbv, bei der Vorstellung des Berichtes in Berlin.

Positive Erfahrungen in den Niederlanden

Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt im Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Quelle: vzbvIn den Niederlanden ist es seit 2013 verboten, komplexe Finanzprodukte wie Hypotheken und Lebensversicherungen auf Provisionsbasis zu vertreiben. Der Provisionsvertrieb wurde ein Jahr später auch für andere Finanzprodukte untersagt, etwa Aktien.

Laut den niederländischen Behörden profitieren Verbraucher seit dem Provisionsverbot von höherer Beratungsqualität und besseren Produkten, schreibt der vzbv in einem Pressetext. Vor allem seien Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, vom Markt verschwunden.

Nach Interpretation des Verbraucherzentralen-Dachverbandes profitiert der Vertrieb selbst von einem Verbot. Nicht nur würde den Versicherungs- und Finanzberatern von den Kunden mehr Vertrauen entgegengebracht als vor der Reform. Auch würde sich die Mehrheit der Finanzberater gegen eine Rückkehr zum Provisionssystem aussprechen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband nennt in einer deutschsprachigen Kurzzusammenfassung der niederländischen Studie ausschließlich positive Auswirkungen eines Provisionsverbotes - ob auch negative Effekte festgestellt wurden, geht daraus nicht hervor.

Vertrauen in Berater stieg von 32 auf 37 Prozent

Ein Blick in die konkrete Studie, leider derzeit nur in niederländisch verfügbar ("Zakelijker verhoudingen – de markteffecten van het provisieverbod"), zeigt, dass das Vertrauen der holländischen Verbraucher in die Finanz- und Versicherungsberater tatsächlich gestiegen ist. Gleichwohl verbleibt es auf einem recht niedrigen Niveau. Dies ist das Ergebnis einer darin zitierten Verbraucherumfrage. Sagten im Jahr 2014 noch 32 Prozent der Verbraucher aus, dass sie dem Berater vertrauen, so stieg dieser Wert auf 37 Prozent im Jahr 2016.

Weit weniger konnten jedoch Versicherer und Banken in der Zeit des Provisionsverbotes Vertrauen hinzugewinnen. Von 2006 bis zu Zeiten der Finanzkrise 2009 sank die Zahl der Verbraucher, die ihrem Versicherer vertrauen, von mehr als 80 Prozent auf 55 Prozent. Von diesem Vertrauensverlust würden sich die Anbieter nur langsam erholen: noch immer liegt die Zustimmung nur bei 63 Prozent.

Auch werden in der Studie durchaus Hindernisse genannt, die eine Inanspruchnahme der Honorarberatung zumindest erschweren könnten. Während die Verbraucherzentrale schreibt: "Die Höhe der Honorare von Finanzberatern ist für Verbraucher kaum eine Hürde, diese in Anspruch zu nehmen", stellt die Studie fest, dass die Bereitschaft, eine entsprechende Beratung in Anspruch zu nehmen, auch stark von der Höhe des Einkommens abhängt.

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Nur zwei Prozent sehen Hürde

Dennoch: Nur zwei Prozent aller niederländischen Verbraucher sahen in der direkten Bezahlung von Finanzberatung eine Hürde, diese zu nutzen, so geht aus der Studie hervor. Das erfordert gleichwohl neue Bezahlmodelle. Beispiel "Beratungs-Abonnements": Hier zahlt der Verbraucher monatlich einen zuvor vereinbarten Betrag, beispielsweise 10 Euro im Monat. Damit erwerben sie das Recht, sich zu bestimmten Themen beraten zu lassen.