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Debatte um Effektivkosten

Riester-Rente zu teuer? GDV wehrt sich

Duell um Deutungshoheit bei Riester: Der GDV wehrt sich gegen Vorwürfe der Verbraucherzentralen, die Versicherer hätten keine kostengünstigen Riester-Produkte anbieten können (Symbolbild).Pexels@Pixabay.com

Die Riester-Rente ist zu teuer! So urteilte gestern der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und nahm die hohen Effektivkosten bei Riester-Policen ins Visier. Doch nun wehrt sich der Dachverband der Versicherer: Die Effektivkosten geben nicht die tatsächlichen Kosten eines Vertrages an, sondern sind nur eine Art Worst-Case-Szenario.

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Die Effektivkosten geben vereinfacht an, um wie viele Prozentpunkte die Kosten eines Riester-Vertrages dessen Rendite schmälern können. In einer Studie hat der Verbraucherzentrale Bundesverband die tatsächlich ausgewiesenen Effektivkosten von 18 Versicherern mit einer Modellrechnung der Bundesregierung verglichen.

Das Fazit der Verbraucherschützer: Der Versicherungsbranche sei es nicht gelungen, kostengünstige Altersvorsorge-Produkte auf den Markt zu bringen. Denn bei zwölfjähriger Laufzeit des Vertrages lagen die durchschnittlichen Effektivkosten der Versicherer um 52 Prozent über dem, was der Staat errechnet hatte. Bei 40 Jahren Laufzeit betrug das Plus gar deftige 155 Prozent (der Versicherungsbote berichtete).

GDV: „Die Verbraucherschützer rechnen nicht richtig“

Peter Schwark, GDV-Hauptgeschäftsführung. Quelle: GDV Nun meldet sich der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zu Wort und weist die Kritik der Verbraucherzentralen scharf zurück. Der Vorwurf: Die Verbraucherschützer rechnen nicht richtig, haben gar das Prinzip der Effektivkosten nicht verstanden. In einer Stellungnahme urteilt der Lobbyverband, die vzbv-Studie sei „methodisch nicht haltbar“ und gar „irreführend“.

„Die Verbraucherschützer rechnen nicht richtig, wenn sie die Kostenannahmen im Alterssicherungsbericht der Bundesregierung mit den Effektivkosten in den Produktinformationsblättern vergleichen“, sagt Peter Schwark, Geschäftsführer des GDV. Denn die Effektivkosten müssten angeben, wie hoch die Kosten eines Vertrages maximal sein können – wenn sich Fonds und Überschüsse ungünstig entwickeln. Es ist also eine Art Worst-Case-Szenario.

Die wirklichen Kosten für die Kunden seien jedoch fast immer deutlich niedriger. So würden Kostenüberschüsse, die den Kunden zu Gute kommen, bei den Effektivkosten grundsätzlich nicht berücksichtigt.

Zugleich verteidigt Schwark die Versicherer gegen den Vorwurf der Verbraucherzentralen, ihnen sei es nicht gelungen, kostengünstige Altersvorsorge-Produkte auf den Markt zu bringen. „Seit der Einführung im Jahr 2002 sind über 16,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden. Für ein freiwilliges System ist das ein weltweit beispielloser Erfolg“, so der Verbandsfunktionär.

Dorothea Mohn: „Effektivkosten sollten für mehr Wettbewerb sorgen“

“Obwohl der vzbv die Effektivkosten-Methodik der PIA (Produktinformationsstelle – Anmerkung des Verfassers) genau kennt, tut er unzutreffend so, als handle es sich um die tatsächlichen Durchschnittskosten von Riester-Produkten“, attackiert Schwark die Verbraucherzentralen auf seinem Twitter-Kanal.

Dieses Argument findet wiederum Dorothea Mohn nicht sehr überzeugend, Teamleiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband. In einem Twitter-Tweet bezeichnet sie das Statement des GDV als „Nebelkerze“. „Die Modellrechnungen im Riester-PIB sollen für einen Preiswettbewerb sorgen“, argumentiert sie. Die Verbraucherzentralen hätten „diese zur besseren Einordnung ins Verhältnis zu den Annahmen des Alterssicherungsberichts gesetzt.“

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Hintergrund: Die Effektivkosten auf dem Produktinformationsblatt für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte geben an, um wie viele Prozentpunkte die Kosten eines Vertrags die Rendite höchstens sinken lassen. Aus einer jährlichen Rendite vor Kosten von beispielsweise 3,0 Prozent wird bei Effektivkosten von 0,8 Prozent eine Rendite nach allen Kosten von 2,2 Prozent pro Jahr. Die Kennziffer bezieht alle einkalkulierten Kosten ein, also außer den laufenden Verwaltungskosten auch die Abschluss- und Vertriebskosten sowie Kosten der Kapitalanlage. Die Produktinformationsstelle Altersvorsorge (PIA) schreibt den Versicherern eine einheitliche Berechnung vor, um einen Vergleich der Anbieter zu ermöglichen.

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