Die Rentnerin wollte ihr Erspartes sicher auf einem Konto unterbringen, so berichtet der Bayrische Rundfunk. Sie nahm den Weg zur Bank in ihrem Heimatort Freising bei München auf sich. Sprach mit einem Berater, leistete ein paar Unterschriften, ging sorglos nach Hause und setzte ein Häkchen auf ihre To-do-Liste. Doch bald wunderte sie sich sehr über den Rattenschwanz, den das Ganze nach sich zog: sie hatte nämlich kein Konto eröffnet, sondern eine Lebensversicherung abgeschlossen.

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"Das habe ich erst bemerkt, als ich meine Kontoauszüge aus dem Automaten geholt habe, da stand dann: Lebensversicherung. Dann dachte ich, was für eine Lebensversicherung, du hast doch keine Lebensversicherung abgeschlossen, was soll denn das?", erklärt die Frau gegenüber dem BR.

Erspartes nicht verfügbar - Lebensversicherung statt Konto eröffnet

Nun war das Ersparte plötzlich nicht mehr verfügbar. Die Freisingerin kam an ihr Geld nicht mehr heran. Konkret handelte es sich im 100.000 Euro, von der sie monatlich 680 Euro in Form einer „Sofort-Rente“ erhielt. Sie muss mehr als zwölf Jahre überleben, damit sie die Summe wieder rein hat, Inflation nicht eingerechnet. Der Rest ihres Geld wird unter Verschluss gehalten. Ziemlich ärgerlich, wenn man das so gar nicht wollte.

Und noch ärgerlicher: der Vertrag, den die Rentnerin abgeschlossen hatte, stellte sich als unkündbar heraus. Dabei hatte die Frau das Geld angespart, um sich neben ihrer spärlichen Rente größere Anschaffungen leisten zu können. Es entsprach schlicht nicht ihrer Absicht, das Guthaben in eine Rente umzuwandeln, wie sie sagt - sie wollte das Geld, an das sie nun nicht mehr herankommt, immer verfügbar haben.

Die betagte Frau war aber sehr umsichtig und legte sogleich bei der Bankenaufsicht BaFin eine Beschwerde ein. Damit war sie nicht allein. Die Zahl der Bankkunden, die sich gezwungen sehen, gegen das Vorgehen ihrer Bank Beschwerde einzulegen, ist im ersten Halbjahr 2015 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angewachsen. Insgesamt gingen dort seit Jahresbeginn bereits 2926 Beschwerden ein, was aber im Vergleich zur Zahl der Bankberatungen noch überschaubar ist.

BaFin kann nicht helfen

Doch trotz Beschwerde konnte die Aufsicht der Rentnerin ebensowenig helfen wie der Versicherungsombudsmann. Nun blieb ihr noch die Option, die Verbraucherzentrale zu kontaktieren. Und auch hier war sie nicht die erste, die ein vergleichbares Problem hervorbrachte. In der Sprechstunde erzählte die Rentnerin der Verbraucherzentrale-Mitarbeiterin Susanne Götz, was ihr passiert war. Frau Götz von der Verbraucherzentrale kannte ähnliche Fälle.

"Es kommt leider immer mal wieder vor, dass älteren Menschen eine Sofortrente vermittelt wird. Das ist wirtschaftlich unsinnig, weil sie haben nicht mehr viel Lebenszeit vor sich und dann ist das Kapital gebunden und steht nicht mehr zur Verfügung, das Geschäft ist ein ganz schlechtes. Und sie ist leider kein Einzelfall: Immer wieder landen Betroffene bei uns, denen das so empfohlen wurde. Ich vermute, dass hier das Geschäftsinteresse der Versicherungsvermittler im Vordergrund steht."

Vertrag unkündbar, Versicherungsschein angeblich nicht zugesendet

Die Rechtsberaterin Susanne Götz vermochte es jedoch nicht, den Vertrag der hilfesuchenden Rentnerin zu stornieren. Und das, obgleich die Seniorin darauf beharrt, man habe ihr den Versicherungsschein niemals direkt zugeschickt. Die ERGO aber behauptet, diesen Schein habe man der Rentnerin über die Bank zukommen lassen. Die Renterin aber kann das nicht bestätigen. Hier steht Aussage gegen Aussage.

"Wir entsprechen Rückzahlungsforderungen in Falschberatungsfällen dann, wenn wir zweifelsfrei im Rahmen einer Einzelfallprüfung begründete Rückforderungsansprüche feststellen", so ließ die ERGO über einen Sprecher verlautbaren. Die Hypovereinsbank bestätigte, dass der Bankberater eine Provision für die Vermittlung des Vertrages kassiert hat. Wie hoch diese ausfiel, dazu wollte sich das Geldhaus nicht äußern.

Falschberatung? Seniorin unterschrieb Dokumente, ohne sie zu lesen

Auch gegen den Vorwurf der Falschberatung verwehrt sich die Bank. Leider muss auch gesagt werden, dass die Rentnerin selbst einen Beitrag zu ihrem Unglück leistete: sie hat im Beratungsgespräch gesagt, was sie haben will und geglaubt, dass sie das auch bekommt. Aus diesem Vertrauen heraus hat sie die Dokumente, die sie unterzeichnet hat, nicht durchgelesen.

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"Ich dachte ja auch, ich unterschreibe dafür, dass ich ein Devisenkonto eröffne. Wenn ich ein Konto eröffne, muss ich doch unterschreiben. Außerdem war’s da so dunkel, da habe ich nichts gesehen." Nun ist die geprellte Rentnerin 82 Jahre alt geworden. Aber sie denkt gar nicht daran, aufzugeben. Sie will sich einen Anwalt nehmen, um die Bank wegen Falschberatung zu verklagen.