Die Munich Re will ihre kriselnde Konzerntochter Ergo auch weiterhin behalten. Auf der Hauptversammlung des Rückversicherers am Mittwoch in München hat der neue Munich-Konzernchef Joachim Wenning sich öffentlich zu der Ergo bekannt. „Die Erstversicherung mit der Ergo ist in unserem Interesse, ist in ihrem Interesse“, sagte Wenning laut einer Meldung von dpa-AFX. Eine Trennung von der Düsseldorfer Tochter schloss er aus: „Die Ergo ist auf einem guten Weg“.

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Aktionärsvertreterin: „Ich verliere langsam die Geduld mit der Ergo“

In den letzten Jahren hatte die Ergo teils rote Zahlen geschrieben und damit das Ergebnis der Konzernmutter Munich Re gedrückt. 2016 belief sich das Jahresminus auf 40 Millionen Euro, im Jahr davor auf etwa die Hälfte (der Versicherungsbote berichtete). Zahlen freilich, die ein milliardenschwerer Konzern wie die Munich Re verkraften kann. Dennoch gab es auch diesmal wieder kritische Stimmen.

„Wir basteln seit 18 Jahren an der Ergo rum. Ich verliere langsam, aber sicher die Geduld mit der Ergo“, sagte die Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), laut der Nachrichtenagentur. Auch Union Investment-Manager Ingo Speich wird mit den Worten zitiert: „Das Ergo-Desaster muss endlich ein Ende finden!“

Schmerzhafter Konzernumbau

Die Ergo befindet sich aktuell in einem Umbauprozess, der viel Geld verschlingt: Doppelstrukturen sollen abgebaut, IT und andere Technik erneuert werden. Eine Milliarde Euro hat die Konzernmutter Munich Re dafür Ergo-Chef Markus Rieß in die Hand gedrückt.

Ein Umbau, der schmerzhaft, aber notwendig ist. In den letzten Jahren sorgte die Ergo mehrfach für Negativschlagzeilen: Unter anderem, weil hunderttausende Lebensversicherungen fehlerhaft berechnet worden waren (der Versicherungsbote berichtete). Die Ursache: unzuverlässige und veraltete IT-Technik.

Die Erwartungen der Munich Re an die Konzerntochter sind groß. Bereits in fünf Jahren soll der zweitgrößte deutsche Erstversicherer wieder 600 Millionen Euro Gewinn zum Konzernergebnis der Munich Re beisteuern. „Wir sind überzeugt, Ergo wird das schaffen, in bin da sehr zuversichtlich“, so Wenning.

Ergo: Seit Jahren Probleme

Der 52jährige Joachim Wenning hat die Führung von Munich Re an diesem Donnerstag von Nikolaus von Bomhard übernommen. Bomhard stand dem weltgrößten Rückversicherer seit 2004 vor. Schon beim Amtsantritt Bomhards hatte die Ergo mit Problemen zu kämpfen: Für das Geschäftsjahr 2003 musste die Ergo im Geschäftsbericht einen Fehlbetrag von 1,43 Milliarden Euro verkünden, im Jahr zuvor waren es 1,21 Milliarden Euro. Ursache waren schon damals teils hohe Vertriebs- und Schadenkosten, Abschreibungen auf Kapitalanlagen sowie hohe Verpflichtungen gegenüber Altkunden, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist.

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Auch die Konzernmutter Munich Re kämpft seit Jahren mit schrumpfenden Gewinnen, wenn der Rückversicherer freilich immer noch sehr gute Ergebnisse erzielt. Grund hierfür sind neben dem Niedrigzins auch hohe Kosten durch Naturkatastrophen sowie ein erbitterter Preiskampf im Rückversicherungsgeschäft. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Munich Re einen neuerlichen Gewinnrückgang von 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf nun 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro. Genug Gewinn, um sich als weltweite Nummer 1 zu behaupten – zu wenig, um die Aktionäre zufriedenzustellen.

dpa-AFX